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Investmentpunk: Der Money Maker

Er ist die schillerndste Figur in einer Branche, wo Männer nur im dunklen Anzug Geschäfte machen: Gerald Hörhan machte sich als Investmentpunk zur Marke, kaufte über 200 Immobilien, schrieb Bestseller und startete eine Online-Akademie. In OOOM erzählt er, was die sechs Todsünden beim Umgang mit Geld sind und warum bei der digitalen Revolution kein Stein auf dem anderen bleibt.

Georg Kindel4. August 2017 No Comments

Was sind die größten Fehler, die Menschen beim Thema Geld machen können?

Es gibt sechs Finanzirrtümer der Mittelschicht. Erstens: das Eigenheim auf Pump in der Pampa. Ein Eigenheim auf Schulden irgendwo am Land zu kaufen versklavt einen für 30 Jahre. Ich gebe die Freiheit bei meiner Bank ab. Der schlimmste Finanz­irrtum der Mittelschicht. Zweitens: Jede Art von Verschuldung, also neue Autos auf Leasing, Urlaub auf Kredit. Man ist wie ein wirtschaftlicher Drogenjunkie. Drittens: Zu investieren, ohne eine Ahnung zu haben. Die meisten Leute beschäftigen sich zwar mit Yin und Yang, Burnout und Sonderangeboten im Supermarkt, aber sie kümmern sich weniger um ihre Altersvorsorge, um ihre Investments und Versicherungen. Wenn man sich nicht auskennt, wird man geschlachtet, geschoren wie ein Schaf, gerupft wie ein Huhn bis auf die Knochen. Viertens: Zu glauben, dass ein Angestelltenjob sicher und Unternehmertum unsicher ist. Unsicher sind heute beide. Auch ein Angestellter hat mittlerweile ganz schöne rechtliche Risken und vor allem nur eine Einnahmequelle. Ganz extrem ist es, wenn man ein Angestellter ist und ein Eigenheim auf Pump hat und Konsumschulden, denn wenn man dann seinen Job verliert war’s das. Fünftens: die Scheidung. Eine Scheidung ist schlimmer als eine kommunistische Regierung, weil bei einer Scheidung verliert man oft die Hälfte seines Vermögens, teilweise kann man dann auch noch Alimente zahlen, und wenn man dann ein Eigenheim auf Pump in der Pampa hat, kann es passieren, dass man Schulden zahlt für ein Haus, in dem man gar nicht mehr leben darf.

Und der sechste Fehler?

Ist der vielleicht wichtigste: Das Unverständnis für die digitale Ökonomie. Die Leute, die eine digitale Ökonomie verstehen, werden die nächste Jahre beim Arbeitsmarkt und auch als Unternehmer in Gold und Platin aufgewogen. Wer keine Ahnung davon hat, wird wirtschaftlich untergehen. Das kann auch Leuten passieren, die heute noch in der Elite sind. Sie werden eigentlich keinen Job mehr finden, weil sie nicht mehr gebraucht werden.

Die Mehrheit der Leute ist Stinkfaul, die meisten brauchen einen Arschtritt. Wer sein eigenheim auf Pump in der Pampa kauft und sich beim Investieren nicht auskennt, hat schon verloren und wird geschlachtet.

Ja, das beginnt einfach beim Taxifahrer, beim Lokführer, beim Sachbearbeiter, beim Versicherungsmakler, Rechtssachberater und endet beim praktischen Arzt. Alles Dinge, die der Computer künftig macht. Auf der anderen Seite werden auch viele Jobs geschaffen: Onlinemarketing-Spezialist, IT-Ethiker, Programmierer etc. Diese Leute werden gute Zeiten haben.

Als Investmentpunk haben Sie sich als Marke aufgebaut. Kalkül?

Zufall. Ich hab mein erstes Buch geschrieben und besuchte zu der Zeit ein Punkrockfestival in Rostock im entsprechenden Outfit. Da haben mich die anderen gefragt, was ich beruflich mache. Einer meiner Freunde hat sie dann raten lassen. Der Deal war: Wenn sie es richtig erraten, bekommen sie 5 Drinks – und wenn nicht, müssen sie jedem von uns einen zahlen. Wir haben dann um die 30 Drinks gewonnen. Mein Kumpel sagte dann: „Gery, du bist kein Invest­mentbanker, sondern ein Investmentpunker.“

Laut einer Oxford-Studie sind 47 % aller Jobs gefährdet.

Wie stark war am Anfang das Interesse an Ihren Botschaften?

Da war mal das Buch. Meine Kernaussage war: Irgendwie seid ihr alle selbst schuld, dass ihr in der Scheiße seid, nicht die bösen Banken und Investmentbanker. Ihr seid blöd, weil ihr die ganzen Schulden gemacht habt. Hättet ihr nicht so viel Schulden gemacht, dann wären auch diese Probleme nicht entstanden. Das war natürlich ein Riesen-Aufruhr, das war sehr kon­trovers zu dem Zeitpunkt. Nach der ersten deutschen Talkshow war mein Buch plötzlich auf Amazon Rang fünf der Bestseller. Weil das die Leute bewegt hat: Wieso verdienen ein paar viel und der Rest nichts?

Sie sagen: Ein Eigenheim ist eine schlechte Geldanlage.

Ja. Man soll zur Miete leben und Immobilien als reine Geldanlage sehen, wobei man natürlich aufpassen muss auf die Marktzyklen und wir uns in Österreich und in Deutschland jetzt sicher am oberen Ende eines Marktzyklus’ befinden. In Deutschland, Österreich haben sich die Preise de facto in den letzten 10 Jahren verdoppelt. Die Mieten sind aber nur um 15 bis 20 % angestiegen, zumindest die Netto-Mieten.

Wirtschaftsnobelpreisträger Harry Markowitz prägte den Satz: „Don’t put all your eggs in one basket“, das heißt: Diversifizierung ist wichtig. Wie schaut Ihr eigenes Portfolio aus?

Neben über 200 Immobilien, die wir gekauft haben – ich selbst wohne zur Miete – habe ich IDFs (Anm.: Insurance-Dedicated Funds), Gold, Währungen, deutliche Cash-Bestände und was natürlich auch viel wert ist, sind meine digitalen Assets und meine digitale Marke.

Was ist eigentlich Ihre genaue Job Description?

Ich berate Unternehmen im Immobilienbereich bei Prozessen der Kapitalbeschaffung, bei der Verwertung von komplexen Immobilien oder Firmenfinanzierungen. Das mache ich seit 20 Jahren und habe entsprechende Erfahrung. Das Zweite ist mein eigenes Vermögen, insbesondere in Immobilien. Ich verwalte oder kaufe selektiv zu, wenn sich was ergibt. Das Dritte ist die Investmentpunk-Academy, meine Marke, meine Online-Plattform, die wir jetzt auch zu einer Online-Universität ausbauen.

Machen Edelmetalle wie Gold als Investment Sinn?

Ja, Edelmetalle sollte man durchaus im Portfolio haben, weil man sie mitnehmen kann. Eine Immobilie kann man nicht mitnehmen, aber Goldbarren kann man einstecken. Das ist ein Vorteil. Man sollte auch immer etwas Cash halten.

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