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Das Verrücktsein, das Spinnen – das ist mir wichtig

Kurt Welther ist einer der außergewöhnlichsten Künstler Österreichs. Seine Einzelausstellungen im Museo de Arte Moderno in Mexico City begeisterten die Massen ebenso wie im Phantastenmuseum Wien.

CHRISTINA ZAPPELLA-KINDEL & GEORG KINDEL31. Mai 2017 No Comments


Wie lange hat es bis zu Ihrer ersten großen Einzel­ausstellung im Museo de Arte Moderno in Mexico City gedauert?
Fast 10 Jahre. Ein wunderbarer Platz und eine tolle Ausstellung.
Wie viele Werke haben Sie bisher in Ihrem Leben geschaffen?
Sicher tausende. Ich hab von klein auf irrsinnig viel gemalt und gezeichnet.
Kann jeder Kunst verstehen?
Sicher. Man muss einfach offen sein. Das Bild ist still, du musst für das Bild abschalten und leer sein. Du darfst nichts wollen, wenn du ein Bild anschaust. Du musst ihm Zeit widmen, dann wird es lebendig. Das ist fast etwas Meditatives. Ein Bild anzusehen ist eine Art von Meditation.
Objektkunst hat Sie nie gereizt?
Nein. Es ist so, ich bin mittlerweile 60 und ich hab noch so viel vor. Der Mal-Rausch ist für mich das Größte. Beim Mal-Rausch passt nicht einmal ein Schluck Wein rein. Im Mal-Rausch trinke ich nichts.
Gibt es Bilder, die Sie malen und am nächsten Tag denken Sie: Das ist nichts!
Selbstkritik gibt es sehr stark bei mir. Die gibt es und ich hab auch oft schon sehr viele Bilder übermalt, was mir manchmal später auch leid getan hat.
Ernst Fuchs hat sehr geschwärmt von Ihrem Werk. Bedeutet Ihnen Lob von Kollegen etwas?
Natürlich freut man sich. Das ist klar. Auch was Peter Turrini sagt, den ich natürlich auch sehr schätze, ist sehr schön.
Wenn jemand in 100 Jahren auf ein Werk von Kurt Welther schaut, was soll er sich denken?
Ein Stanley-Kubrick-Film löst etwas im Betrachter aus, man sieht die Dinge danach ein bisschen anders. Das würde ich mir wünschen.
Dafür möchte ich leben und malen.
Verstehen Sie Menschen, die Bilder nur als Wertanlage kaufen und denen die Kunst egal ist?
Kaum. Jedes Bild soll etwas vermitteln, es soll bewegen, man soll darüber lachen oder weinen können. Ein Bild, das etwas in dir auslöst, das ist Kunst.

31. Mai 2017