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Big in New York: 20 Jahre „Sex and the City“

Er ist das Gesicht New Yorks: Kein anderer TV-Star spielte in mehr New Yorker Serien mit wie Chris Noth. Zum 20. Jubiläum von „Sex and the City“ erzählt er in OOOM über seine Karriere, seine turbulente Jugend, Erfolg und Fluch der Kultserie und den politischen Untergang Amerikas.

Herbert Bauernebel12. Juni 2018 No Comments


Sie haben in vielen TV-Serien mitgespielt, aber am berühmtesten sind Sie natürlich für Ihre Rolle als Mr. Big in der Hitserie „Sex and the City”. War das Segen oder Fluch, weil man Sie danach vor allem in dieser Rolle wahrnahm?

Niemand will durch eine Rolle definiert werden, aber es ist oft so, dass einige an dir kleben bleiben und man nicht wirklich viel dagegen tun kann. Man gibt natürlich in jeder Rolle sein Bestes, aber es ist schwer, als jemand anderer gesehen zu werden. Regisseure scheuen oft vor Schauspielern mit einem solchen Ruf zurück. Man will die Zuseher nicht mit jemandem ablenken, den man einer bestimmten Rolle zuordnet. Ich spielte im Film „Cast Away“ mit Tom Hanks mit, und gleich sagten die Zuseher: „Hey, schau, da ist Mr. Big!“ Aber man muss da durch und einfach weitermachen.

„Law & Order“ startete 1990. Wie war das damalige New York im Vergleich zum heutigen?

Das heutige New York ist sauberer, sicherer, und es gibt Fahrräder zum Ausleihen, die Citibikes. Das Fast-Food ist vielleicht gesünder. Zum Rest schweige ich jetzt mal lieber …

Aber es gibt trotzdem Orte, die sie mögen?

Klar, ich fühle mich sehr wohl an der Upper East Side, die hat sich am wenigsten verändert. Ich will meine Liebe zu New York nicht aufgeben.

Sind Sie jemals bei einer „Sex and the City”-Bustour, die in ganz New York angeboten wird, mitgefahren? Vielleicht mit Perücke, damit man Sie nicht erkennt?

Das ist doch komplett lächerlich. Da geht es in die Straße, wo das Set von Carries Apartment lag. Na kommen Sie: Das Leben ist zu kurz für so einen Unsinn!

Aber der damalige Erfolg muss doch auch Sie und alle anderen Darsteller mitgerissen haben?

Das wussten wir am Anfang ja nicht. Wir standen vor der Kamera, die Chemie stimmte, das Drehbuch war witzig. Wir hatten viel Spaß. Und dann hob das ab wie eine Rakete. Als wir dann 2008 und 2010 die Filme drehten, mussten sogar falsche Szenen zur Ablenkung gefilmt werden, damit niemand die Handlung erahnen konnte. Aber das sind alte Geschichten.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihren Ex-Serienpartnerinnen wie Sarah Jessica Parker oder Cynthia Nixon?

Man bleibt in Kontakt, natürlich. Ich finde es toll, dass Cynthia für den New Yorker Gouverneur-Posten kandidiert. Sie ist eine tolle, smarte Frau. Ich denke, dass sie gute Instinkte hat. Ich bin gespannt, wie ihre Politik aussieht.

Sie haben in „The Good Wife” einen in Ungnade gefallenen Politiker gespielt, Peter Florrick. Wie sehr sind Sie selbst jemand, der an der Politik interessiert ist. Gehen Sie auch mal zu einer Demo?

Was das Ergebnis der letzten Präsidentschaftswahlen betrifft, fühle ich mich wie die meisten: verzweifelt, verängstigt, gestresst. Ich verbringe jetzt jeden Tag viel Zeit mit dem Nachlesen, welche verrückten Dinge dieser Mann wieder angestellt hat. Es führt zu einem Anstieg des Wut-Levels. Aber selbst, wenn man ihn loswerden könnte: Vize Mike Pence wäre als Nachfolger genauso schlecht. Die einzige Hoffnung ist, dass die Republikaner die nächsten Wahlen verlieren. Die haben sich von jeglicher ethischen oder moralischen Verantwortung komplett entfernt. Andere können ihren Frust sicher besser artikulieren, aber ich bin einer von vielen, die wütend, frustriert und angewidert sind.

