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Generation Start-up: Wir wollen etwas bewegen!

In Österreich werden jedes Jahr rund 500 bis 1.000 Start-ups gegründet, 92,9% der Gründer sind männlich, 60,4% haben digitale Geschäftsmodelle. Eine neue Generation von Unternehmern will ihre Visionen und Ideen umsetzen und ist bereit, dafür Risiken und Entbehrungen in Kauf zu nehmen. OOOM lud sechs Start-up-Gründer zum Runden Tisch: Was Thomas Kozlowski, Klaudia Bachinger, Mathias Rauch, Amelie Strobl, Florin Czauczer und Tara Naomi Erber verbindet? Eine einzigartige Idee und die Überzeugung, diese zum Erfolg führen zu können.

Tanja Rauch5. Dezember 2018 No Comments
StartUps im gespraech ooom

Als Start-up-Gründer braucht man eine Vielzahl von Eigenschaften, um sich im harten Konkurrenzkampf einer boomenden Branche durchsetzen zu können: gute Ideen, klare Ziele, ein funktionierendes Geschäftsmodell, Beharrlichkeit und eine gesunde Portion Selbstvertrauen. 500 bis 1.000 Gründer wagen laut Wirtschaftskammer Österreich jedes Jahr diesen Schritt (das sind zwischen 1,5 und drei % aller Unternehmensneugründungen).

Viele Gründer sind davon überzeugt, mit dem Business Model, das sie planen, eine Lösung für ein bestehendes Problem gefunden zu haben. Sie wollen etwas verändern, sie haben eine Mission. Bei manchen führt diese zum Erfolg, andere scheitern.

Was bedeutet es, sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten als Start-up-Gründer selbstständig zu machen? OOOM bat sechs Gründer zum Round Table über Ideen, Visionen, Neugründungen und den steinigen Weg, den man gehen muss, wenn man Erfolg haben will. Die Teilnehmer:

  •  Thomas Kozlowski ist 26 Jahre alt und seit neun Jahren selbstständig. Als CEO des ganzheitlichen Organisationsentwicklungs-Unternehmens changemy.company berät er moderne und ältere Firmen, Visionen zu entwickeln und sich in einer digitalen Welt neu auszurichten. Thomas agiert auch als Betreuer von Investments verschiedener Business-Angels und hilft diese mitaufzubauen. Er hat einen Mops.
  •  Amelie Strobl ist eine äußerst talentierte 14-jährige Fotografin und Schülerin mit fast 6.000 Instagram-Followern. Die Leidenschaft für Porträtfotografie hat sich bei ihr mit elf Jahren entwickelt, professionell shootet sie mit Models, seit sie 13 ist. Sie plant sich selbstständig zu machen und Unternehmen zu helfen, mehr Follower in sozialen Netzwerken zu generieren.
  • Klaudia Bachinger ist mit ihren 32 Jahren die Älteste in der Runde und Gründerin von WisR (sprich: weiser). Die Vision ihres Start-ups ist Pensionisten mit Erfahrung im Berufsleben jungen Firmen als Berater zu vermitteln: „Wir sind eine Recruiting-Plattform für Erfahrung. Alter spielt bei uns keine Rolle.“ Aus dieser Marktlücke erschuf sie WisR, um Rentner und Unternehmen, die jahrzehntelanges Know-how und Expertise suchen, zusammenzubringen.
  •  Tara Naomi Erber hat mit ihren 16 Jahren schon eine äußerst präzise Vision, wohin es in der Zukunft gehen soll. Die Politikinteressierte will in den nächsten Monaten eine Plattform aufziehen, die Interaktion zwischen Influencern und Fans anbieten soll. Um gleichzeitig noch etwas Gutes zu tun, können Influencer Produkte versteigern und der Erlös geht an ein von Influencern ausgewähltes Projekt. Eine Kickstarter-Kampagne ist für Jänner geplant.
  •  Florin Czauczer, 25, hat vor gut einem Jahr sein Unternehmen Vino Friuli, das mit speziellen Weinen aus der Region Friaul in Italien handelt, gegründet. Er sucht derzeit noch weitere Partner, von denen er Wein beziehen kann, und will in Zukunft eigenen Wein vertreiben.
  •  Mathias Rauch und sein Partner Maximilian Leodolter (beide 19) haben schon in der Schule ihr erstes Start-up geplant und SpaceOn gegründet, bei dem sie Website-Erstellung, Social Media Management und Website-Optimierung anbieten.

