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Investmentpunk: Der Money Maker

Er ist die schillerndste Figur in einer Branche, wo Männer nur im dunklen Anzug Geschäfte machen: Gerald Hörhan machte sich als Investmentpunk zur Marke, kaufte über 200 Immobilien, schrieb Bestseller und startete eine Online-Akademie. In OOOM erzählt er, was die sechs Todsünden beim Umgang mit Geld sind und warum bei der digitalen Revolution kein Stein auf dem anderen bleibt.

Georg Kindel4. August 2017 No Comments

Investmentbanker der anderen Art: Gerald Hörhan machte sich als Investmentpunk zur Marke. In seiner Academy bringt er Leuten das richtige Investieren bei. (Fotos: Roland Unger)

 

In Ihrem Buch „Der stille Raub“ schreiben Sie, dass die Mittelschicht sukzessiv vernichtet wird. Kann man dem gegensteuern?

Die digitale Ökonomie funktioniert nach dem Prinzip, dass der Beste wahnsinnig viel bekommt, der Zweitbeste noch einiges, der Drittbeste noch ein bisschen was und der Viertbeste fast nichts mehr. Früher gab es diese „The Winner takes it all“-Ökonomie nur in wenigen Bereichen wie im Sport oder bei Filmschauspielern. Heute betrifft es jeden, den Nachhilfe-Lehrer genauso wie den Rechtsanwalt oder einen Tierarzt. Berufe, wo man früher gar nicht daran gedacht hat. Es wird am Ende jede Branche betreffen, auch jede Firma. Der Durchschnitt ist nicht mehr gefragt. Denn was der Durchschnitt kann wird automatisiert. Das kann ich outsourcen in die Ukraine oder nach Pakistan. Leute, die jedoch spezielle Fähigkeiten haben, verdienen immer mehr. Wer sich mit künstlicher Intelligenz auskennt, wird Generaldirektor und die normalen Mitarbeiter, die früher doch ein ordentliches Einkommen hatten, werden ersetzt.

Wo stehen Sie politisch? Wie Punks generell weit links?

Nein, ich bin ein liberaler Kapitalist. Ich bin gesellschaftlich irrsinnig freiheitsliebend, kombiniert damit, dass ich ein überzeugter Kapitalist bin.

Was haben uns die USA in der digitalen Welt voraus?

Sie können besser verkaufen und sie sind in der digitalen Ökonomie wahnsinnig weit vorne, da gibt es auch einen Grund dafür. Das deutsche Modell ist Perfektion. Eine Mercedes S-Klasse muss perfekt sein. Die New Economy ist nicht perfekt, und das widerspricht so der deutschen Denkart, da fährt der deutsche Panzer durch. In der digitalen Ökonomie sind die Amerikaner Weltspitze. Und sie haben auch den Wirtschaftsimperialismus, der sie zusammenhält, nicht erst seit Trump gesagt hat: „America first“.

Was das betrifft, können wir von ihnen noch lernen?

Na sicher! Wir sollten es auch, denn die wertvollsten Firmen der Welt sind digitale Konzerne, und die sitzen in Amerika und haben Macht und Geld wie kein anderer.

Sind Sie je gescheitert?

Richtig noch nicht. Ich habe immer eine solide wirtschaftliche Basis gehabt, da habe ich auf die Kosten geschaut und nie über die Stränge geschlagen. Ich lebe natürlich gut, aber es gibt Leute, die mit meinem Einkommen in teuren Hotels absteigen würden und nicht in Low-Budget-Hotels wie ich, die sich keine gebrauchten Autos mehr kaufen würden wie ich und auch keine Ikea-Möbel, die ich zu Hause stehen habe. Der zweite Punkt ist, dass ich natürlich generell auch Geschäfte gewählt habe, die wenig kapitalintensiv sind.

Sind heute viele Leute eher faul?

Die Mehrheit der Leute ist faul, stinkfaul – nachher sagen sie, sie leiden an
Burnout, sind dann depressiv, weil sie nix zu tun haben, die meisten Leute brauchen einen Arschtritt. Da mir Dinge gehören und ich finanziell unabhängig bin, kann mir sehr schwer jemand einen Arschtritt geben, aber ich bräuchte auch mal einen Arschtritt.

Sind Sie ein sparsamer Mensch?

Sparsam ist immer relativ. Ich leiste mir schon gewisse Dinge, aber ich bin sicher kein Verschwender. Ich leiste mir, dass ich zentral wohne, gut essen gehe, Langstrecke Business Class fliege, schöne Autos habe, Assistenten, die mir mein Leben organisieren, aber ich bin nicht jemand, der es verschwendet. Ich geb sicher keine 500 Euro für Wein aus, ich trinke im Restaurant lieber Leitungswasser, ich kaufe gebrauchte Autos und Ikea-Möbel.

Wie ist Ihre Roadmap für die nächsten Jahre?

Mein Ziel ist, den Investmentpunk in die osteuropäischen Nachbarländer zu bringen, die digitale Plattform zu erweitern und eine Videochat-Funktion einzurichten. Und dann natürlich die Errichtung unserer eigenen Universität.

Hatten Sie nie Angst, abzuheben?

Arbeit, klare Ziele und eine Aufgabe disziplinieren und man kommt gar nicht auf so blöde Ideen, weil viele Leute, die Geld haben und keine Aufgabe, es dann verhuren, verzocken, vervögeln, verkoksen. Da werden Leute richtig blöd. Wenn man eine klare Aufgabe hat, dann hat man auch die entsprechende Disziplin und bleibt mit beiden Füßen am Boden. Man darf sich nicht durch Erfolg blenden lassen und muss etwas Vernünftiges mit seinem Geld machen.

4. August 2017