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Bestsellerautor Roger Nelson: Das Universum Atmen

Roger Nelson von der Princeton University, Gründer des "Global Consciousness Projects", Autor des Nummer-eins-Bestsellers „Der Welt-Geist“ und auf Platz 16 der inspirierendsten Menschen der Welt 2018, schreibt in OOOM über Inspiration. Und sagt: „Die Welt ist das, was wir aus ihr machen.“

Roger Nelson5. Dezember 2018 No Comments
ooom roger nelson story

Ein junger Anthropologe namens Doug Boyd lebte bei einem Medizinmann, der sich Rolling Thunder nannte, um so viel wie möglich über den Weg des Schamanen zu lernen. Eines Abends waren sie unterwegs, um Kräuter zu sammeln. Während er von Stechmücken belagert wurde, bemerkte er, dass Rolling Thunder von ihnen in Ruhe gelassen wurde. Am nächsten Morgen bat er um eine Erklärung. „Es gibt eine Haltung, die du annehmen kannst“, sagte Rolling Thunder. Die Welt ist in hohem Maße das, was wir aus ihr machen. Wir können beschließen sie durch enge Brillen zu betrachten oder wir öffnen uns dem großen Ganzen, dem breiten Spektrum der Möglichkeiten. Alles mit den Augen eines Künstlers und der Urteilskraft eines Wissenschaftlers zu sehen, gibt uns das Beste aus beiden Welten und öffnet unseren Geist für die Fülle des Universums. Wenn wir uns Fotos von fernen Galaxien oder Nebeln ansehen, die mit dem Hubble-Teleskop von Astronomen aufgenommen wurden, sind wir von ihrer majestätischen Schönheit inspiriert, die zutiefst spirituell ist und zugleich das Ergebnis von Spitzentechnologie. Nobelpreisträger Richard Feynman sprach von der Offenbarung der Schönheit durch die Wissenschaft. Neugierde, sagte er, führt zu Verständnis und Wissen.

Fernab davon die Schönheit zu mindern, fördert sie eine tiefe Wertschätzung des ästhetischen Reichtums von all dem, was wir sehen. Umso mehr noch, je tiefer wir in die Geheimnisse des Seins eindringen. Mit einem wissenschaftlichen Blick auf eine Blume zu schauen, multipliziert die Erkenntnisse, die wir über die Kunst und Architektur der Natur gewinnen. Eine Blume ist nicht nur eine Ansammlung von roten Blütenblättern. Wir sehen mehr, weil wir mehr wissen wollen: Warum ist die Farbe der Blume buchstäblich immer für die richtigen bestäubenden Insekten attraktiv? Wie kann ein so dünner und zerbrechlicher Stiel eine Tulpenblüte im Wind tragen? Wie kann eine fette Hummel auf so winzigen Flügeln fl iegen? Was macht den Himmel blau? Warum dehnt sich Wasser aus, kurz bevor es gefriert? Und wie können wir die einzigartige, schöne, zarte Symmetrie der Schneefl ocken erklären? Wissenschaft besteht aus genau solchen Fragen – die Kunst auch. Jede Frage ist eine Inspiration. Das erlaubt uns, die Wunder des Universums zu atmen. Wir denken, dass Spiritualität und Wissenschaft getrennt voneinander und völlig unterschiedlich sind. Aber die Wahrheit ist, dass sie sich gegenseitig ergänzen und erfüllen. Albert Einstein hat es so ausgedrückt: „Wissenschaft ohne Religion ist blind, Religion ohne Wissenschaft ist lahm.“ Sein Freund, der
indische Universalgelehrte Rabindranath Tagore, sagte: „Die Materie besteht aus Protonen und Elektronen, mit einem leeren Raum zwischen ihnen, doch scheint die Materie fest zu sein. Ebenso setzt sich die Menschheit aus Individuen zusammen, trotzdem gibt es die gegenseitige Verbindung der menschlichen Beziehungen, die der Welt der Menschen lebendige Einheit verleiht.“ Wir begreifen dies als eine philosophische und ästhetische Sichtweise, aber in den letzten Jahrzehnten ist ein wissenschaftliches Bild der unbewussten menschlichen Vernetzung auf globaler Ebene in den Fokus gerückt. So wie Neuronen ein menschliches Gehirn und einen menschlichen Geist erschaffen, indem sie einfach ihrer Natur folgen, wirkt es, als ob wir Menschen die gleiche Rolle haben könnten wie die Elemente einer globalen Noosphäre – eine Hülle der Intelligenz für die Erde zu sein. Dichter und Weise, inspiriert von der Schönheit und Komplexität der Natur, lehren Einfachheit und Integration. In diesem Raum fi nden wir Inspiration und Kreativität, die höchste Kunst und erstaunlichste Wissenschaft hervorbringen.

Maria Popova sagt: „Die Aufgabe kreativer Arbeit ist es, aus den zerfetzten Fäden von Kultur und Konvention etwas Neues und Wunderbares zu weben. Auf dem verzauberten Webstuhl des Geistes verfl echten sich unsere Erinnerungen und Erfahrungen, unsere persönlichen Geschichten und die Geschichten der Kultur zu einem bestimmten Muster, das nur dieser bestimmte Geist produzieren kann – das ist die kombinatorische Natur der Kreativität. Es kann nicht erzwungen werden. Es kann nicht überstürzt werden. Es ist nur zu begrüßen – die Arbeit der Kreativität ist die Arbeit, Zeuge dieses Webens zu werden.“ Inspiration ist sehr subtil. Rainer Maria Rilke wusste: „Und doch genügt es auch nicht, dass man Erinnerungen hat. Man muss sie vergessen können, wenn es viele sind, und man muss die große Geduld haben zu warten, dass sie wiederkommen. Denn die Erinnerungen selbst sind es noch nicht. Erst wenn sie Blut werden in uns, Blick und Gebärde, namenlos und nicht mehr zu unterscheiden von uns selbst, erst dann kann es geschehen, dass in einer sehr seltenen Stunde das erste Wort eines Verses aufsteht in ihrer Mitte und aus ihnen ausgeht.“ Wir müssen uns zuerst in unserem tiefsten Wesen vorbereiten und dann auf unsere Inspiration warten.

Der Nummer-1-Bestseller. Roger Nelson/Georg Kindel: DER WELT-GEIST, Wie wir alle miteinander verbunden sind, edition a, EUR 21,90