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Dieter Broers: Das Geheimnis des Erdmagnetfelds

Der Bestsellerautor über die Auswirkungen des Erdmagnetfeldes – und warum Magnetfelder unser Denken und Fühlen beeinflussen.

Georg Kindel14. Februar 2017 No Comments

Der Biophysiker und Bestsellerautor Dieter Broers und die Musikforscherin Vera Brandes sind seit fünf Jahren privat ein Paar. Er widmet sich den Auswirkungen elektromagnetischer Felder auf biologische Systeme, sie erforscht an der Paracelsus Universität in Salzburg die Auswirkungen von Musik auf die Gesundheit. Beide  In OOOM sprechen sie über Forschung, Kritik, Bewusstsein, Tod – und warum sie unseren Geist in einer Cloud vermuten.

Wenn er mit seinem sonoren Bariton über Studien zu dozieren beginnt, fällt es auch routinierten Experten schwer, ihm zu folgen. Er springt von Studien der Oxford University geradewegs zu Ergebnissen russischer Forscherteams, macht einen Abstecher zur Epiphyse und zitiert Platon. Fast würde man glauben, der hünenhafte Mann müsse mit jedem Satz die wissenschaftliche Seriosität seiner Arbeit unter Beweis stellen.

Dieter Broers, 65, ist einer der erfolgreichsten Autoren im deutschen Sprachraum, der sich mit schwachen elektromagnetischen Feldern und ihren Auswirkungen auf biologische Systemen beschäftigt. Seine Bücher wie „Der verratene Himmel“ oder „Das Geheimnis des Matrix Code“ wurden zu Bestsellern. Erklärt er auf YouTube trockene Themen wie „Die Macht der Zirbeldrüse“, sehen sich binnen kürzester Zeit 230.000 Menschen das Video an. Auch seine Filme wie „Solar (R)Evolution“ über den Einfluss der Sonne auf unser Bewusstsein verkauften sich Zehntausende Male auf DVD.

Dieter Broers ist einer jener Menschen, die in Wissenschaftskreisen zum Teil umstritten sind, und deren Theorien oft nicht in die gängige Lehrmeinung passen. Daher werden sie von der traditionellen Wissenschaft gerne boykottiert. Doch sind Phänomene, die wir mit unserem heutigen Stand der Wissenschaft nicht erklären können, automatisch Humbug? Lag Peter Higgs 1964 falsch, als er das „Higgs-Teilchen“ erstmals berechnete, das erklären sollte, wie Teilchen ihre Masse bekommen? Auch Higgs’ Theorie wurde angezweifelt, bis im Juli 2012 im Cern-Beschleuniger bei einer Kernkollision der Nachweis für das gesuchte Higgs-Boson erbracht wurde. Wir sprachen mit Dieter Broers und seiner Lebensgefährtin Vera Brandes über ihre Arbeit – und den Umgang damit.

Herr Broers, Sie behaupten, es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Erdmagnetfeld und biologischen Systemen?
Broers: Es gibt hochsignifikante Zusammenhänge zwischen dem Kauf- und Verkaufsverhalten an den Börsen und der Sonnenaktivität. An den Tagen, an denen es ein atypisches Verhalten gab, waren die Sonnenaktivitäten signifikant anders.

Ist Ihrer Meinung nach die Welt anders, als sie uns erscheint?
Broers: Ja, alleine schon deswegen, weil das, was unser Gehirn aufnimmt, von biochemisch in elektrochemisch umgewandelt wird, damit ist es eine Interpretation. Schon Platon sagte, dass wir eigentlich immer nur die Schatten ausdeuten. Wir nehmen nicht das wahr, was wirklich ist, sondern interpretieren. Ich glaube, dass es außerhalb des sichtbaren Spektrums und dessen, was unsere bekannten Sinnesorgane aufnehmen, einen viel größeren, darüber liegenden Bereich gibt. Wir nehmen eine andere Realität auch wahr, wenn wir halluzinieren oder eine Nahtod-Erfahrung haben. Ich selber hatte eine, da war ich 21.

ICH HATTE MIT 21 JAHREN EINEN SCHWEREN AUTOUNFALL UND EINE NAHTOD-ERFAHRUNG.
ICH HABE MEINEN KÖRPER VERLASSEN,
ICH KONNTE MICH SELBST SEHEN.


Was ist damals passiert?
Broers: Ich konnte mich selber plötzlich sehen. Ich konnte meinen Körper erkennen, wie ich dalag, was eigentlich völlig unmöglich ist. Ich brauche ja nach normal konditioniertem Denken meine Augen, um mich wahrnehmen zu können. Ich war zuvor mit dem Auto bei einem Bergrennen in Österreich fast 15 Meter abgestürzt.

Sie nahmen sich außerhalb Ihres Körpers wahr?
Broers: Ja. Das passierte im Grunde gar nicht erst beim Aufprall, sondern schon gefühlte 1,5 Sekunden davor. Ich hatte meinen Körper verlassen, auf einmal konnte ich etwas sehen, was meine Sinne gar nicht anbieten können. Das hat mich außerordentlich überrascht.

Sahen Sie Ihr Leben im Zeitraffer?
Broers: Es war eine zeitlupenartige Rückführung. Ich habe mein Leben in kleinen Schritten zurück erlebt, bis ich ein oder zwei Jahre alt war. Eine Szene hat mich sehr beeindruckt: Ich sah meine Mutter in diesem merkwürdigen Schottenrock, den sie gerne trug und den ich lange schon vergessen hatte. Er war überreal da. Die Erfahrung war einschneidend.

