Inspiration

Daniela Zeller geht der Frage nach: Was kann Coaching?

Manchmal wirft das Leben Fragen auf, denen man sich nicht alleine stellen möchte. Dann hilft es, sich einem Coach anzuvertrauen. Offline – und neuerdings auch online. Daniela Zeller, früher beliebte Ö3-Moderatorin, Gründerin von FREIRAUM Kommunikation und heute als Coach höchst erfolgreich, geht für OOOM der Frage nach: Was ist Coaching überhaupt? Und was bringt es?

Daniela Zeller21. August 2017 No Comments

Neulich erzählte Supermodel Elle Macpherson in einem Interview, dass sie „selbstverständlich“ immer wieder mit einem Lifecoach arbeite, um sich selbst weiterzuentwickeln und ihre Ziele zu erreichen.

Fotos: Andrea Sojka

Die Selbstverständlichkeit, mit der sie über ihre Coaching–Erfahrung gesprochen hat, fand ich bemerkenswert. Wie viele Menschen in den USA, wo es komplett normal ist, für die Klärung persönlicher Anliegen und Fragestellungen einen Coach aufzusuchen, hat Elle Macpherson offensichtlich erkannt: Coaching ist hilfreich.

Hierzulande hat sich diese Tatsache noch nicht ganz so deutlich herumgesprochen. Immer wieder werde ich mit der Frage konfrontiert: Was ist Coaching überhaupt?

Der Begriff kommt vom englischen „to coach“ und dient als allgemeine Bezeichnung für die unterschiedlichen Trainings- und Beratungskonzepte zur Entwicklung und Umsetzung persönlicher oder beruflicher Ziele und der dazu notwendigen Kompetenzen. Coaching ist eine individuelle Betreuung und basiert auf gegenseitigem Vertrauen.

Ein Coach begleitet einen Menschen auf dem Weg zu einem bestimmten Ziel.

Er ist dafür zuständig, dass sich der Coachingkunde weiterentwickelt. Hilfreich ist Coaching etwa im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung, im Management, bei Fragen im beruflichen Alltag oder im Leistungssport. Häufige Fragestellungen, mit denen Klienten in ein Coaching kommen: Führung, Kommunikation mit Mitarbeitern oder Vorgesetzten, die persönliche Weiterentwicklung, eine Konfliktsituation im beruflichen Alltag, das Entdecken und Weiterentwickeln der eigenen Ressourcen, das Finden von neuen beruflichen Perspektiven.

Anders als in der Beratung liefert der Coach seinem Kunden keinen konkreten Lösungsvorschlag, sondern begleitet diesen in einem strukturierten Gespräch dabei, eigene Lösungen zu entwickeln. Anders als in der Psychotherapie arbeitet der Coach an konkreten Fragestellungen des Kunden und widmet sich vorwiegend Herausforderungen, die aus der beruflichen Rolle heraus entstehen. Im Coaching ist der Klient der „Experte für sein Problem“, der Coach fungiert als neutraler und fallweise auch durchaus kritischer Gesprächspartner, er gibt dem Gespräch den Rahmen und die Struktur, stellt Fragen und achtet darauf, dass das Ziel des Coachings nicht aus den Augen verloren wird.

Coaching funktioniert auch im Online-Setting, wie der Erfolg von www.ooom.com zeigt. Dabei handelt es sich um eine digitale Plattform für Online-Beratung, Coaching, persönliche Weiterentwicklung, Leadership und Inspiration, wo Berater, Trainer und Coaches live im Einzelgespräch ihre Klienten beraten. Was Coaching bewirken kann, zeigt meine eigene Geschichte.

Coaching ist hilfreich bei Veränderungsprozessen.

Das ist mir im Jahr 2011 klargeworden. Damals habe ich mein Leben komplett auf den Kopf gestellt und gelernt, was es bedeutet, loszulassen: Ich habe meinen Job gekündigt und mich selbstständig gemacht. Der Schritt war wichtig, denn er war die einzige Möglichkeit, das Leben zu leben, das ich leben wollte – aber einfach war er nicht. Ich habe nämlich etwas zurückgelassen, das für mich einmal sehr bedeutsam gewesen ist. Bereits mit dreiundzwanzig hatte ich den Job, der damals mein absoluter Traum war: Ich war Teil des Moderatorenteams des Ö3-Weckers. Ich hatte eine spannende Arbeit bei einem großartigen Sender mit einem kreativen und geistreichen Team, habe die interessantesten Menschen kennengelernt und war auf den tollsten Veranstaltungen eingeladen. Dennoch hat sich das alles irgendwann nicht mehr richtig für mich angefühlt. Mein Leben war wie ein wunderschönes Kleid, das zwar irgendwie passt und doch nicht richtig sitzt. So habe ich mich mehr und mehr von der Frau wegbewegt, die ich sein wollte und die ich im Innersten meines Herzens auch immer war.

 

In meinem Kopf waren viele Fragen – aber zu wenige Antworten.

