Tech & Science

Anna Iarotska: Robo Wunderkind

Anna Iarotska (Bild), Rustem Akishbekov und Yuri Levin verbindet eine Idee, die sie zur Realität machten: einen Roboter für jedermann zu entwickeln, den Kinder ab fünf Jahren bedienen können – nicht nur Wunderkinder. Mit ihrer Technologiefirma Robo Wunderkind wollen sie Kindern helfen, ihre Talente zu entdecken, Interessen zu erweitern und mit Technologie bereits früh auf spielerische Art und Weise umzugehen.

CLAUDIA OHSWALD28. Mai 2021 No Comments

Dem Produkt Leben einhauchen. Mittlerweile hat sich das Team von Robo Wunderkind auf 15 Mitarbeiter erweitert. Fünf Ingenieure mit verschiedenen Abschlüssen arbeiteten am Roboter selbst. Der modulare Roboter, Apps fürs Programmieren und Lerninhalte für die Anwendung zu Hause und in der Schule werden separat entwickelt und betreut. „Man benötigt viel Zeit, um dem Produkt Leben einzuhauchen“, so Gründerin Anna Iarotska. „Alleine für die Produktion von Werkzeugen für die Plastikteile wurde neun Monate gearbeitet.“ Man produziert, testet und nimmt Änderungen vor. Das dauert in der Regel einen Monat. Dann hat man eine neue Serie, testet erneut und es vergehen wieder vier Wochen. Produziert wird in China – gerade in Zeiten wie diesen ist die Logistik herausfordernd. Derzeit ist es nicht möglich, bei der Produktion vor Ort zu sein, Corona hat überall volkswirtschaftliche Auswirkungen. Die Logistikpreise sind in die Höhe geschnellt, die Fluggesellschaften haben viele Flüge eingestellt. „Ich glaube jedoch, dass alle ­agiler werden und in der ­Folge daran wachsen werden“, so Iarotska.

Handy-Regulierung bei Kindern notwendig? Verbotenes wird stets zum Objekt der Begierde. Die Ablehnung von Digitalisierung ist mit Sicherheit ein falscher Weg. „Man sollte aber auch nicht unbegrenzt digitale Inhalte konsumieren. Kinder verwenden die Geräte zu Hause, um Spaß zu haben, aber zu wenig oft in der Schule“, so die Unternehmerin. Es sei wichtig zu wissen, wie Internet funktioniert, wie man sich online ausdrücken kann. Die Gefahren sind den Machern von Robo Wunderkind durchaus bewusst.

Von der Regierung erwarte ich mir eine bessere Ausbildung für Lehrer. Sie sollen auf das nächste Level gebracht werden.

Beeindruckt ist Anna Iarotska von der Kreativität eines Kindes, wenn es Zeit hat, wenn es sich mit Werkzeug und Motivation entwickeln kann: „Wir als Erwachsene vergessen oftmals, wie viel Fantasie Kinder haben. Sie leben ohne Vorgaben oder Grenzen im Kopf. Mit Robo Wunderkind kann man das unterstützen, Mut und Fantasie ausbauen.“ Angstfrei sollen Kinder ihre eigenen Ideen und Projekte fördern.
Anna Iarotska ist im ständigen Austausch im Education-Bereich. Im Dezember 2019 besuchte sie eine der weltweit größten Bildungskonferenzen in China. ­Österreich ist ein kleiner Markt und braucht Inspiration aus anderen Ländern. Homeoffice, Bildung
sowie Lernen mit digitalen Mitteln werden sich ­ausbreiten.

Bessere Ausbildung der Lehrer. Kinder in Hongkong sind viel selbstständiger im Umgang mit Digitalem, aber motorisch unterentwickelt. Österreichische und deutsche Kinder basteln viel. Wie man das behalten und mit Digitalem ergänzen kann, wird die nächste Herausforderung. „Von der Regierung erwarte ich mir eine bessere Ausbildung für Lehrer. Sie sollen auf das nächste Level gebracht werden“, so die Robo-Wunderkind-Geschäftsführerin. Man sollte sich am Beispiel Großbritannien orientieren, wo auch Quereinsteiger – Menschen aus der Praxis – ohne fünfjährige Ausbildung Lehrer werden können. Einen Rat möchte die smarte Firmengründerin vor allem Mädchen mitgeben: sich mehr zutrauen, ­spannende Erfahrungen sammeln und diese so früh wie möglich umsetzen.

„Für den Bereich Bildung wünsche ich mir Digitalisierung, Mut und eine bessere Ausbildung der Lehrer. Und von den Österreichern Stolz. Dieses tolle Land braucht eine Zukunftsvision, an der alle teilhaben können. Gesellschaftlich ein positives Bild abgeben und alle Möglichkeiten ausschöpfen, um als Land erfolgreich zu sein“, so Iarotska. Ein guter Rat für eine Zeit wie diese.

 

Fotos: Roland Unger

28. Mai 2021