Inspiration

Cédric Waldburger: Der Minimalist

Cédric Waldburger ist ein Mann der Extreme: Er besitzt nur rund 50 persönliche Gegenstände, die Sie auf diesem Bild sehen. Fast alle sind schwarz. Damit geht er durchs Leben. Mit 14 Jahren gründete der in Zürich lebende Schweizer sein erstes Unternehmen, heute ist er ein äußerst erfolgreicher Entrepreneur, Gründer – darunter Co-Founder des Zwei-Milliarden-Dollar-Blockchain-Startups DFINITY – und Investor. Seine Devise: „Weniger ist mehr“. Darum gab er den Großteil seines Besitzes auf, er geht nie shoppen, lebt meist aus dem Rucksack – und duscht nur kalt. OOOM sprach mit Cédric Waldburger über das eine wesentliche Thema: worauf es im Leben wirklich ankommt.

Christiane Schiefer30. Juli 2020 No Comments
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Was treibt Sie an?

Das Gründen von Firmen, Startups und Technologien in die Welt zu bringen sowie Anwendungen für ganz abstrakte Dinge zu finden. Das alles ist einfach super spannend für mich. Ich lerne immer sehr viel dabei und werde extrem herausgefordert, ich komme immer wieder an meine Grenzen. Das ist das, was mir so viel Spaß macht. Ich habe das in den letzten 18 Jahren als Unternehmer gemacht, also in den meisten Fällen als Gründer. Vor gut einem Jahr habe ich mich entschieden aus der letzten aktiven operativen Rolle auszusteigen, um mich voll auf das Investieren in Early Stage Start-ups zu konzentrieren wie zum Beispiel in Tomahawk.VC., das ist ein Investitionsvehikel, mit dem ich 20 Millionen Schweizer Franken in frühphasige Firmen und Teams investiere.

Meine Geschichte ist eine Erfolgs- und Leidensstory. Ich komme immer wieder an meine Grenzen.

Sie müssen sehr viel reisen, wie sieht Ihr ökologischer Fußabdruck aus?

Ich kompensiere die CO2 Abgaben, die ich verursache, seit etwas über einem Jahr. Es gibt zwei Arten von Reisen für mich: Die eine Art sind Reisen, die einfach sein müssen, um beispielsweise schwierige Themen oder Probleme zu besprechen oder auch um gemeinsam kreativ zu sein. In der Vergangenheit war ich zwei Tage mal hier, drei Tage da, fünf Tage dort. Das ist extrem anstrengend. Das sind nicht Reisen, die ich lustig finde, sondern die einfach nötig sind. Solche Reisen versuche ich auf ein Minimum zu reduzieren. Die andere Art von Reisen sind jene für Inspiration und Energie: neue Leute zu treffen, neue Orte kennen zu lernen, neue Kulturen zu erfahren, neue Sprachen zu lernen –das sind Reisen, die mir Spaß machen, die mich antreiben und mir Energie geben. Typischerweise gehe ich dann für einen Monat oder länger an einem Ort und arbeite von dort. Das möchte ich auch in Zukunft nach COVID-19 wieder machen. Wenn ich mindestens einen Monat an einem Ort bleibe, sind das maximal 12 Reisen im Jahr, und die bringen die Ökobilanz nicht so ins Negative. 

Sicher?

Ich glaube durch meinen minimalistischen Lebensstil unterstütze ich bereits die Umwelt. Ich kaufe mir praktisch nie etwas und wenn, dann benutze ich es üblicherweise sehr lange. Impulskäufe oder Fehlkäufe kommen bei mir eher selten vor. Dadurch trage ich schon zu einer gesünderen Umwelt bei, weil weniger verschickt und schlussendlich weniger verbrannt oder weiterverwertet werden muss.

Halten Sie Ihre Freunde eigentlich für verrückt? 

Meine Freunde wissen, dass ich mir ab und zu Spinnereien ausdenke und sehen das auch mit einem gewissen Schalk. Die nehmen mich manchmal auch etwas hoch oder fordern mich heraus. Das finde ich super, ich denke alles im Leben sollte man mit etwas Humor nehmen. Meine Arbeitskollegen verstehen, warum ich das tue, nämlich um möglichst viel Energie dafür zu haben, worauf ich wirklich einen Einfluss haben will: beispielsweise in den einzelnen Portfolio-Firmen, in meinem Job und in meinen Beziehungen. Darum würde ich sagen, im Grundsatz schätzen meine Kollegen meine Einstellung und es dient manchmal auch als gutes Beispiel dafür, wie wichtig Fokus ist. Ich glaube der Nummer 1 Grund, warum junge Firmen zu Beginn scheitern ist, weil die Gründer und das Team nicht genügend fokussiert sind. Die versuchen mit sehr begrenzten Ressourcen drei, vier oder fünf Sachen gleichzeitig zu machen, anstelle sich ganz klar auf eine Sache zu konzentrieren.

30. Juli 2020