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Andreas Schutti: Der verlorene Sohn

Er war Österreichs ungekrönter Partykönig, seine „Nachtschicht“ die größte Diskothekenkette des Landes. DJ Ötzi legte bei ihm auf, Stars und Prominente gingen in seinen zehn Tanztempeln ein und aus. Sex, Alkohol, Geld und Luxus bestimmten sein Leben. Dann kam der große Niedergang. Die Finanz ermittelte gegen ihn, seine Häuser wurden durchsucht, zehn Jahre lang lief ein zermürbendes Verfahren wegen Steuerhinterziehung, das ihn auf den Boden der Tatsachen zurückbrachte. Nach dem Sinn des Lebens suchend, fand der ehemalige Lebemann schlussendlich Gott. Als Prediger folgen ihm heute Tausende Menschen auf dem rechten Weg.

Claudia Huber10. Oktober 2019 No Comments
andreas schutti ooom magazin

Sie waren der erfolgreichste Diskothekenbetreiber Österreichs, machten mit 10 Großraumdiscos viele Millionen, lebten ein schillerndes Partyleben mit Sex, Alkohol und Luxus. Mit einem Mal war 2005 alles aus: Hausdurchsuchungen, Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, Anzeigen, Verfahren, die drohende Haft. Wie tief war der Fall?

Sehr tief. Ein Ex-Mitarbeiter hatte mich angezeigt. Aus heutiger Sicht rettete er damit mein Leben. Damals war es natürlich eine totale Katastrophe. Ich war bereits in einer Phase meines Lebens, wo ich alles hinterfragte. Ich wollte das alles nicht immer wiederholen, zu den Discos fahren und ständig Mädels abschleppen.

Was belastete Sie am meisten? Ihre Sexsucht?

Die Sexsucht war für mich merklich eine Belastung. Ich war eigentlich kurz vor dem Burn-out. Die Anklage des Finanzamtes lautete auf 60 Millionen Euro Steuerhinterziehung. Haftbefehle, die auf dem Tisch lagen, wurden jedoch abgewiesen – das war ein regelrechtes Wunder. Ich habe dann gewusst, dass ich mein Leben ganz schnell verändern muss. Innerhalb von zwei Jahren habe ich alle meine Discos abgegeben. Das Verfahren hat sich aber über zehn Jahre gezogen. Das war schon eine extreme Belastung und hat mich auch sehr stark am Boden gehalten. Ich wusste ja nie, ob sie mich einsperren oder nicht.

Mein Leben war eine totale Katastrophe, die Sexsucht eine Belastung. Die Anklage lautete auf 60 Millionen Steuerhinterziehung. Ich wusste, ich muss mein Leben schnell verändern.

Wo haben Sie Halt gefunden?

Ich habe alles durchprobiert. Ich habe mein Haus auf Feng-Shui umgebaut, habe mich mit dem Buddhismus auseinandergesetzt, mit Astrologie, hab Esoterik ausprobiert und überall Kristalle aufgestellt. Ich wollte den Sinn des Lebens finden.

Sie sind dann beim christlichen Glauben stehen geblieben.Wie waren Ihre Begegnungen mit der Kirche zuvor? Gab es die überhaupt?

Früher hatte ich mit der Kirche nichts am Hut. Ich war ja der Meinung: Ich bin Gott! Ich kam mir richtig allmächtig vor. Als ich dann aber am Boden gelegen bin, habe ich nach Hilfe gesucht. Ich habe viel in den Sternenhimmel hinaufgeschaut, und dann war bei mir im Herzen ein Gefühl, warum ich eigentlich nicht mit Gott rede. Auf einmal war es für mich total klar. Alles Materielle war weg, aber ich bin in Gottes Arme gefallen. Plötzlich ging es um Werte, um wahre Werte. Darum, seine Familie zu erhalten und echte Freunde zu haben – nicht mehr darum, wo man die nächsten „Hasen“ findet. Die Bekanntschaft mit einem Gärtner brachte mich dann auf die Idee, in der Bibel zu lesen. Ich habe angefangen und gewusst, darin finde ich die Wahrheit. Wenn ich heute eine falsche Handlung setze oder in Versuchung gerate, dann erinnere ich mich daran. Christ sein bedeutet ja nicht, keine Fehler mehr zu machen. Wir sind trotzdem alle nur Menschen.

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Hatte der Glaube in Ihrem Elternhaus, in Ihrer Kindheit eine Bedeutung?

Meine Eltern haben sich früh scheiden lassen, ich bin mit meinen Geschwistern bei meiner Mutter aufgewachsen. Wir lebten in einem Haus, in dem es nur Kaltwasser gab, die Toilette war ein Plumpsklo im Freien, Kleidung kam aus dem Rot-Kreuz-Sackerl. Wir waren finanziell am absoluten Limit, und oft wurden wir weggeschickt. Wenn ich aber irgendwo mitgeholfen und gearbeitet habe, war ich gern gesehen. Ich habe mich früh über das Arbeiten definiert. Dort wurde ich gelobt, und daraus habe ich meinen Selbstwert gezogen.

Früher dachte ich: Ich bin Gott. Heute will ich anderen dabei helfen, zum Glauben zu finden. In der Bibel liegt die Wahrheit.

Wie kamen Sie zu Ihrem ersten Lokal?

Das erste Pub, das ich übernommen habe, war in meiner Heimatgemeinde. Früher war da nichts los, nur ein paar Spielautomaten machten das Geschäft. Ich hatte keine Ahnung von Buchhaltung, aber ich hab einfach losgelegt. Und es lief unfassbar toll! Die Leute sind auf der Bar quasi übereinandergesessen und bis zur Tür hinaus angestanden.

10. Oktober 2019