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Brad Pitt: Hollywoods letzter großer Star

Seine Bilanz ist einzigartig: 60 Filme, 12 TV-Serien, 6 Kinder, 2 Ex-Frauen, 1 Therapeut. Brad Pitt ist dieser Tage groß im Kino. Ein großer Erfolg, Quentin Tarantinos Noir-Komödie „Once Upon a Time in... Hollywood“, ist ein Film über das Leben in den 1960er-Jahren, die Filmindustrie in Amerika – und die blutigen Manson-Morde im Jahr 1969. In der Rolle des Doubles eines abgehalfterten Schauspielers, gespielt von Leonardo DiCaprio, brilliert Brad Pitt. Gewitzt, schlau und doch wieder wunderschön – trotz aller Bemühungen, ihn räudig dastehen zu lassen. Es sollte sich durch sein Leben ziehen, dieses Konterkarieren seiner guten Gene für den „letzten Star, den Hollywood hervorgebracht hat“, wie die New York Times kürzlich schrieb.

Heidi List9. Oktober 2019 No Comments
brad pitt

Denkt man darüber nach, wen das PEOPLE Magazine so zum „Sexiest man alive“ gewählt hat, fällt einem wohl am schnellsten Brad Pitt ein. Tatsächlich wurde er gleich zweimal gewählt, 1995 und im Jahr 2000. Gefragtes Model, erfolgreicher Produzent, Aktivist in Sachen Menschenrechte, Gazettenfüller mit seinem übervollen Privatleben, liiert mit den schönsten Frauen der Branche wie Juliette Lewis, Gwyneth Paltrow, Jennifer Aniston und nicht zuletzt Angelina Jolie. Vater von sechs Kindern. Und natürlich begnadeter Schauspieler, der alles gibt. Das ging sogar so weit, dass er sich für seine Rolle als Tyler Durden in „Fight Club“ freiwillig seine Vorderzähne von einem Zahnarzt abbrechen ließ. Doch woher kommt Brad Pitt, der in über 60 Filmen sowie in 12 TV- Serien mitspielte, der selbst mehr als 30 Filme produzierte und über hundert Nominierungen für renommierte Preise erhielt – mit mehr als fünfzig Auszeichnungen, unter anderem einigen Golden Globes und dem Oscar. Und der heute angeblich einer der fünf einflussreichsten Männer Hollywoods ist?

Von Anfang an. Geboren am 18. Dezember 1963 als William Bradley Pitt in Shawnee in den Vereinigten Staaten, wuchs er in einer kleinen Universitätsstadt auf. Die Eltern sind strenge Baptisten, wodurch Brad einerseits sehr religiös erzogen wurde; andererseits konnte er im Kirchenchor wohl schon früh Bühnenerfahrung sammeln. Später widmete er sich zunächst dem Studium von Journalismus und Werbung. 1985 schmiss er im Alter von 22 Jahren sein Studium zwei Wochen vor dem Abschluss hin und fuhr mit seinem Auto „Runaway Sue“ nach Hollywood. Er wollte Schauspieler werden. Um sich über Wasser zu halten, begann er zu modeln. Legendär war sein Auftritt als Automechaniker in einer Werbung für Levi’s Jeans. Seine erste Rolle in Holly­wood war schließlich eine auf der Straße, nämlich die eines tanzenden Hühnchens, um die Leute in ein Lokal zu locken. Der Zufall verhalf dem jungen Brad Pitt zu seinem Glück. Durch seinen Job als Chauffeur für Stripperinnen lernte er Roy London kennen, den damals renommiertesten Schauspiellehrer in Los Angeles. Dies sollte sein Einstieg in die Filmbranche werden.

Legendär war sein Auftritt als Automechaniker in einer Werbung für Levi’s Jeans.

Sein Filmdebüt gab er 1987 in „Hunk“, allerdings in einer so kleinen Rolle, dass sein Name nicht einmal im Filmabspann erwähnt wurde. Doch bald schon gab er den naiven Randy in der legendären TV–Serie „Dallas“. Und dann kam 1991 „Thelma und Louise“. Brad Pitt spielte einen schönen Gauner, der Geena Davis den Kopf verdrehte, um sie später zu berauben. Dieses Lächeln vergaß niemand mehr. Das war sein Durchbruch. Der Beau konnte sich ab nun vor Aufträgen nicht mehr retten. Aus einem großen Schauspieltalent wurde einer der größten Stars Hollywoods. Und das, wie sich später herausstellen sollte, trotz gleichzeitigem Experimentieren mit Drogen aller Art und viel Alkoholkonsum. Brad Pitt war ein extrem disziplinierter Arbeiter. Seine folgenden Werke „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“, für den ihn Robert Redford engagierte, und das Drama „Legenden der Leidenschaft“ machten Brad Pitt zu einem echten Shootingstar. Sein sensibler Auftritt in „Interview mit einem Vampir“ an der Seite von Tom Cruise zementierte ihn weltweit als Herzensbrecher.

brad pitt

Er hätte zufrieden sein können, doch er störte sich an seinem Image als schöner Softie. Um diesem Stereotyp zu entkommen, begann er sich aktiv um Rollen zu bewerben, die dem nicht entsprachen. Er spielte Polizisten, aggressive Schläger und gewissenlose Serienmörder. Mit legendären Rollen in Filmen wie „Sieben“ an der Seite von Gwyneth Paltrow und Mor­gan Freeman, die des Psychopathen in „12 Monkeys“, des boxenden Seifenhändlers in „Fight Club“ oder später in Quentin Tarantinos „Inglou­rious Basterds“ schaffte er es, ein Image als Schauspiel-Chamäleon aufzubauen. Er wies ein enormes Rollenspektrum auf und versuchte, ein festes Image tunlichst zu vermeiden.

9. Oktober 2019