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Bad Ischl: Zu Gast beim Kaiser

82 Sommer verbrachte Kaiser Franz Joseph I. in Ischl, machte seiner Sisi einen Heiratsantrag und empfing gekrönte Häupter. Anton Bruckner, Johann Strauss und Franz Lehár folgten ihm und verwandelten den Ort in eine sommerliche Weltmetropole der Kunst. Nun erfindet sich die Kurstadt im Salzkammergut neu: „Sommerfrische reloaded“ verbindet Tradition mit innovativen, frischen Ideen. Dahinter steckt ein Team von engagierten Menschen und Machern. OOOM zeigt das neue Bad Ischl von seiner spannendsten Seite.

Claudia Ohswald10. Oktober 2019 No Comments
bad ischl ooom magazin

Der Glanz des Monarchen strahlte ein Leben lang über dem Kurort: 82 Sommer verbrachte Kaiser Franz Joseph I. in Ischl, 65 davon in der Kaiservilla, die ihm seine Mutter, Erzherzogin Sophie, zur Hochzeit schenkte. 81-mal feierte er seinen Geburtstag am 18. August an der Traun, empfing gekrönte Häupter, verlobte sich mit Sisi, der künftigen Kaiserin, ging jagen und flanierte gerne durch den Ort. Aber auch folgenschwere Entscheidungen traf er an diesem idyllischen Platz. So unterzeichnete er am 28. Juli 1914 im Westflügel der Kaiservilla die fatale Kriegserklärung an Serbien, die schließlich im Ersten Weltkrieg münden sollte.

Das Sommerschloss hat vergleichsweise bescheidene Ausmaße. Selbst die Stallungen im Windsor Castle sind deutlich größer dimensioniert als die gesamte kaiserliche Anlage samt Park am Fuß des Jainzenbergs. So soll es schon passiert sein, dass sich japanische Touristen in der Kaiservilla im Dienstbotentrakt wähnten und verzweifelt fragten, wo denn nun das eigentliche Schloss sei. Aber genau das macht den Charme der kaiserlichen Sommerresidenz aus: Hier konnte Franz Joseph sein, wie er war. Kein steifes Hofzeremoniell, kein übertriebener Prunk, alles überschaubar dimensioniert.

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Künstlermetropole von Weltrang. Bad Ischl hat eine faszinierende Geschichte zu erzählen. Anton Bruckner kam regelmäßig als Hoforganist, um den Kaiser musikalisch zu erfreuen. Johannes Brahms verbrachte hier die Sommer, Johann Strauss komponierte, Franz Lehár hatte seine eigene Villa am Kai und schrieb viele seiner Operetten im Salzkammergut. Zur Zeit der Donaumonarchie entwickelte sich der Ort zur Künstlermetropole von Weltrang.

82 Sommer verbrachte Kaiser Franz Joseph I. in Ischl. Anton Bruckner, Johann Strauss und Franz Lehár folgten ihm und machten den Ort zur Weltmetropole der Kunst.

Und heute? Bad Ischl ist eine florierende Kleinstadt mit gerade mal 14 000 Einwohnern, eingebettet zwischen den Flüssen Traun und Ischl inmitten der Berge und Seen des Salzkammerguts, und beliebtes Ziel von Gästen aus aller Welt. Als sei die Zeit in einer vergangenen Epoche stehen geblieben, fühlt man sich entschleunigt, sobald man durch den Ort spaziert oder die umliegenden Berge erwandert. Bad Ischl steht für Gastfreundschaft, Tradition, Gesundheit, Erholung und Unterhaltung – kurz: für Lebensqualität.

Bad Ischl atmet noch immer die Ruhe der Vergangenheit. Zwischen den teilweise 150 Jahre alten Bäumen finden sich Gärten, Liegewiesen, Kinderspielplätze, farbenprächtige Staudenbänder und großzügige Sommerblumenpflanzungen. Die Kaiservilla bewohnt heute der 73-jährige Markus Emanuel Habsburg-Lothringen, dessen Großmutter Marie Valerie das Haus von ihrem Vater, Kaiser Franz Joseph I., geerbt hatte. Im Sommer öffnet der Kaisererbe das Haus zur Besichtigung. Das hat seit Kaisers Zeiten Tradition. Noch heute wird jedes Jahr am 18. August in großem Stil der Geburtstag des Kaisers gefeiert, dem der Ort viel zu verdanken hat.

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10. Oktober 2019