Wie radikal hat sich das TV verändert mit all den Streaming-Angeboten von Netflix bis Amazon? Und sind Sie selbst jemand, der sich stundenlang Serien ansieht?

Klar bleibe auch ich da oft hängen, es gibt viele Serien, die ich mag. Ich finde die Entwicklung toll. Und ich dachte, die Networks würden stärker auf die neue Konkurrenz reagieren. Die echte Kreativität ist jetzt bei den Streaming-Produktionen. Es hat sich auch viel vom Kino ins TV verlagert: Neben den ganzen Marvel-
Superheldenfilmen gibt es vielleicht zehn Streifen pro Jahr, die toll sind. Aber das ist nicht genug. Im regulären TV wedelt der Schwanz der Werbungen mit dem Hund, da gibt es einfach zu viele Limits. Deshalb ist Streaming viel innovativer. Ich habe eine tolle Serie gemacht: „Manhunt: Unabomber”, die wurde erst zum Erfolg, als sie Netflix übernahm.

Was ist für Sie die beste Drama-Serie: „Game of Thrones“? „Mad Men“?

„Game of Thrones“ habe ich noch nie gesehen. Da liege ich jetzt sieben Jahre zurück, ich habe einfach nicht die Zeit, aufzuholen. „Mad Men“ ist natürlich großartig.

Was halten Sie von der rapiden Verbreitung der sozialen Medien: Sind Sie selbst auf Facebook?

Ich habe ein Twitter-Konto, auf dem ich so gut wie nichts twittere! Über Instagram tausche ich mich ab und zu mit Leuten aus, die ich kenne. Ich möchte mich von dem ganzen Lärm fernhalten, es gibt zu viel Krach da draußen bei all diesen Debatten. Ich lese lieber die New York Times, nach der bin ich fast süchtig. Leider gibt es derzeit nichts als schlechte Nachrichten. Die News generell stressen mich gewaltig, ich denke, es geht allen so.

Sie sind jetzt 63, obwohl Sie viel jünger aussehen. Denken Sie manchmal an Ihre eigene Sterblichkeit, auch als Vater eines zehnjährigen Sohnes?

Ich denke daran jeden Tag, wenn ich aufwache und wenn ich wieder ins Bett gehe. Viele meiner Freunde sind in den letzten acht Jahren gestorben. Und meine Mutter starb vor zwei Jahren. Ich denke ununterbrochen daran. Weil ich weit mehr hinter mir habe, als vor mir liegt. Deshalb kümmert mich wahrscheinlich auch der ganze Mist auf Facebook nicht die Bohne. Man sollten sich auf das Jetzt konzentrieren, jeden Moment auskosten.

Wie konzentrieren Sie sich auf das Jetzt?

Meditieren hilft mir dabei. Und ich versuche, mich fit zu halten – vor allem auch wegen meines Kindes.

Wie sehr hat die #MeToo-Bewegung die Unterhaltungsbranche verändert?

Die Branche wurde total verändert. Es ist schwer, überhaupt darüber eine Diskussion zu führen. Je mehr Frauen in mächtigen Positionen wären, desto besser. Und schauen Sie mal: Meine Mutter arbeitete in einer sehr chauvinistischen Branche und sie hat gelernt, Nein zu sagen. Sie hat ihre eigenen Werte nie kompromittiert, um weiterzukommen. Sie arbeitete hart. Sie war mein Vorbild. Ich hoffe, dass diese Debatte nicht zu einem totalen Antagonismus zwischen Männern und Frauen führt.

12. Juni 2018