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Arnold Schwarzenegger: Amerikas Gewissen

Seit Präsident Trump im Amt ist, wurde „Terminator“ Schwarzenegger zum mahnenden Gewissen. Er spricht aus, was viele denken. Schon als Gouverneur von Kalifornien hat Arnold Schwarzenegger gezeigt, wie man einen Staat führt: mit Vision, Zielstrebigkeit, Überzeugung und einer Mission. Obwohl die Erfolge seiner Amtszeit durchwachsen waren, machte er Kalifornien zum Pionier beim Umweltschutz und setzte viele wesentliche Impulse gegen den Klimawandel. Die OOOM-Jury wählte ihn auf Platz drei der inspirierendsten Menschen der Welt. In Zeiten des Umbruchs und der Polarisierung braucht es seine Stimme mehr denn je.

Claudia Huber5. Dezember 2018 No Comments
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Er spricht aus, was viele Menschen in Amerika und dem Rest der Welt denken: klar, direkt, unmissverständlich, aber ohne Häme. „Es war peinlich“, lautete sein vernichtendes Urteil, und der Adressat war niemand Geringerer als US-Präsident Donald Trump: „Sie standen da wie eine weichgekochte Nudel, wie ein kleiner Fanboy“, kommentierte er auf Twitter eine Pressekonferenz Trumps mit Russlands Präsident Wladimir Putin, wo es um die Frage ging, ob Russland US-Wahlen manipuliert hätte. „Ich fragte mich: Wann werden Sie ihn um ein Autogramm bitten oder um ein Selfie? Sie haben bei dieser Pressekonferenz unsere Geheimdienste, unser Justizsystem und unser Land verraten.“ Nachsatz: „Was ist nur los mit Ihnen?“

Arnold Schwarzenegger, 71, der ehemalige Gouverneur von Kalifornien, ist zum mahnenden Gewissen einer ganzen Nation geworden. Er nutzt soziale Medien und allen voran das Medium Video, um auszusprechen, was viele andere nicht wagen. Seit er sich aus seiner aktiven politischen Karriere zurückgezogen hat, ist seine Stimme deutlicher denn je zu vernehmen.

Dabei war der Steirer mit Wohnsitz Santa Monica nie ein Mann der großen Worte, zumindest nicht in seiner Karriere als Bodybuilder oder auf der Leinwand. „Hasta la Vista, Baby“ und „I‘ll be back“ ist das, was von seinen Dialogen in Erinnerung blieb. Doch seit Donald Trump 2017 die Präsidentschaft übernahm, meldet sich Schwarzenegger laufend zu Wort. Wo er Missstände sieht oder vermutet, wird er zum mahnenden Gewissen. Schwarzeneggers Glaubwürdigkeit und Popularität schaffen es, ihn zu einem der wichtigsten Personen in diesem unausgesprochenen Ideologiekampf zu machen. Nach dem Ende seiner Politkarriere 2011 hat er eine neue Rolle für sich gefunden: Es wird wohl die beste seines Lebens werden. Deswegen wählte ihn die OOOM 100-Jury auf Platz drei der inspirierendsten Menschen der Welt.

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Wackelpuppe Trump. Bei seiner Mission hat er keine Scheu, zu provozieren: Zu einer Trump-Wackelpuppe in der Hand sagte Schwarzenegger frech: „Also, Präsident Trump, ich weiß, Sie würden so gerne ein Action-Held sein. Lassen Sie es sich vom Terminator sagen: Der einzige Grund, in die Vergangenheit zu reisen, ist, um die Zukunft zu schützen, nicht um die Kohleindustrie zu retten.“ Und dann erklärt er Trump, dass sein Einsatz für Kohle so zum Scheitern verurteilt ist, als hätte er versucht den (mittlerweile insolventen) Video- und DVD-Verleih Blockbuster gegen Netflix zu verteidigen. 33 Millionen Aufrufe verzeichnete das Video bisher.

Videostar. Aber nicht nur Donald Trump wurde für den Gouverneur a. D. zur Video-Zielscheibe. Er attackiert Nazis, spricht gegen Hass und Rassismus, setzt sich für Kriegsveteranen ein und ruft in einer Serie von Videos auf, wählen zu gehen. Auch der Kampf gegen die Manipulation von Wahlkreisgrenzen, was der Trump-Administration vorgeworfen wurde, steht auf seiner Agenda.

Bei den Opfern. Nach den verheerenden Bränden in Kalifornien fuhr Schwarzenegger zuletzt in das völlig zerstörte Städtchen Paradise, wo die Nummer eins der OOOM 100-Liste, Allyn Pierce, Menschenleben rettete (siehe Story Seiten 62–69), um sich bei den Rettern persönlich zu bedanken. „Das ist der Spirit Amerikas“, sagte er, „jeder hilft jedem. Das macht uns zum großartigsten Land der Welt.“

Der einst erfolgreichste Bodybuilder der Welt, Hollywoodstar und Gouverneur von Kalifornien ist nur an einem gescheitert: Dem Gesetz, das es Nicht-Amerikanern verbietet, für die Präsidentschaftswahlen zu kandidieren. Sonst wäre der 45. Präsident der Vereinigten Staaten heute wohl ein anderer.

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