Arts & Design

Brigitte Kowanz: Licht & Schatten

Beeindruckende Spiegelinstallationen auf über 450 m² Museumsfläche, Leucht­installationen an riesigen Fabrikschornsteinen und Virtualitätskonzepte, die den Betrachter die Grenzen von Raum und Zeit vergessen lassen: Brigitte Kowanz hat ihre ganz eigene Handschrift in der Welt der Kunst hinterlassen. Für ihre Installations- und Raumschöpfungen wird sie international gefeiert. Seit über 20 Jahren zeigt die Biennale-Künstlerin, welche Dynamik in der Verbindung von Licht, Spiegeln und realen Räumen herrscht, und ist damit vielen jungen Künstlern Inspiration. Auch, da sie als Beweis dafür steht, dass man weder männlich sein noch aus einer Künstler­familie stammen muss, um echten Erfolg in der Welt der Kreativen zu haben.

Gerald Matt9. Oktober 2019 No Comments
brigitte kowanz

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Gab es in Ihrer Jugend eine Art Traumberuf? Was wollte die junge Brigitte Kowanz einmal sein?

Als Kind hatte ich kein konkretes Berufsziel – ich liebte immer schon Tiere, aber konkret erinnere ich mich an nichts. Zirkusdirektorin war mal im Gespräch, aber ich weiß nicht mehr, wie ernst das gemeint war. Mit 14 Jahren ging dann alles in Richtung Kunst. Ich wechselte an ein künstlerisches Gymnasium und mein Interesse begann sich zu fokussieren. Schnell stellte ich auch fest, dass ich mehr Ideen hatte als meine Klassenfreunde, und allmählich steuerte ich auf die Angewandte zu. Die Kunstwelt ist ja in gewisser Weise auch ein Zirkus.

Können Sie uns etwas über Ihren familiären Hintergrund sagen? Stimmt es, dass Ihr Vater Fußballer war und Ihr Bruder auch an der Angewandten studierte? Spielte Kunst in der Familie eine Rolle und gab es so etwas wie ein Initiationserlebnis, etwas, das Sie für Kunst begeisterte?

Generell spielte Kunst in meiner Familie keine Rolle. Ja, mein Vater war Fußballer und hatte kein Interesse an Kunst. Mein fünf Jahre älterer Bruder allerdings studierte an der Angewandten.

Gab es in Ihrer Jugend einen Künstler oder ein besonderes Kunstwerk, der bzw. das Sie besonders fasziniert hat?

In der Kindheit war das Schiele, wir hatten zu Hause auch ein Poster von einer seiner Arbeiten. Bald wurde Duchamp zu einer zentralen Figur für mich.

Sie unterrichten an der Angewandten und kennen den Kunstmarkt und die Kunstszene seit vielen Jahren. Haben es junge Künstler bzw. insbesondere auch Künstlerinnen heute leichter als zu der Zeit, als Sie begonnen haben? Was war damals für Studierende und junge Künstler und Künstlerinnen anders?

Die Jungen haben es definitiv nicht leichter – ganz im Gegenteil. Sie kommen zwar leichter an Informationen, die Universitäten haben sich professionalisiert, aber es gibt auch deutlich mehr gut ausgebildete Künstlerinnen und Künstler. Ich denke, dass die Zahl derer, die es schaffen, nicht viel größer ist als damals, aber es gibt auch mehr Nischen.

Was hat Sie damals fasziniert, was und wer waren Ihre Helden? Wer war für Sie wichtig und welche Einflüsse sind geblieben? Wer waren Vorbilder, Orientierungspunkte? Welche Bedeutung hatte Ihr Lehrer Oswald Oberhuber für Ihre Arbeit und Haltung?

Fasziniert hat mich neben dem bereits erwähnten Marcel Duchamp die Kunst der 60er- und 70er-Jahre: Fluxus, Conceptual Art sowie die neuen Medien. Meine Lehrer Oswald Oberhuber und Peter Weibel waren großartig und haben mir die entscheidenden Grundlagen mitgegeben.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Franz Graf und wie funktionierte diese? Was zeichnete dieses Miteinander aus? Was führte dann zur Trennung?