Dieter Broers und Vera Brandes beim OOOM-Fotoshooting im Technischen Museum, Wien.

Wo sitzt Ihrer Meinung nach das Bewusstsein?
Das, was im Allgemeinen für Bewusstsein gehalten wird, ist eigentlich der Geist. Das ist etwas ganz anderes.

Was passiert mit dem Tod?
Broers: Unser Geist ist nicht materieller Art. Die Prozesse des Denkens sind zwar neurologisch und biochemisch, aber es ist nicht der Geist, der sich da abbildet. Wolf Singer, Max-Planck-Ins­titutsdirektor, sagte: „Es gibt kein geistiges Selbst. Denn wenn es das gäbe, wäre es energetisch, und man könnte es messen.“ Es gibt einen Bereich, den wir nicht anschauen dürfen als Wissenschaftler, weil wir ihn nicht nachweisen können. Das ist sehr erbärmlich. Dass es unseren Geist real gibt, brauchen wir nicht zu hinterfragen. Etwas Nicht-Energetisches ist nicht messbar, ist sozusagen raus aus der Raum-Zeit. Ist es deswegen nicht existent? Ich denke, nach dem Zerfall des Körpers bleibt der gesamte geistige Bereich vorhanden. Das sind Informationen, die raumzeitlos abgelegt sind.

In Ihrem Modell wird der Geist in eine Art Cloud abgelegt?
Broers: Ganz genau. Was ist dann mein Ich? Das wird anders aussehen, auch die Definition, was wirklich lebt, wird anders sein. Aber die Information, die bleibt. Aus meiner Überzeugung gibt es diese Instanz in uns, die wahrnehmungsfähig ist und sich dessen auch bewusst ist, dass sie existiert.

Gibt es einen Schöpfer? Broers: Ja. Nur anders, als wir es uns im theologischen Bereich so vorstellen. Nicht personifiziert, sondern als Instanz, die alles umfasst.

Was war Ihr Berufsziel als Kind in Hamburg?
Broers: Ich las ein Fachbuch des Biophysikers Roland Glaser von der Humboldt Universität und wusste: Das  ist meins, weil sie die Schnittstelle ist zwischen Geist und Materie. Ingolf Lamprecht hatte an der Freien Universität Berlin den Lehrstuhl für Biophysik und hat mir den Raum zu forschen eingeräumt. Er ist für mich heute noch der große Lehrer.

Wann haben Sie Ihr erstes Buch geschrieben?
Broers: Spät, erst vor 13 Jahren. Ich wusste, wenn ich meine Erkenntnisse in dieser Form veröffentliche, dann werde ich zumindest als Spinner eingeordnet.
Außerdem war mir sehr wichtig, dass ich meine Forschung an den Unis nicht einbüße. Als ich dann den Film „Matrix“ mit Keanu Reeves sah, ist für mich eine Welt aufgegangen. Das drückt aus, was ich schon als Kind wahrnahm: dass hier etwas nicht stimmt und wir in einer Scheinwelt leben. Ich veröffentlichte damals drei Bücher unter dem Pseudonym Morpheus. Irgendwann flog das auf.

Sie wurden zur Erfolgsmarke. Was war dazwischen?
Broers: Ich habe geforscht, 34 Jahre lang: an der TU Berlin, später auch Humboldt Universität.

Wie gehen Sie mit Kritik um?
Broers: Kritik ist oft sehr pauschal, wenn mich jemand nicht mag. Ich kenne keine Kritik, bei der es um ein wissenschaftliches Thema geht.
Brandes: Einer der Gründe, warum Dieter und ich uns so gut verstehen ist, dass wir die gleiche Erfahrung gemacht haben: Du hast kein Recht auf eine eigene Meinung, außer du kannst auf eine Top-Ausbildung verweisen und drei Nobelpreisträger zitieren.

MUSIK HAT KONKRETE AUSWIRKUNGEN AUF DEPRESSION,
BLUTHOCHDRUCK ODER BURN-OUT.
WIR KÖNNEN DAS MESSEN.


Frau Brandes, Sie waren im Musikbusiness höchst erfolgreich.
Brandes: Ich hatte eine eigene Plattenfirma mit neun Labels, eine Firma in den USA und einen Vertrieb für unsere Tonträger in 27 Ländern.

Sie gingen dann in die Forschung.
Brandes: Nach einem schweren Autounfall mit mehreren Wirbelbrüchen teilte ich in der Klinik das Zimmer mit einer Buddhistin. Die bekam zweimal am Tag von ihrer Gemeinde Besuch, und sie beteten gemeinsam ein Heilmantra. Zufällig war einer meiner Jin-Shin-Jyutsu-Lehrer aus Amerika in Deutschland, er kam und half mir. Obwohl ich drei Monate in der Klinik liegen sollte, kam ich bereits nach 14 Tagen nach Hause. Keiner konnte sich die rasche Heilung erklären. Da beschloss ich herauszufinden, ob es Jin Shin Jyutsu gewesen war oder die Gesänge der Mönche.

Sie leiten heute das Forschungsprogramm Musik-Medizin an der Paracelsus Universität in Salzburg.
Brandes: Ja. Musik hat ganz konkrete positive Auswirkungen auf Krankheiten wie Depression, Burn-out, Bluthochdruck und Schlafstörungen. Der Mensch ist ein rhythmisches Geschöpf: chronobiologisch sind wir eine Aneinanderreihung von Zyklen und Rhythmen, die ineinandergreifen und das ist die Musik auch.

www.dieter-broers.de

www.sanoson.com