Arts & Design

Designstudio Nov24: Welten verknüpfen

Hamideh und Amir Kolahdouzian, zwei kreative Köpfe aus dem Iran, bündeln Ihre Leidenschaft für Innovation und produzieren mit ihrem Designstudio Nov24 High-End-Teppiche in einem Zusammenspiel aus Design, Kunst und Handwerk. Sie verknüpfen zwei Kulturen und lassen durch die Synergien der Gegensätze einzigartige Unikate entstehen.

CLAUDIA OHSWALD22. Dezember 2020 No Comments

Amir Kolahdouzian wollte eigentlich Profifußballer werden. Talent und Technik waren nicht das Handikap, was ihm fehlte war mentale Stärke: „Und ich wollte nicht, dass mir andere vorschreiben, wie mein Leben verlaufen soll. Ich wollte etwas machen, was Leidenschaft in mir weckt.“ Ein Kollege an der Universität Wien, wo er internationales Marketing studierte, bestärkte ihn darin. So landete der smarte Marketingprofi mit iranischen Wurzeln nach mehreren Jahren im Vertrieb und bei einer Agentur in der zauberhaften Welt der Teppiche.

Wenn Du einen Teppich verkaufen kannst, kannst du alles verkaufen. Das war sein Leitsatz. Amir lernte damals sein Frau Hamideh kennen, die in Wien auf der Technischen Universität Architektur studierte. Mehrere gemeinsame Reisen in den Iran, zum Bazar in Teheran, haben auch das Interesse von Hamideh an Teppichen geweckt. Die persischen Muster wurden zu ihrer Inspiration und Leidenschaft. „Der ursprüngliche Grundgedanke, neue Märkte im Iran zu eröffnen, war im Nachhinein gesehen ein naiver Ansatz“, sagt der Teppichunternehmer heute. „Europa und den Iran zu verbinden gestaltet sich oftmals schwierig.“ Strukturen und Vertrauen fehlten anfangs. Doch dem Motto „Den Mutigen gehört die Welt“ entsprechend hat sich das Power-Paar ohne großes Unternehmertun auf das neue Business eingelassen und sind in die komplexe Teppichwelt hineingewachsen. Es war ein langsamer, experimenteller Prozess, der die beiden zu Profis machte. 2012 gründeten sie das Design-Studio Nov24 (Nov steht für lateinisch „novum“, die Neuigkeit) und vereinen traditionelle Handwerkstechniken und Muster mit modernen Texturen, Farben und Formen. So schafften die beiden Produkte, die tief in der Kultur verwurzelt sind und gleichzeitig den Zeitgeist treffen. Ihr persönlicher Favorit: die Printed Kelim Kollektion. Sie wird in Kooperation mit der Künstlerin Stephanie Klaura in ihrer Handsiebdruckwerkstatt „FabricFabrik“ in Wien umgesetzt. Handgewobene Kelims werden dabei in klassischen Handsiebdruckverfahren mit unterschiedlichen Mustern veredelt.

Die Druckfarbe geht mit dem Kelim als Druckoberfläche eine Beziehung ein. Sorgfältig suchen die Kolahdouzians zuvor mit dem Kunden die Grundfarbe und die Printfarbe aus. Die Tatsache, dass die Teppichexperten beim Druck persönlich dabei sind, das Projekt mit Passion begleiten, macht den Printed Kelim zu einem besonderen Unikat. Ein Teppich, perfekt für den Essbereich oder im Vorraum als Läufer, aber natürlich auch in weitläufigen Wohnsalons einsetzbar.

Die Kohladouzians produzierten zuerst hauptsächlich im Iran. Die Rohstoffe, Verarbeitung, Knüpftechniken bis zu den traditionellen Färbemethoden mit natürlichen Farbstoffen wie Henna oder Walnussschalen machen den persischen Teppich so einzigartig. Herausfordernd ist jedoch der Preis und die Produktionsdauer. Rentabilität hat das Ehepaar dazu bewogen, die Produktion vom Iran hauptsächlich nach Indien zu verlegen. Kürzere Wartezeiten, lagernde Garne, attraktivere Preise und eine andere Webstuhltechnik sprechen für das indische Produkt. In Indien greift man alternativ zur Seide zu Viskose zurück, die einen Bruchteil kostet, jedoch nicht so lange haltbar ist. Nur für wirklich anspruchsvolle Kunden mit viel Geduld kann ein persischer Teppich „custom-made“ auf Wunsch gefertigt werden.

Teppiche als Wertanlage. Die Anschaffung von Teppichen ist nicht mit der Anschaffung von Gold oder Silber vergleichbar. Die teuersten Teppiche der Welt sind zwar 15, 30 oder gar 60 Mio. Euro wert, aber das sind Einzelstücke, die einst in Isfahan für einen Schah geknüpft wurden. Heutzutage setzt sich der Wert eines Teppichs aus Rohstoffen, Material, Färbung, Knüpfung, Service, Transport, Verzollung und dem entsprechenden Handling zusammen.

Teppiche sind zum Lifestyle-Objekt geworden und verleihen jedem Raum die gewisse Wohlfühlatmosphäre.

„Was Farben betrifft sind viele Kunden eindeutig zu wenig mutig“, so Amir Kolahdouzian. Intensive Farben gefallen, werden aber letztendlich oft nicht bestellt. Sieben Jahre Erfahrung haben dem Ehepaar gezeigt, dass sie längst nicht am Zenit sind. Ständig am Puls der Zeit, überlegen sie sich, wie man die einzelnen Prozesse vereinfachen kann, wie der Kunde leichter auf ein Material zurückgreifen kann, wohin die Reise für den Kunden hingehen kann. Selbstmotivation ist immer gefordert. „Wir holen uns Inspiration aus Büchern, von Reisen und deren Eindrücke, und lassen einfach die Sinne sprechen“, so Hamideh Kolahdouzian. „Das alles wird liebevoll mit eingeknüpft und somit kann Einzigartiges entstehen.“ Ökologische und faire Bedingungen für Mensch und Natur sind den beiden Unternehmern sehr wichtig. In Arbeit ist ein Projekt mit Schafswolle aus Österreich und Bayern. An einer hohen Strapazierfähigkeit sowie an der gewohnt, erstklassigen Qualität wird getüftelt. Somit können sich Kunden 2021 auf spannende, neue Produkte der Designprofis freuen.

www.nov24.at

22. Dezember 2020