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WeWork-Manager Dave Fano: Der Milliardenmacher

Es ist die größte Start-up-Erfolgsgeschichte des Silicon Alley, der New Yorker Tech-Industrie: In nur acht Jahren wurde aus einem Zwei-Mann-Unternehmen das weltgrößte Netzwerk von Arbeitsumgebungen, Gemeinschafts­büros, Communitys und Arbeitsplätzen. WeWork ist mehr als 20 Milliarden US-Dollar wert, hat 230 Büro-Locations in 21 Ländern und 71 Metropolen der Welt und will rasant weiterwachsen. OOOM traf jenen Manager, der dafür verantwortlich ist, im globalen WeWork-Hauptquartier im New Yorker Stadtteil Chelsea: Chief Growth Officer Dave Fano.

Herbert Bauernebel13. Juni 2018 No Comments

Es war eine Freundschaft zwischen zwei Männern, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren und eine Idee hatten, aus der eines der wertvollsten Start-ups aller Zeiten entstehen sollte. Hightech-Erfolgsteams dieser Art gab es schon mehrfach: Steve Jobs und Steve Wozniak, die Apple vom Garagen-Start-up zur Milliarden-Company machten, die Microsoft-Gründer Bill Gates und Paul Allen oder die „Google Boys” Sergey Brin und Larry Page.

Adam Neumann, 39, und Miguel McKelvey, 45, jedoch hätten unterschiedlicher kaum sein können: Adam wuchs in Israel auf, einem Land im Dauer-Alarmzustand. Er brachte Biss, Kreativität, aber auch Erfahrung über die Funktionsweise kleiner Kommunen, wie er sie von seiner Zeit im Kibbuz kannte, mit. Miguel wiederum verbrachte seine Kindheit in einer Hippie-Kommune im für seine Alternativszene bekannten US-Bundesstaat Oregon.

Es begann mit GreenDesk. Nachdem beide als Entrepreneure erste Erfahrungen in der New Yorker Tech-Szene, bekannt als Silicon Alley, gesammelt hatten, gründeten sie 2008 eine Firma namens GreenDesk.

Die Idee: Anstatt ihre Laptops in Starbucks-Filialen aufzuklappen, sollte den Hightech-Nomaden der digitalen Ära ein cooler Arbeitsplatz geboten werden. Das Duo hatte ein umweltfreundliches Büro geschaffen – mit dem Feeling einer Kommune.

Die Idee schlug ein. Zwei Jahre später eröffneten Neumann und McKelvey mit dem Erlös aus dem Verkauf des Start-ups im Manhattaner Bezirk SoHo ein weit größeres Gemeinschaftsbüro. Und sie wählten einen neuen Firmennamen: WeWork.

Wieder war das Konzept einleuchtend: All die Hürden bei der kreativen, effizienten und zielgerichteten Arbeit, das Einrichten von Internet-
Verbindungen, die Suche nach Büroräumen, das Abschließen von Versicherungen oder sonstiger Behördenkram sollten minimiert und der Fokus auf Teamarbeit, Transparenz und Zusammenarbeit gelegt werden. Soll heißen: auch Kaffee und Tee stehen den ganzen Tag über in Kannen bereit, Coke und Bier lagern wohltemperiert im Kühlschrank. Den Firmengründern ging es dabei immer um das Gemeinsame, die Kommune, als sie den Arbeitsplatz der Zukunft schufen. Der Rest ist mittlerweile Geschichte. Und was für eine.

Founder als Milliardäre. Heute ist das New Yorker Start-up WeWork mit 2.000 Mitarbeitern und einem Marktwert von über 20 Milliarden Dollar (16,25 Mrd. Euro) der größte Vermieter von Co-Working-Arbeitsumgebungen und Gemeinschaftsbüros der Welt, sprich Schreibtischen in coolen Büro-Komplexen, die je nach Bedarf flexibel und monatsweise gemietet werden können. Und das bereits in praktisch jeder wichtigen Stadt der Welt: Mehr als 230 Büro-Locations bietet der Konzern in 71 Metropolen und 21 Ländern der Welt an, 210.000 Mitglieder sind bereits Teil der globalen WeWork-Gemeinschaft – und die beiden Firmengründer längst Milliardäre.

Im WeWork-Headquarter. OOOM besucht das globale Hauptquartier des Unternehmens im New Yorker Stadtteil Chelsea. Top-Manager Dave Fano, der den blumigen Titel „Chief Growth Officer” (Wachstumschef) trägt, führt durch die luftigen Großraumbüros. Auf drei Etagen werken in dem Gebäude im Warehouse-Stil mehr als hundert WeWork-Mitarbeiter. Es gibt lange Gemeinschafts­tische aus umweltfreundlichen Hölzern, schalldichte Kabinen für Konferenzschaltungen, Einzelbüros, in denen kleinere Firmenteams Platz haben. Man erfrischt sich in mehreren Küchen, wo es Kaffee, Tee, Snacks und Fertiggerichte gibt. Zum Entspannen wurden sogar Spielautomaten aufgestellt. Nur Pingpong-Tische gibt es keine, wie sie sonst in vielen Start-up-Büros herumstehen. „Es stört zu sehr, wenn Leute überall nach den Bällen suchen”, sagt Fano beim Rundgang. Die drei Stockwerke sind durch einen riesigen Treppenaufgang in der Mitte verbunden, auf Zwischenebenen sind kleine Sitzecken zu finden. An alles ist gedacht: Es gibt Halterungen für Fahrräder an der Wand und sogar einen Friseur. Dass alles bei WeWork Hightech ist – fast wie in einem Sci-Fi-Film – versteht sich. Selbst die Steckdosen werden erst aktiv, wenn sich ein Mitglied über einen elektronischen Tablet-Kiosk für den entsprechenden Sitzplatz eingeloggt hat.

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