Ich brauchte jemanden, der mir half, meine Gedanken zu sortieren und zu ordnen. Jemand, der in meine Entscheidungen nicht direkt involviert war, jemand, der dazu imstande war, meine Situation neutral und mit Abstand zu betrachten. Ich brauchte einen Menschen, der mir neue Möglichkeiten aufzeigte, die ich noch nicht sehen konnte. Freunde oder Familienangehörige sind dazu oft nicht in der Lage, weil sie selbst viel zu nah am Leben des Fragestellers dran sind.

Um mehr Klarheit darüber zu erlangen, was ich WIRKLICH wollte, suchte ich also einen systemischen Coach auf. Systemisches Coaching ist ein aufgabenbezogenes, ressourcen- und lösungsorientiertes Beratungsformat für Einzelpersonen oder Teams in Organisationen.
Mir erschien dies zum damaligen Zeitpunkt als exakt das, was ich gerade brauchte. Ich hatte zwei konkrete Aufgabenstellungen: „Was konkret möchte ich beruflich machen? Und: „Wie erreiche ich dieses Ziel?“ Ich wollte, wie man unter Coaches so schön sagt, „nicht im Problemsee schwimmen“, sondern eine Lösung für mich finden.

Was würdest du tun?

Mit meinem Coach besprach ich zuerst meine Ausgangssituation und mein Ziel. Die Frage „Was würdest du tun, wenn alles möglich wäre?“ war im Laufe des Coachingprozesses ein wichtiger Schlüssel für mich. Die Antwort darauf war schnell gefunden: Ich wollte als Erwachsenenpädagogin im Bereich Kommunikationstraining arbeiten und mein eigenes Weiterbildungsinstitut gründen. Ich war bereits ausgebildete Kommunikations- und Stimmtrainerin, hielt neben meinem Job beim Radio bereits Seminare und Workshops und empfand diese Aufgabe immer schon als sehr bereichernd.
Die Gedanken in meinem Kopf begannen sich zu ordnen, plötzlich herrschte absolute Klarheit und ich war dazu in der Lage, mein Ziel konkret zu definieren.
Die zweite Schlüsselfrage, die mich dabei unterstützte, dieses Ziel zu erreichen: „Was ist der erste Schritt in diese Richtung?“ Für mich waren das damals gleich mehrere Schritte: Die Einrichtung einer eigenen Homepage, die Entwicklung von zwei Seminarprodukten, die ich als freie Trainerin anbieten konnte und das Absolvieren einer Ausbildung zum systemischen Coach.

Mein Ziel immer vor Augen, machte ich mich also an die Arbeit. Und es funktionierte: Es erreichten mich immer mehr Anfragen.

Die Coachingsitzungen unterstützten mich dabei, mein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und an mich zu glauben. Zweiteres war in dieser Phase vielleicht sogar am Allerwichtigsten. Man kann die beste Idee haben und das größte Engagement an den Tag legen: Wenn man nicht an sich glaubt, nützt das alles nichts. Manchmal ist es gar nicht so einfach, diesen Glauben aufrechtzuerhalten – dann braucht es Zuspruch von außen. Mein Coach war einerseits neutral genug, damit ich ihm glauben konnte, wenn er mir meine Ressourcen und Fähigkeiten immer wieder ins Bewusstsein rief. Auf der anderen Seite war er empathisch genug, damit ich ihm vertrauen konnte und das Gefühl hatte: Da ist jemand, dem mein Anliegen wichtig ist.

Die persönliche Beziehung zwischen Coach und Klient ist mindestens genauso entscheidend wie die professionellen Werkzeuge (Fragen stellen, zuhören, kritisch hinterfragen), die der Coach anwendet. Nach ungefähr vier Jahren, in denen ich nun schon parallel als Kommunikationstrainerin und Radiomoderatorin tätig war, stand ich schließlich vor dem nächsten Hindernis: Es wurde immer schwieriger für mich, meine beiden Ichs unter einen Hut zu bringen.
Wieder wandte ich mich an einen systemischen Coach, um dieses Thema zu besprechen. Danach nahm ich all meinen Mut zusammen und kündigte.

Ich habe mit diesem Schritt alles losgelassen.

Meine scheinbare finanzielle Sicherheit, eine Aufgabe, die ich lange Zeit wirklich geliebt habe, mein tägliches gewohntes Umfeld, meine Kolleginnen und Kollegen und nicht zuletzt meinen Status. Mein Verstand ist Amok gelaufen und hat mich mit tausenden von Fragen bombardiert. In mir war eine große Angst, eine regelrechte Existenzpanik.Meine innere Stimme aber hat mir gesagt, dass alles gut werden würde. In den Situationen des Zweifels gab es zum Glück auch eine äußere Stimme, die mich ermutigte: Die Stimme meines Coaches. Jetzt – sechs Jahre später – kann ich sagen: Meine innere Stimme und die äußere Stimme meines Coaches hatten recht. Alles ist gut geworden.

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