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Big in New York: 20 Jahre „Sex and the City“

Er ist das Gesicht New Yorks: Kein anderer TV-Star spielte in mehr New Yorker Serien mit wie Chris Noth. Zum 20. Jubiläum von „Sex and the City“ erzählt er in OOOM über seine Karriere, seine turbulente Jugend, Erfolg und Fluch der Kultserie und den politischen Untergang Amerikas.

Herbert Bauernebel12. Juni 2018 No Comments

Es gibt TV-Serien, die prägen sich unweigerlich in unserer Erinnerung ein. Wir identifizieren sie mit Abschnitten unseres Lebens, mit Emotionen, Erlebnissen, Ereignissen, die uns geprägt haben. Und wann immer wir die vertrauten Gesichter der Hauptdarsteller sehen, fühlen wir uns in diese Zeit zurückversetzt. „Sex and the City“ war so eine Serie, die das Bild der Frau am Anfang des neuen Jahrtausends veränderte. Die Sexkolumnistin Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker) plauderte mit ihren Freundinnen schamlos zur besten Sendezeit über ihre Dates, Affären und sexuellen Vorlieben. Sechs Staffeln lang feierten, amüsierten und schliefen sich die vier Ladys, allesamt in ihren Dreißigern, durch New York. Und plötzlich war offener Smalltalk über Sex auch in der sonst oft so prüden New Yorker Gesellschaft angekommen. Ein einziger Mann war Carrie Bradshaw gewachsen: Der Unternehmer John James Preston, ob seiner hünenhaften Erscheinung „Mr. Big“ genannt, der als Carries große Liebe alle Staffeln prägte.

Vier Serien — ein Star. „Das ist schon verdammt lange her“, lächelt Chris Noth, und lehnt sich bequem in der beigen Couch einer Suite im Hotel Beacon an der New Yorker Upper West Side zurück. Er kam für das OOOM-Cover-Shooting extra einen Tag früher aus London nach New York geflogen, jener Stadt, die im Zentrum seiner ganzen Karriere steht. Kein anderer Schauspieler hat in gleich vier der erfolgreichsten TV-Serien aller Zeiten, die in New York spielen, markante Rollen verkörpert. Denn vor „Sex and the City“ spielte Noth bereits Detective Mike Logan in der Serie „Law & Order“, später auch in „Criminal Intent – Verbrechen im Visier“. Und von 2009 bis 2016 verkörperte er brillant den korrupten Politiker Peter Florrick in der Erfolgsserie „The Good Wife“, der seine Frau bei jeder sich bietenden Gelegenheit betrog, was ihm auch eine Golden-Globe-Nominierung einbrachte. 

Die Marke Chris Noth. Für seine Fans ist Noth fast so eine große New Yorker Ikone wie das Empire State Building oder Barneys.  „Sex and the City”, diese Ode an die Wirren des Bettgeflüsters im Big Apple, die wohl eine der erfolgreichsten TV-Serien aller Zeiten ist, machte Chris Noth weltweit zum Star und zur unverwechselbaren Marke: imposante, groß gewachsene Statur, ein markantes, kantiges Gesicht, fast wie gemeißelt, verträumte Augen und ein gewinnendes Lächeln. Zu all dem noch diese tiefe, dröhnende, aber gleichzeitig auch beruhigende Stimme. Chris Noth eroberte Frauenherzen und ein riesiges TV-Publikum. Sein Händedruck ist kräftig, er trägt eine leicht abgewetzte braune Lederjacke, den Hemdkragen weit offen. Über die Schulter gehängt bringt er einen dunklen Anzug mit, gebügelt und verpackt in die durchsichtige Plastiktasche einer Reinigung. 

Keine Entourage. Chris kommt alleine: keine Entourage, kein PR-Mann oder Assistent. Er ist charmant unkompliziert, sympathisch, freundlich, und das trotz des miesen Wetters: Draußen peitscht der Nieselregen über die Stadt, die Skyline ist wolkenverhangen, der Himmel bleiern. Auf dem Broadway vor dem Hotel wälzen sich die Fußgängermassen unter einem Meer an Regenschirmen über die Gehsteige. Selbst die sonst so dynamischen New Yorker schleichen mit versteinerten Gesichtern durch die feuchtkalte Tristesse. Bevor sommerliche Temperaturen kommen, schlägt das Wetter nochmal zu.

„In London war das Wetter auch nicht viel besser”, sagt Noth und nimmt einen großen Schluck Bier. Dann geht es im strömenden Regen auf das Dach des Hotels Beacon, und obwohl er binnen Minuten durchnässt ist, bleibt Noth der Profi, den man erwartet. Er posiert, er lacht, er wischt sich den Regen aus dem Gesicht.

Stadt der Multimillionäre. Während er sich mehrmals umzieht, spricht der Serienstar über die Veränderung „seines“ New Yorks. Die Stadt, in der er den Durchbruch schaffte, die ihm mit „Sex and the City“ einen Welterfolg bescherte, hat eine radikale Transformation hinter sich in eine Glitzerwelt voller kühner Luxus-Glastürme für Multimillionäre aus aller Welt. Das frühere Flair sei weg, das verwegene, kreative, die Aufbruchsstimmung. Kurz: der Überlebenskampf, der gleichzeitig so viel schöpferische Kraft freisetzte. Heute hätten große Ketten die Familienbetriebe verdrängt, an jeder zweiten Ecke ist eine Bankfiliale und das Nachtleben wird dominiert von „College Bars“. Der gute alte Salon, wo man in einem schrägen Ambiente mal entspannt einen Whisky trinken konnte, den gäbe es kaum mehr. Deshalb hat Noth seine eigene Bar aufgemacht, „The Cutting Room”, mit der er den Geist der künstlerisch innovativen Weltmetropole aufrechterhalten will.

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