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Am Ende der Welt

Die Route entlang der chilenischen Fjorde zählt zu den außergewöhnlichsten Once-in-a-Lifetime-Erlebnissen. Den Besuchern dieses Teils von Patagonien zeigt sich eine grandiose, stille, erhabene Landschaft voll Naturgewalten, Gletschern und Regenwäldern. Auf den Spuren weltberühmter Entdecker, Forscher und Seefahrer wie Darwin und Magellan muss heute an Bord eines Expeditionsschiffes nicht auf Komfort und Luxus verzichtet werden. Der Rückblick auf eine faszinierende Schiffsreise unmittelbar vor dem ersten Lockdown im März 2020 nach Feuerland und ans „Ende der Welt“, die schon bald wieder möglich sein wird.

CHRISTINA ZAPPELLA-KINDEL28. Mai 2021 No Comments

Garibaldi-Gletscher. Frühmorgens gleitet die HANSEATIC nature durch die Magellanstraße zum Garibaldi-Gletscher. Ein unglaubliches Gefühl, wenn man frühmorgens aufwacht und sich eine fast unwirkliche Landschaft langsam vor dem Kabinenfenster auszubreiten scheint. Man will nur schnell hinaus, um keine Minute dieses Naturschauspiels zu verpassen. Vereinzelt finden sich schon Passagiere an Deck, manche sitzen gemütlich mit Kaffee und Croissant in der großzügig angelegten Observation Lounge oder beim Frühstück in einem der Restaurants. Man steht staunend am Außendeck und ist sprachlos ob dieses magischen Naturschauspiels entlang des Kanals im Alberto de Agostini-National-Park. Beeindruckende Gletscherzungen reichen bis zur Wassergrenze, andere wiederum bedecken nur die Kuppen der Berge. Schon bald verrät das rasselnde Geräusch der Ankerkette, dass wir unser Ziel erreicht haben: den Garibaldi-Gletscher. Er ist gesäumt von uraltem, knorrigem Urwald und kleinen Wasserfällen, die von den Bergen an den Fjordwänden ins Tal stürzen. In kleinen Gruppen cruisen wir anschließend auf Schlauchbooten, den Zodiacs, durch den Fjord. Riesige Eisbrocken treiben neben uns auf dem tiefblauem Wasser und das Boot gleitet lautlos hindurch. Bis auf das Klicken der Kameras und das Knirschen des Eises hört man nicht viel. Die Motoren laufen sehr leise auf kleiner Kraft, fast alle im Boot starren gebannt auf die blauen Farben des sich nähernden Gletschers. Manchmal kracht ein größerer Brocken Eis in das Meer und die dadurch verursachten Wellen kommen bis zu unseren Booten. Die grandiose Kulisse macht uns selbst still. Ein unvergesslicher Anblick, der aber auch angesichts des Klimawandels nachdenklich stimmt. Auf dem Weg zurück zum Schiff halten wir an einer Bucht, wo sich eine Kolonie von Seelöwen suhlt. Voll der Eindrücke fahren wir zum Schiff zurück, wo wir bei der Ankunft gleich mit heißer Schokolade verwöhnt werden. Majestätisch ruht die HANSEATIC nature für einige Stunden in der Bucht, ehe es weiter durch die Fjorde, vorbei an dichten Wäldern, dunklen Felswänden und schneeumrandeten Gipfeln Richtung Norden geht.

Pinguinkolonie. Am nächsten Morgen gehen wir in Punta Arenas an Land und begeben uns auf den Weg zu einer der größten Pinguinkolonien in Chile, zu der Insel Magdalena. Von Oktober bis März leben bis zu 50.000 Pinguine in dem malerischen Naturschutzgebiet, um ihre Küken auszubrüten. Auf abgesteckten Wegen kann man sich den putzigen Tierchen gerade so nähern, um ein paar tolle Fotos zu schießen – und die unzähligen Wasservögel brüten dazwischen. Ein Naturschauspiel und Idyll, denn ab dem Nachmittag gehört die Insel wieder nur den Tieren, sobald die letzten Touristenboote abgelegt haben. Nach dem Ausflug freut man sich, wieder auf die HANSEATIC zu kommen. Es gibt täglich Vorträge von Experten zu den unterschiedlichsten Themen, wo sich die Passagiere die Erlebnisse vom Tag noch einmal tiefgehend erklären lassen können. In der Bibliothek können Interessierte in wissenschaftlicher Literatur schmökern. Ein Seetag vergeht auf dieser Expedition de luxe wie im Fluge: Man kann in der Sauna sitzen und die Eisschollen vorbeigleiten sehen, bei einer Massage entspannen, oder am Laufband im Gym fit bleiben. Es ist, als wäre man mitten im Dreh für eine „Universum“-Folge, umgeben von einer Wildnis voller Schönheit und dem faszinierenden Zusammenwirken von Eis, Felsen und Wasser. Unweigerlich fühlt man eine tiefe Verbundenheit mit diesem Naturparadies. Kein Anzeichen von Zivilisation, kein Müll, kein Plastik.

Das wilde Patagonien. Puerto Natales ist ein charmantes Städtchen und gilt als Ausgangspunkt für unzählige Wanderungen zu den beiden Nationalparks in der großen chilenischen Wildnis. Eine beliebte Route ist das „O“, bei dem der Gebirgsstock der Torres del Paine umrundet wird. Sie dauert acht Tage, Verpflegung, Schlafsack und Zelt müssen dabei selbst mitgenommen werden. Es gibt jedoch auch einige wenige Hotels oder Camps zum Übernachten, wenn man es bequemer haben will. Die HANSEATIC nature hat schon frühmorgens geankert und wir sind mit dem Bus zum Torres-del-Paine-Nationalpark unterwegs, wo uns eine sechsstündige Wanderung erwartet. Vorbei an grasenden Guanako-Herden, den wilden Verwandten des Lamas, fahren wir durch einen menschenleeren, mystischen Landstrich. Es regnet leicht, aber trotzdem freuen wir uns auf die Wanderung. Tatsächlich öffnen sich aber die Wolken und zaubern einen strahlend blauen Himmel hervor – das Wetter kann hier blitzartig umschlagen. Der Weg führt an glitzernden Wasserfällen, schimmernden Bergseen und atemberaubenden Aussichtspunkten vorbei. Die Landschaft wirkt wie aus einem Fantasy-Film und ist von überwältigender Schönheit. Unterwegs zeigt uns unser Führer noch die frischen Spuren eines Pumas. Niemand will auf einmal mehr der Letzte in unserer Gruppe sein. Nach ein paar Stunden Wanderung erreichen wir erschöpft eine Schutzhütte, wo für uns am offenen Feuer Steaks gegrillt werden – wir sind ja schließlich in Südamerika. Es ist der letzte Tag im wilden Patagonien, morgen geht es zurück nach Europa. Die Torres del Paine, die rund 3.000 Meter hohen Granitberge, ragen erhaben vor uns als Kulisse in den Himmel, der Gletschersee Pehoe glitzert in der Abendsonne. Ein krönendes Abschiedsbild, das sich unweigerlich einprägt als Erinnerung an eine der schönsten Reisen überhaupt: an die ans Ende der Welt.

Diese Reise erfolgte auf Einladung der Hapag Lloyd Cruises.

28. Mai 2021