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Andreas Schutti: Der verlorene Sohn

Er war Österreichs ungekrönter Partykönig, seine „Nachtschicht“ die größte Diskothekenkette des Landes. DJ Ötzi legte bei ihm auf, Stars und Prominente gingen in seinen zehn Tanztempeln ein und aus. Sex, Alkohol, Geld und Luxus bestimmten sein Leben. Dann kam der große Niedergang. Die Finanz ermittelte gegen ihn, seine Häuser wurden durchsucht, zehn Jahre lang lief ein zermürbendes Verfahren wegen Steuerhinterziehung, das ihn auf den Boden der Tatsachen zurückbrachte. Nach dem Sinn des Lebens suchend, fand der ehemalige Lebemann schlussendlich Gott. Als Prediger folgen ihm heute Tausende Menschen auf dem rechten Weg.

Claudia Huber10. Oktober 2019 No Comments
andreas schutti ooom magazin

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Was konnten Sie besser als andere?

Ich habe viel Kundschaft aus meiner alten Arbeitsstätte mitgenommen. Dort war ich extrem beliebt, weil ich einfach gut mit den Leuten umgehen konnte. Und ich habe geschaut, dass die Einrichtung und die Musik genau passen und den Zeitgeist treffen. Die Leute hatten einen Flash und waren begeistert. Dann kamen rasch weitere Lokale hinzu.

Was zog Sie in die Nacht­szene? Der schnelle Sex?

Was wird es gewesen sein? Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll eben. Ich habe 50-Cent- Partys geschmissen, hab den Kellnerinnen kurze Leopardenkleider angezogen und sie ins Solarium geschickt, damit sie immer schön braun waren. Extrem sexistische Sachen teilweise. Meine Partyflyer von damals waren halbe Pornohefte! Als ich den Laden in Wien aufmachte, kamen automatisch alle Austria-Wien-Fußballer zu uns, da musste ich nichts machen. DJ Ötzi stand bei uns am DJ-Pult. Als Senkrechtstarter bin ich auch in die Medien gekommen. Ich musste keinem Promi nachrennen, dass er bitte zu mir ins Lokal kommt. Sie kamen alle von selbst.

Wie groß war das Unternehmen in der Hochphase?

Es waren ca. 500 Mitarbeiter, der Umsatz bewegte sich auf die 50 Millionen Euro zu. Wie haben Sie diesen unglaublichen Erfolg verkraftet? Mit den ersten Erfolgen tauchte schon die Ego-Welle auf. Wenn du mit einem Minderwertigkeitskomplex aufwächst, und plötzlich kommst du in die Erfolgsspur und fütterst deine Komplexe mit Materiellem, ist es besonders schwierig, niemanden zu haben, der dich da zurückhält. Ich hatte immer Schulterklopfer für alles und habe nicht weiter darüber nachgedacht.

Ihr Leben gestaltete sich dann wie im Luxuskatalog: eigene Villa, viele Autos, Businessclass im Flieger. Hat Sie der materielle Mangel in Ihrer Kindheit noch stärker in diese Richtung getrieben?

Ich glaube, wenn man 100 Männern diesen Erfolg in der Nachtgastronomie gegeben hätte, mit allem, was dazugehörte – Autos, Frauen etc. –, dann hätten das 98 genauso gemacht wie ich. Das reißt dich mit, das ist wie eine Droge.

Wie viel Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll haben Sie damals wirklich gelebt?

Wenn ich in dieser Partyzeit harte Drogen genommen hätte, würde ich heute wahrscheinlich nicht mehr leben. Da kann ich nur von Glück reden. Ich habe meine Frau regelmäßig betrogen, immer wieder eine andere abgeschleppt und eine regelrechte Sexsucht entwickelt. Alkohol als Droge habe ich konsumiert, um mein schlechtes Gewissen abzutöten, das ja dann doch immer wieder hervorblitzte. Viele Mitstreiter von damals sind in dem stecken geblieben, manche sind auch leider am Partysuff gestorben.

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Nun sind Sie zum Prediger geworden. Wie geht es Ihnen dabei, wenn Politiker christliche Werte predigen?

Sie reden von etwas, wovon sie keine Ahnung haben. Sie reden von Tradition, weil das in Österreich eben gut ankommt. Die meisten haben aber sicher keine persönliche Beziehung zu Jesus. Dann würden sie nämlich auch nicht so gut lügen können. Wir reden zwar gerne von einem christlichen Land, aber die wenigsten wissen, was Christus eigentlich bedeutet. Und wir wissen auch nicht, wie Barmherzigkeit und Vergebung funktionieren, auch aktuell nicht gegenüber fehlgeleiteten Politikern. Wenn du in der Bibel liest, dann ist dir ja auch klar, dass gewisse Sachen einfach passieren werden und schon vorherbestimmt sind. Es gibt eine klare Prophezeiung, was mit der Welt in der Endzeit passieren wird, und daran glaube ich auch. Dass wir als Menschen den Klimawandel überhaupt so beeinflussen könnten, das finde ich lächerlich.

10. Oktober 2019