Inspiration

Cédric Waldburger: Der Minimalist

Cédric Waldburger ist ein Mann der Extreme: Er besitzt nur rund 50 persönliche Gegenstände, die Sie auf diesem Bild sehen. Fast alle sind schwarz. Damit geht er durchs Leben. Mit 14 Jahren gründete der in Zürich lebende Schweizer sein erstes Unternehmen, heute ist er ein äußerst erfolgreicher Entrepreneur, Gründer – darunter Co-Founder des Zwei-Milliarden-Dollar-Blockchain-Startups DFINITY – und Investor. Seine Devise: „Weniger ist mehr“. Darum gab er den Großteil seines Besitzes auf, er geht nie shoppen, lebt meist aus dem Rucksack – und duscht nur kalt. OOOM sprach mit Cédric Waldburger über das eine wesentliche Thema: worauf es im Leben wirklich ankommt.

Christiane Schiefer30. Juli 2020 No Comments
cedric waldburger

minimalist-cedric-waldburger-08

Die wollten Sie dann auch loswerden?

Einmal kam ich von New York nach Zürich, schlief eine Nacht in meiner Wohnung und flog am nächsten Morgen nach Amsterdam. Mir wurde klar, dass ich diesen Umweg nur gemacht habe, damit ich wenigstens eine Nacht in meiner Wohnug verbringe und ich die Miete nicht umsonst zahle. Von diesem Augenblick an beschloss ich meine Wohnung aufzugeben und entweder Couch Surfing zu machen oder mir Hotels und Airbnbs zu leisten. Vor allem das Couch Surfing bei Freunden überall auf der Welt hat zu wunderschönen Erinnerungen geführt. Ich finde es einfach spannend zu refokussieren, welche Dinge wirklich essenziell sind und welche uns von der Wirtschaft und Gesellschaft als essenziell antrainiert wurden.

Ich beschloss meine Wohnung aufzugeben und Couch Surfing zu machen. Das hat zu wunderschönen Erinnerungen geführt.

Wissen Sie wie viele Dinge Sie im Moment besitzen?

Ich besitze jetzt so um die 50 persönliche Dinge. Dazu zählen Kleidung, Gadgets, alles was ich zum Arbeiten brauche. Allerdings habe ich jetzt wieder eine Wohnung in Zürich mit meiner Frau Elena, aber ich berechne die Einrichtung wie Tisch, Bett, Geschirr nicht mit ein. Insgesamt komme ich wahrscheinlich wieder auf über 100 Besitztümer. Aber meine Einrichtung ist sehr spärlich, weil ich das auch einfach mag: nur das zu haben, was pragmatischen Wert hat und Wert stiftet in meinem Leben. Ich möchte keinen Ballast herumstehen haben oder mit mir herumtragen.

Stimmt es, dass Ihr gesamter Besitz schwarz ist?

Ja, das ist richtig. Aber es gibt momentan zwei Ausnahmen: und zwar meine zwei Pässe, die sind beide rot, und meine AirPods, die es nur in weiß gibt. Es gibt ein paar Gründe, warum alles schwarz ist. Beispielsweise muss ich somit nur einmal pro Woche waschen, anstatt zweimal, wenn ich weiße Kleidung hätte. Ich versuche, die Anzahl an Entscheidungen in meinem Leben so klein wie möglich zu halten, damit ich meine ganze Energie für die wirklich wichtigen Dinge übrighabe und nicht für Sachen verschwende, die mir keinen Wert bringen. 

 

minimalist-cedric-waldburger-02

Was ist Ihnen wichtig?

Wichtig sind mir beispielsweise meine Famile, aber auch in welche Richtung sich meine Unternehmen entwickeln sollen oder welche Personen wir einstellen. Nur schwarze Sachen zu besitzen vereinfacht mein Leben. Wenn ich mich entschieden habe, ich brauche ein neues T-Shirt, dann muss ich mir hier nicht auch noch die Farbe aussuchen. Ich kann auch zu fast jedem Anlass in schwarz gehen. Ein weiterer pragmatischer Grund ist, dass ein schwarzes Kleidungsstück in einem Hotel schwieriger zu übersehen ist. Ich habe noch nie etwas vergessen, seitdem ich so wenig besitze. Je weniger man besitzt, desto mehr kann man sich darum kümmern und umso einfacher wird das Leben. 

30. Juli 2020