Top Stories

Brad Pitt: Hollywoods letzter großer Star

Seine Bilanz ist einzigartig: 60 Filme, 12 TV-Serien, 6 Kinder, 2 Ex-Frauen, 1 Therapeut. Brad Pitt ist dieser Tage groß im Kino. Ein großer Erfolg, Quentin Tarantinos Noir-Komödie „Once Upon a Time in... Hollywood“, ist ein Film über das Leben in den 1960er-Jahren, die Filmindustrie in Amerika – und die blutigen Manson-Morde im Jahr 1969. In der Rolle des Doubles eines abgehalfterten Schauspielers, gespielt von Leonardo DiCaprio, brilliert Brad Pitt. Gewitzt, schlau und doch wieder wunderschön – trotz aller Bemühungen, ihn räudig dastehen zu lassen. Es sollte sich durch sein Leben ziehen, dieses Konterkarieren seiner guten Gene für den „letzten Star, den Hollywood hervorgebracht hat“, wie die New York Times kürzlich schrieb.

Heidi List9. Oktober 2019 No Comments
brad pitt

brad pitt

Im Jahr 2001 kreierte Brad Pitt mit „Ocean’s Eleven“ unter der Regie von Steven Soderbergh gemeinsam mit George Clooney, Julia Roberts, Andy Garcia und Matt Damon ein Kleinod des modernen Heist-Thrillers, dem drei Sequels folgen sollten. Erfolge wie „Spy Game“ an der Seite seines Mentors Robert Redford, Flops wie Guy Ritchies Regiedebüt „Snatch“ oder „The Mexican“, schräge Zusammenarbeiten wie 2006 mit Alejándro G. Iñárritus in „Babel“ oder in „Burn After Reading“ mit den Coen-Brüdern, wo er einen trotteligen Fitnesstrainer spielte, der versucht, einen CIA-Agenten zu erpressen, und auch Ausrutscher wie seine Performance in dem Film „Allied“, für die er seine erste Nominierung für die Goldene Himbeere als „schlechtester Hauptdarsteller“ einheimste, sind ebenfalls Teil von Brad Pitts Film-Biografie. In „War Machine“ spielte er einen General, der nicht akzeptieren kann, dass der große Afghanistan-Krieg verloren sein soll; hier konnte er an alte Schauspielglanzlichter anknüpfen.

2004 gründete er die Produktionsfirma Plan B – und floppte prompt mit „Troja“.  Zwei Jahre später jedoch begann sein goldenes Händchen zu wirken. Er produzierte Streifen wie „The Departed“, Martin Scorseses Neuverfilmung des Asia-Hits „Infernal Affairs“, die heute als Klassiker gelten. „The Departed“ erhielt 2007 vier Oscars. Literaturverfilmungen wie „Eat, pray, love“ mit Julia Roberts oder der Comic-Verfilmung „Kick-Ass“ folgte im Jahr 2011 „Tree of Life“, der eine Oscarnominierung für den „besten Film“ bekam. Brad Pitt konkurrierte dabei mit sich selbst, denn Plan B produzierte ebenfalls 2011 den Film „Moneyball“, einen Film über Baseball, der sechs Oscarnominierungen bekam. Von nun an gab es ein stetes Auf und Ab: Filme wie der topbesetzte „The Counselor“ oder „Killing Them Softly“ fielen sowohl beim Publikum als auch bei den Kritikern durch. Dennoch – Brad Pitt war vom rebellischen Leinwandhelden zum cleveren Hollywood-Mogul und geachteten Produzenten gereift. Mit Filmen wie „Selma“, „Moonlight“ und „12 Years a Slave“ realisierte er drei der bedeutendsten Filme zur Rassenfrage.

Brad Pitt und die Liebe. Schon durch seine Verbindungen mit Gwyneth Paltrow oder Jennifer Aniston war er der Liebling der Glamour- Zeitschriften. Doch das war nichts im Vergleich zu der Zeit, als Gerüchte kursierten, Brad Pitt hätte sich im Rahmen der Dreharbeiten von „Mr. & Mrs. Smith“ in die schöne Angelina Jolie verliebt. Bald war es offiziell, und sein Leben an der Seite der wilden, mysteriösen Angelina dominierte von da an nicht nur die Regenbogenpresse. Sogar in honorigen Abendnachrichten in den Fernsehstationen aller Welt wurde beispielsweise von der Hochzeit in Frankreich im August 2014 berichtet. „Brangelina“, wie das Paar aufgrund ihres dauerhaften gemeinsamen Auftretens genannt wurde (ein Ausdruck, den Brad Pitt übrigens hasste), lebte mit ihren drei leiblichen Kindern – Tochter Shiloh und die Zwillinge Knox und Vivienne – und drei Adoptivkindern – Maddox, Zahara und Pax – mehrere Jahre als scheinbar gut funktionierende Patchworkfamilie zusammen, die mit ihrem Tross je nach Vorhaben oder Verpflichtungen der Eltern durch die Welt zog. Die Paparazzi folgten auf Schritt und Tritt. Das Paar nutzte seine Berühmtheit, um auf viele Missstände in Sachen Menschenrechte aufmerksam zu machen, und war großzügiger Spender.

Lernte Brad Pitt doch alle seine relevanten Beziehungen bei Dreharbeiten kennen.

Dann folgte eine überraschende Wendung, als am 20. September 2016 US–Medien die Ehe von Brad Pitt und Angelina Jolie für gescheitert erklärten. Ein Rosenkrieg stand an: Angelina verlangte das alleinige Sorgerecht, Brad Pitt blieben nur Besuche unter Aufsicht. Und es standen Gerüchte um Ausraster und Alkohol im Raum. Erst nach Jahren wurde das Sorgerecht von einem privaten Richter geregelt. Anfangs musste ein Therapeut bei seinen Treffen mit den Kindern dabei sein, und Brad Pitt selbst, der Naturbursche aus Missouri, der immer einen seelisch perfekt ausgeglichenen Eindruck gemacht hatte, begab sich nun auch in Therapie. Er machte sich rar. Später verriet er in Interviews, dass er sich „vor diesem ganzen Berühmtheits-Quatsch“ nur noch verstecken wollte. Seit dieser Zeit widmet er sich vermehrt seiner Liebe zur bildenden Kunst – und schafft Skulpturen.

brad pitt

Doch was könnte in einer Vita wie dieser noch fehlen? Genau – ein berühmter Verwandter. Auch damit kann Brad Pitt aufwarten. 2008 stellten Forscher der New England Historic Genealogical Society fest, dass der ehemalige US-Präsident Barack Obama und Brad Pitt Cousins neunten Grades sind. Sie sind durch einen Mann namens Edwin Hickman verwandt, der 1769 in Virginia, USA, starb.  He’s got everything.

9. Oktober 2019