Wir studierten beide an der Angewandten bei Oswald Oberhuber. Irgendwann beschlossen wir zusammenzuarbeiten, und es zeigte sich schnell, dass diese Zusammenarbeit sehr spannend und produktiv sein sollte. Wir zeichneten viel, es entstanden Installationen und Texte. Es ging um Fragen der Individualität, ein verändertes Verständnis von Autorenschaft, um Prozesse, die sich in Dialogform entwickelten. Es entstanden also Arbeiten, die keiner von uns allein hätte entwickeln können. Von außen kam ständig die Frage, wie unsere Zusammenarbeit funktionieren könne, wer stärker wäre etc. Das war extrem kontraproduktiv und der Anfang vom Ende. Aus einer heutigen Perspektive glaube ich, dass eine Zusammenarbeit dieser Intensität nur über einen gewissen Zeitraum funktionieren kann.

In der Zeit mit Franz Graf haben Sie auch viele Zeichnungen gemacht. Zeichnen Sie noch und gibt es ein besonderes Verhältnis zwischen Zeichnung und Lichtarbeiten?

Ja. Jeder Idee folgt die erste Notiz. Die Zeichnung ist elementar, unterstützt die Vorstellung und das Denken. Für meine Lichtarbeiten ist die Zeichnung unabdingbar. Ich arbeite viel mit Neon. Neon ist ja auch eine dreidimensionale Linie, aus der sich alles entwickelt.

brigitte kowanz

Anfang der 1980er-Jahre waren Sie auch der Malerei verbunden. Haben Sie damals bereits versucht, die Grenzen des traditionellen Tafelbildes zu überwinden? Welche Rolle spielen dabei die sogenannten „Transparenzarbeiten“, die Sie mit Franz Graf realisiert haben? Seit wann setzen Sie sich eigentlich schon mit Licht auseinander?

Anfang der 80er-Jahre hatten wir sehr viel gezeichnet, aber auch gemalt. Wir arbeiteten mit Transparentpapier, fluoreszierenden und phosphoreszierenden Farben in Verbindung mit Schwarzlicht. Dadurch entstanden Lichtbilder, die sich vom Malgrund zu lösen schienen und im Raum schwebten. Wir entwickelten eine Malerei, die geprägt war von neuen Medien, lichterzeugten Bildern, der Grammatik des Films und von Videos. Die Auseinandersetzung mit Licht begann also schon Ende der 70er-Jahre.

Licht ist traditionell ein Medium der Erkenntnis. Insofern initiiere ich einen Realitätscheck, die Reflexion unserer eigenen Position, irgendwo zwischen virtuellem und realem Raum, Raum und Zeit.

Ihre Karriere begann Anfang der 80er-Jahre. Was war für Sie typisch für jene Zeit und Künstlergeneration? Was war spannend an dieser Zeit?

Da dominierten noch Minimal- und Konzeptkunst, aber es kamen auch schon die Transavanguardia, die Neuen Wilden, auf. Da war erneut der Hunger nach Bildern und Farben. Man griff wieder zur Kunstgeschichte zurück. In Österreich spielte aber auch körperbezogene Kunst, also Performance und Aktionismus, eine große Rolle.

Welche Vorstellung von Kunst hatten Sie damals in dieser Zeit?

Mein Ansatz kam aus der Konzeptkunst und aus der Auseinandersetzung mit Film und Video. Mich interessierte es, die Entwicklungen aus Konzeptkunst und neuen Medien in die Malerei einzubringen.

Sind Sie sich damals, als die Malerei so dominierte, als Außenseiterin vorgekommen?

Ja. Wir hatten einen ganz anderen Ansatz als die Maler, die damals das Kunstfeld beherrschten.

9. Oktober 2019