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Das Verrücktsein, das Spinnen – das ist mir wichtig

Kurt Welther ist einer der außergewöhnlichsten Künstler Österreichs. Seine Einzelausstellungen im Museo de Arte Moderno in Mexico City begeisterten die Massen ebenso wie im Phantastenmuseum Wien.

CHRISTINA ZAPPELLA-KINDEL & GEORG KINDEL31. Mai 2017 No Comments


Wie war für Sie diese Peyote-Erfahrung?
Du kaust den Kaktus und wirst dann schon bamstig im Mund. Du merkst, du kannst jetzt nichts trinken, weil du würdest dich beißen. Du kannst dich an alles erinnern, aber du driftest total weg. Es ist ein schönes Gefühl der Entrücktheit.
Wie ein halluzinogener Trip?
Ich hab nie LSD genommen, aber die Rauscherfahrung stell ich mit sehr ähnlich vor.
Haben Sie über sich etwas erfahren, was Sie nicht wussten?
Nein, es ist ein starkes Erlebnis. Ich kann mir vorstellen, dass Leute einen Horrortrip bekommen, weil du dann plötzlich bei den Menschen wirklich andere Sachen siehst. Die Schamanen haben dann später erzählt, es gäbe viele, wo sie das nicht empfehlen.
Haben Sie die Erlebnisse auch künstlerisch umgesetzt?
Malen kann ich immer nur im nüchternen Zustand. Das ist mir total wichtig.
Wie lange ist man in dem entrückten Zustand?
Bist zu acht Stunden. Ich habe das drei oder vier Mal gemacht. Ich war bei verschiedenen Ritualen als einziger Westler dabei, die den ganzen Tag lang gedauert haben, mit monotonen Trommeln, immer der gleiche Rhythmus. Wer teilnimmt, wird mit einer gelben Wurzel im Gesicht gekennzeichnet. Dann weiß ein jeder, dass man dich in Ruhe lässt. Das ist ganz wichtig und finde ich toll. Du bist in einem Ausnahmezustand.
Manche Künstler nehmen Drogen zur Bewusstseinserweiterung. Ist das bei Peyote auch der Fall?
Oh ja, selbstverständlich. Zum Beispiel werden die Farben extrem intensiv und arg. Man spricht auch von psychedelische Farben. Du darfst die Indios ja nicht fotografieren. Ich hab sie aber gefragt, ob ich sie porträtieren darf, und einige haben das zugelassen. Sie zu fotografieren wäre ein Seelenraub. Ich hab sogar bei Zeremonien zeichnen dürfen. Mexiko wurde fast zu einer zweiten Heimat für mich.

31. Mai 2017