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Caroline Palfy: Wie wir leben

DIE ARCHITEKTUR-TRENDS 2022: Skyscraper aus Holz sind im Kommen * Holz ist der Werkstoff der Zukunft * CO2-freie Baustellen werden möglich. Caroline Palfy, Geschäftsführerin Handler Bau, über die Tatsache, warum nachhaltiges Bauen mit Holz immer beliebter wird.

OOOM Trend-Redaktion1. März 2022 No Comments

Sie haben mit dem HoHo Wien in der Seestadt Aspern eines der höchsten Holzhochhäuser der Welt gebaut. Viele hielten dies anfangs für unmöglich.
2014 war ich jung, kam aus der Immobranche und hatte das Glück, dass der Immobilienentwickler Günter Kerbler an mich geglaubt hat. Es war die größte Herausforderung, das richtige Team zu finden. Ein Hochhaus aus Holz zu bauen ist baulich kein Problem, es ist auch statisch kein Problem, es ist nur das Mindset. Viele glaubten: Holz? Das brennt – das geht nicht.

Ist Holz von der Raumqualität anderen Baustoffen überlegen?
Total. Holz hat bei geringem Eigengewicht eine enorme Tragkraft und ist elastisch. Ein weiterer Vorteil ist, dass man Holz auch sichtbar einsetzen kann, es hat auch positive Auswirkungen auf unser Wohlbefinden. Vor allem aber ist es im Brandfall sehr gut einschätzbar, da es ein schlechter Wärmeleiter ist im Vergleich zu Stahl, der bei großen Brandlasten von einer Minute zur anderen versagt und sogar Gebäude wie das World Trade Center zu Fall bringt. Holz brennt zwar, aber von außen bildet sich eine glosende Schicht. Bei unserem Brandversuch konnten wir darlegen, dass nach 90 Minuten maximaler Brandlast ein Abbrand von 1,4 Zentimeter gegeben ist. Im Holzinneren hat sich die Temperatur gar nicht verändert. Das heiß: Holz brennt, ist aber besser einschätzbar.

Bei einer Überdimensionierung ist die Tragkraft trotzdem gegeben. Gibt es nach oben bei Holzhäusern ein Limit?
Man kann Holzhochhäuser sicher bis 150 Meter Höhe ohne Probleme bauen.

Ist Holz der Werkstoff der Zukunft, der uns bei der Klimakrise hilft?
Es hat einen positiven CO2-Fußabdruck und das Wichtigste: Es ist ein leichter Werkstoff. Der Trend geht zur Nachverdichtung, also zum Aufstocken bestehender Bauten, und da ist Holz nicht wegdenkbar. Aber Holz wird uns nicht retten. Die Frage, die bleibt, ist das Thema Recycling: Was machen wir mit verbautem Holz? Brettsperrholz, das man im Ingenieurbau einsetzt, ist verleimt. Meist wird Polyurethan als Klebstoff verwendet. Wir machen uns da viele Gedanken, wie Holz in eine Kreislaufwirtschaft eingebunden und sinnvoll wiederverwertet werden kann. Momentan wird Holz noch thermisch recycelt, was auf Dauer nicht zielführend ist, da wir den eingesparten CO2-Verbrauch dann wieder in die Atmosphäre einbringen. Ich bin auch ein Fan von Ziegel und Beton, aber die Ressourcen von Beton wird es für nächste Generationen so nicht mehr geben. Unsere Rohstoffe auf diesem Planetensind endend, selbst bei Sand. Daher müssen wir im Hinblick auf Baumaterialien weiterhin forschen.

Wie kann man nachhaltig bauen?
Wenn man den CO2-Footprint einer Baustelle mit 100 Prozent bewertet, dann verursacht alleine 36 Prozent der Transport auf die Baustelle plus Herstellung der Materialien und 40 Prozent der Abtransport und die Entsorgung. Hier gibt es dringenden Handlungsbedarf und bereits tolle Forschungsprojekte. Die Handler Group hat eine große Erfahrung mit Holz? Wir feiern dieses Jahr unser 160-jähriges Firmenjubiläum als Zimmerei, 60 davon als Baufirma. Die Leidenschaft für Holz ist Teil unserer DNA, wir forcieren seit Jahren die Forschung im Bereich Nachhaltigkeit im Bauen. Unser Ziel ist es, eine klimapositive Zukunft mitzugestalten.

Ihre Schwerpunkte?
Digitalisierung im Holzbau, Cradle to Cradle, CO2-freie Baustellen, Nachverdichtung und begrünte Fassaden, um nur einige zu nennen. Der Gebäudesektor ist für 38 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich. Es sind also nicht nur die Autos, die Baubranche hat eine große Verantwortung. Wie lösen wir das? Die jungen Studenten heute machen großartige Sachen, es gibt einen Generationenwechsel. Stardesigner widmen sich dem Thema, und in jedem öffentlichen Auftrag kommt Nachhaltigkeit als zentrales Element vor. Selbst Amazon baut jetzt Lagerhallen aus Holz. Es findet ein Umdenken statt. Ich wünsche mir, dass jeder in seinem Wirkungsbereich überlegt handelt und mitwirkt, unseren schönen Planeten zu schätzen und zu schützen.

handler-group.com

1. März 2022