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Allgäuer Hörnerdörfer: Winterglück

Wenn man sich Bayern auf einer Landkarte als eine Hand vorstellt, dann hakt sich der Daumen so ein wenig bei Österreich unter. Man könnte dieses kleine „Komma“ zwischen dem Vorarlberger Kleinwalsertal und dem Tiroler Tannheimertal als Laune der Kartografie abtun, oder man könnte das Allgäuer Voralpenland als das entdecken, was es ist: die Region, die das i-Tüpfelchen alpiner Lebensart in Deutschland ist. Das Allgäu. Ein gesegnetes Fleckchen ist er schon, der äußerste Südwesten Bayerns. Märchenhafte Königsschlösser, viel besungener Bodensee oder legendäre Skisprungschanze. Und doch – seine wahre Schönheit zeigt er genau dazwischen, in den Allgäuer Hörnerdörfern.

Georg Kindel1. März 2022 No Comments

Zwar ist in den Allgäuer Hörnerdörfern der Schnee nicht weißer und der Himmel nicht blauer als im übrigen Allgäu. Hier ragen nicht die höchsten Gipfel in den Himmel, es gibt weder die steilsten noch die meisten Pisten und „Party“ nennt man den gemütlichen Aperitif in der Eis-Bar oder das elegante Après-Ski im Winterzauber-Tipi sicher nicht. Ja, der Winter in den Hörnerdörfern ist einfacher. Einfach entspannter: Fischen, Ofterschwang, Obermaiselstein, Bolsterlang und Balderschwang haben natürlich Sonne, Ski und Langlauf – klar, aber auch Eisstockschießen, Rodelspaß und Winterwanderwege in drei Höhenlagen. Hütten und Gasthäuser mit ausgezeichneter regionaler Küche, Höhenwege mit überwältigender Panoramaaussicht, Pferdekutschfahrten mit Glöckchenklang und einzigartige Möglichkeiten für
tiefes Natur- und Seelenerleben. Und egal, wo und wie man in den Hörnerdörfern den Schnee erlebt – es ist immer ein unverfälscht feines Winterglück.

Skifahren. Mit Anspruch auf Abwechslung. Die erste Frage des Tages lautet: Wo ist die beste Piste? Gerade für Familien oder Gruppen mit unterschiedlichen Fahrniveaus ist es wichtig, dass im Skiurlaub alle auf ihre Kosten kommen. Die fünf Skigebiete der Hörnerdörfer haben die perfekte Antwort: überall. Ofterschwang-Gunzesried, Balderschwang, Hörnerbahn, Grasgehren und Stinesser überfordern Ski-Neulinge nicht und halten doch genug Herausforderungen für Könner bereit. Ob mit Brettern oder Board, ob Zauberteppich in der Skischule, Idealhang für junge Familien, Ski-Cross-Areale mit ordentlich Action-Potenzial oder die anspruchsvolle Weltcupstrecke, hier findet jeder die richtige Piste. Wo man fährt, entscheidet man spontan, denn der Verbundskipass „Hörnerschnee(S)paß“ gilt überall auf den knapp 90 Pistenkilometern und über 30 Lifte entzerren selbst Wochenendspitzen.
Schließlich braucht man keine Bretter an den Füßen für die Sesselund Kabinenbahnen – die Hütten und Höhenwege sind Grund genug, auch in Wander- und Schneeschuhen den Weg nach oben zu suchen.

Grenzenlos. Das Langlauf-Eldorado des Allgäus. Zwei schmale Bretter und ein Paar Stöcke. Ursprünglich waren Ski gedacht und gemacht, umin den endlosen Schneewintern nördlicher Länder besser vorwärts zu kommen. Abwärts ging es dann noch schneller, ein Nebeneffekt, der schnell zum Trend wurde, aber in den Hörnerdörfern schätzt man den Skigenuss, für den keine Piste nötig ist, nach wie vor. Das originale Skifahren nennt sich heute zwar Skaten, Cruisen oder schlicht Langlauf, aber hierzulande braucht es bezüglich Panoramas und Funfaktor den Vergleich mit den alpinen Disziplinen nicht zu scheuen. Gesund und gelenkschonend ist es sowieso und wenn man die Auswahl aus gut über 100 Loipenkilometern hat, ist auch für Abwechslung gesorgt. Viele Loipen sind zwischen den Hörnerdörfern miteinander verbunden, werden in allen Schwierigkeitsgraden konzipiert und von erfahrenen Loipenteams gewalzt und gespurt. Unangefochtener Star unter den Strecken ist die Grenzlandloipe, die vom schneesicheren Wintersportort Balderschwang bis nach Vorarlberg in den Bregenzer Wald führt. Sie ist samt zugehörigem Nordic Activ Zentrum sogar DSV-zertifiziert.

Es muss nicht immer „Skifoan“ sein. Er hat schon recht, der Wolfgang Ambros. Skifahren an einem perfekten Wintertag ist schön wie sonstwas, trotzdem hat Alpin-Ski in den Hörnerdörfern reichlich Konkurrenz: Zuallererst durch Loipen, obwohl auch Schlitteln immer beliebter wird. Vor allem weil man in Fischen auf Spezial-Holzschlitten vom Schlepplift hinaufgezogen wird, in Ofterschwang ordentlich lang fahren kann und am Riedberger Horn noch einen extra Dreh durchdie Snowtubing-Reifen erhält. Manchmal jedoch gebietet die Winteridylle geradezu eine langsame Gangart, dann sind Winterwanderungen und Schneeschuhtouren bestens geeignet, um die glitzernde, sonnige Pracht der Hörnerberge auf sich wirken zu lassen. Geführte Touren, sei es mit der Rangerin, mit dem Meditationsbegleiter oder dem Sagenerzähler, versprechen bunte Erlebnisse im Winterweiß.

1. März 2022