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Bed Time Stories – Ein intimer Einblick in das Leben einer Prostituierten

Linda, 46, hat sich mit Anfang zwanzig für diesen Weg entschieden und ist nun seit bald 30 Jahren Prostituierte. „Eine glückliche“, wie sie betont. Andere Jobs hat sie zwischendurch viele gemacht. Das Leben, das sie als Prostituierte führt, würde sie aber trotzdem nie tauschen wollen.

Jessica Schreckenfuchs-Vallant16. Mai 2017 No Comments

Lindas Alltag ist immer der gleiche. Wenn ein Kunde zu ihr kommt, gibt es zuerst ein Vorgespräch, um zu erfahren, welche Wünsche und Bedürfnisse er hat. Danach gestaltet Linda die gemeinsame Zeit. Eine Zeit, in der der Kunde sich und seine Welt um ihn herum für einen Augenblick vergisst. Ihre Dienste bestehen hauptsächlich aus Massage-Angeboten: von Tantra bis Body-to-Body-Massage, Lingam-Massage bis hin zu Hot Stone und Klangschalen. Ihre Massagen bietet Linda im Studio an, niemals zu Hause. Für sie bedeutet zu Hause Sicherheit und privater Raum.

Fotos: Marie-Theres Madani

Linda ist Prostituierte.

Und das mit Leidenschaft, wie sie mehrfach betont. An ihr erstes Mal kann sie sich noch genau erinnern. Sie war frische 19, als sie in die Sexarbeit einstieg. Eine Annonce weckte damals ihre Neugierde: „Suche Mädchen für Arbeit in Séparée“, stand dort in großen Lettern. Das weckte sofort ihr Interesse. „Ich war total neugierig und interessiert. Obendrein war es gut verdientes Geld. Irgendwann war der Punkt da, wo ich mir gesagt habe: Das möchte ich machen. Das macht mir Spaß und ich bin unabhängig. Seitdem arbeite ich als Sexarbeiterin“, erinnert sich Linda zurück.

An ihren ersten Kunden als High-Class-Escort-Dame erinnert sich Linda, als wäre es gestern gewesen: „Ein griechischer Geschäftsmann in Wien hat mich gebucht und nach 15 Minuten 800 Euro bezahlt. Ein anderes Mal waren es 3.000 Euro Trinkgeld an meinem Geburtstag. Daran musste ich mich erst gewöhnen, dass das keine gewöhnlichen Kunden sind, die dich für eine Stunde um 160 Euro in ihre Wohnung einladen und dann betteln, dass du noch fünf Minuten länger bleibst.“

Mein skurrilster Moment?
Der Abend, an dem ich 3.000 Euro Trinkgeld bekam,
weil ich Geburtstag hatte.

Sehr aufgeregt und neugierig sei sie gewesen. Gefallen hat es ihr damals wie heute, nur hat sie heute einen anderen Zugang. „Damals war es mir noch nicht bewusst, dass ich sehr gerne mit Menschen zusammenarbeite. Die Arbeit mit Menschen macht mir einfach Spaß. Meine Kunden sagen auch, dass man das merkt“, erzählt sie. Natürlich spiele Geld dabei eine wichtige Rolle. Deswegen mache sie auch diesen Job.

Mythos schnelles Geld.

Dass man in der Sexarbeit schnelles Geld verdient, ist für Linda allerdings ein Mythos: „Die Konkurrenz ist sehr hart und es gibt ein Überangebot an Frauen: viele junge, aber auch ältere Frauen, Frauen die nur gebrochen Deutsch sprechen, die einfach gestrickt und in einer Abhängigkeitssituation sind. Das ist ein klarer Nachteil in der Sexarbeit und drückt das Preisniveau.“ Vor zwanzig Jahren sei das viel einfacher gewesen, denkt Linda zurück. Man stellte sich auf den Straßenstrich vor ein Puff und die Sache lief.

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