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Capernaum – Stadt der Hoffnung

Weil die Eltern ihn in eine Welt voller Armut geboren haben, verklagt ein 12-jähriger Junge seine Eltern. Ob Zain wirklich 12 Jahre alt ist, weiß keiner so genau. Eine Geburtsurkunde oder Ähnliches ist nicht vorhanden und daher wird sein Alter geschätzt. Die Familie des kleinen Jungens lebt in völliger Armut, es gibt kein sauberes Trinkwasser und die Wohnung ist herabgekommen und alles andere als ein gemütliches Zuhause. Die Wohnung bietet der Familie gerade einmal ein Dach über dem Kopf. Für ein bisschen Privatsphäre sorgt ein Vorhang – der die Kinder von ihren Eltern trennt – mehr nicht, sie schlafen mit ihren Eltern im selben Zimmer. Voller Verzweiflung leben die Eltern mit ihren Kindern in der Bruchbude.

Luisa Gavira17. April 2019 No Comments
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Nachdem er von Zuhause weggelaufen ist, verklagt er seine Eltern und mit ihnen die gesamte Gesellschaft. Was ist das für eine Gesellschaft, die wegschaut und arme Menschen ihrem Schicksal überlässt? Armut, Gewalt, Hunger, Elend und Hilflosigkeit bestimmen ihr Leben. Ein Leben, das ihnen nichts bietet. Die Verlierer der Gesellschaft, weil sie nicht das Glück hatten, in einer gut betuchten Familie hineingeboren worden zu sein. Der kleine Junge erzählt dem Richter seine tragische und herzzerreißende Lebensgeschichte. Nadine Labaki thematisiert die unglaublich soziale Ungerechtigkeit und zeigt das Leben der Menschen, die sonst im Hintergrund stehen und von der Gesellschaft nicht beachtet werden. Labaki’s Film verzeichnet zu Recht einen großen Erfolg. Sie zeigt unverhüllt das wahre Leben der Slums von Beirut und schafft so eine große Aufmerksamkeit.

Zain ist nämlich zum Beispiel nicht der süße, kleine Junge, der durch seine liebenswerte Art Mitleid erregt, sondern er ist ein kleiner Junger, der voller Wut und Hass abgehärtet durch das Leben geht.

So wie es wohl ein Kind im wirklichen Leben macht, wenn es mit Hass, Gewalt, Gleichgültigkeit der Gesellschaft und Perspektivlosigkeit konfrontiert wird und leben muss. Ein Film von großer Empathie und Menschlichkeit. Ein Film, der eine bewegende Geschichte erzählt und der zum Nachdenken anregt. Großartiges Kino und absolut sehenswert! Für ein bisschen mehr Menschlichkeit und Nächstenliebe.

17. April 2019