Inspiration

Cédric Waldburger: Der Minimalist

Cédric Waldburger ist ein Mann der Extreme: Er besitzt nur rund 50 persönliche Gegenstände, die Sie auf diesem Bild sehen. Fast alle sind schwarz. Damit geht er durchs Leben. Mit 14 Jahren gründete der in Zürich lebende Schweizer sein erstes Unternehmen, heute ist er ein äußerst erfolgreicher Entrepreneur, Gründer – darunter Co-Founder des Zwei-Milliarden-Dollar-Blockchain-Startups DFINITY – und Investor. Seine Devise: „Weniger ist mehr“. Darum gab er den Großteil seines Besitzes auf, er geht nie shoppen, lebt meist aus dem Rucksack – und duscht nur kalt. OOOM sprach mit Cédric Waldburger über das eine wesentliche Thema: worauf es im Leben wirklich ankommt.

Christiane Schiefer30. Juli 2020 No Comments
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Als ich meine Frau kennengelernt habe, sagte ich zu ihr: Ich reise mit niemanden, der einen Koffer eincheckt. Das Leben ist zu kurz, um am Rollband auf einen Koffer zu warten.

Sie erwarten dieses Jahr ein Kind. Wie sind denn Minimalismus und ein Baby vereinbar?

Wir haben keine fixe Vorstellung davon, dass unser Kind nur eine gewisse Anzahl an Spielzeug oder Kleidung besitzen darf. Aber wir finden es spannend zu hinterfragen, was ein Kind denn wirklich braucht und es vielleicht auch etwas spielerisch zu sehen. Ich habe ein paar Freunde, die Eltern geworden sind und jeder geht ganz anders damit um. Aber was wir im Allgemeinen sehen ist, dass die Menschen extrem viel kaufen, noch bevor das Kind geboren ist. Wenn einen das glücklich macht, dann soll man das tun, aber wir finden es eben spannend, eine andere Herangehensweise zu probieren. Meine Frau Elena hat eine Liste mit 19 Dingen angelegt, die wir uns vor der Geburt noch kaufen wollen. Unserer Meinung nach sind das essenzielle Sachen. Ich möchte dann mal ein Experiment bezüglich Spielzeuge wagen: Ein Kind kann nicht mehr als acht Spielsachen im Kopf behalten und möchte aber trotzdem mal etwas Neues bekommen. Als Challenge schlage ich vor, ein altes Spielzeug zu verschenken, um ein Neues zu erhalten. Das Kind muss sich somit entscheiden, was es weggeben will und auch durch die Emotionen durchgehen sich von etwas zu trennen, um einem anderen Kind Freude zu bereiten. Da bin ich gespannt, wie das wird und was wir dabei lernen werden. Aber im Leben kommt es oft anders als man denkt und vielleicht bekommen wir ein Kind, das ganz viele Sachen benötigt, dann ist das auch in Ordnung und wird uns glücklich machen. Das Wichtigste ist, dass es uns als Familie gut geht.

Wir bekommen ein Baby. Mit ihm möchte ich ein Experiment machen. Ein Kind kann nicht mehr als acht Spielsachen im Kopf behalten. Will es ein neues bekommen, muss es eines verschenken. Es muss durch die Emotionen gehen sich von etwas zu trennen.

Welche Tipps haben Sie für Menschen, die ein minimalistischeres Leben führen wollen? 

Ich würde es einfach spielerisch angehen: sich fragen, was brauche ich in den nächsten 90 Tagen nicht? Den Schrank, das Zimmer oder das Büro durchgehen und diese Besitztümer in eine Tasche packen und wegstellen. Wenn man dann mal etwas braucht, kein Problem: Das kann ich jederzeit aus der Tasche rausnehmen. Während dieser 90 Tage einfach mal beobachten, wie es sich anfühlt, was für Gedanken durch den Kopf gehen, was man vielleicht wieder aus der Tasche holt. Es ist auch spannend sich zu fragen, was man im Schrank gelassen hat und trotzdem nicht gebraucht hat. Das wäre mal meine Empfehlung wie man einen minimalistischen Lebensstil spielerisch angehen könnte.

30. Juli 2020