Ihr seid alle noch sehr jung. Warum wollt oder habt ihr bereits eigene Unternehmen gegründet und euch selbstständig gemacht?

Amelie Strobl: Fotografie hat mich immer fasziniert. Bei mir gab es mehrere Foto-Accounts, die mich inspiriert haben. Mit der Zeit wollte ich selbst hinter die Kamera und habe Freundinnen gefragt, ob sie Lust haben, mit mir Fotos zu produzieren. Das Feedback war erstaunlich gut, deshalb habe ich angefangen verschiedene Leute anzuschreiben. Das Problem daran war, dass mein damaliger Account voll mit persönlichen Bildern war, es war kein Konzept zu erkennen.

Thomas Kozlowski: Du bist aufgrund der Hashtags gewachsen, das war das Grundkonzept, oder? Ich habe ja gesehen, dass du schon über 5.000 Follower hast und ich finde das echt cool!

Klaudia Bachinger: Wen fotografierst du da vor allem?

Amelie Strobl: Kommt darauf an, meistens Hobby-Models aus Wien oder auch welche, die das nicht beruflich machen. Einfach Menschen, die gerne vor der Kamera stehen.

Klaudia Bachinger: Fotografierst du im Studio oder eher Outdoor? Und wie genau kommt so ein Foto zustande?

Amelie Strobl: Bis jetzt waren es immer Outdoor-
Locations, wie zum Beispiel Schloss Schönbrunn. Meistens schreibe ich das Model an, viele antworten, viele auch nicht. Das Schwierige ist dann einen Termin auszumachen, wo beide Zeit haben. Wenn das erledigt ist und wir am Treffpunkt sind, gebe ich Anweisungen, welche Posen gut aussehen würden. Danach kommt für mich der eigentliche Teil, auf den ich mich am meisten freue: das Nachbearbeiten. Viele Fotografen mögen das nicht, ich kann mich aber so dafür begeistern, aus dem Bild noch mehr zu machen, als es davor war.

Thomas Kozlowski: Gibt es einen Grund, warum du Porträtfotografie machst? Warum das Gesicht?

Amelie Strobl: Das ist schwer zu erklären, aber ich finde zum Unterschied zur Landschaftsfotografie ist es schön mit Menschen zu interagieren. Man kann so viel machen mit einem Model, man kann sie in verschiedene Outfits stecken, Posen ausprobieren.

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Was war für dich ausschlaggebend, eine Recruiting-Plattform für Pensionisten zu gründen?

Klaudia Bachinger: Bei mir war es eine Art Berufung, mich haben viele Wege in diese Richtung geführt. Ich komme ursprünglich aus der Filmbranche, daher waren es Dokumentationen, wo es beispielsweise darum ging, wie wir arbeiten oder wo der Mensch noch wichtig sein wird. Das waren Recherche-Themen, die ich damals für mehrere journalistische Tätigkeiten verwendet habe. Das Thema Silver Society war schließlich für mich ein Eye-Opener. Mir wurde die Frage bewusst, was mit der jüngeren Generation passiert, wenn die ganzen Menschen in Pension gehen und eigentlich nichts mehr zu tun haben. Beim Film ist es vollkommen unwichtig, wie alt du bist. Es gibt Kameramänner, die sind 68 Jahre alt und arbeiten mit 20-jährigen Schauspielern und 40-jährigen Regisseuren. Das ist vollkommen irrelevant, weil alle dieselbe Vision haben und in sechs Wochen ein Filmprojekt auf die Beine stellen müssen.

Du hast also mit verschiedenen Generationen gearbeitet?

Ja, und ich habe auch viele Mentoren gehabt, die ich auch jetzt noch habe. Ich könnte es mir nicht vorstellen, keinen Kontakt zu Menschen zu haben, die über so viel Weisheit verfügen. Es gibt ganz viele junge Leute, die das überhaupt nicht haben, weil sie in einem Umfeld leben, wo es nicht möglich ist oder weil sie schlicht nicht in einem Generationenhaushalt aufgewachsen sind. Nach dieser Erkenntnis habe ich meinen Job gekündigt und bin vier Wochen zu Fuß nach Rom und Norditalien gepilgert. Das waren 750 Kilometer. Wen habe ich auf diesem Weg getroffen? Natürlich sehr viele ältere Menschen. Viele haben mir erzählt, dass sie nichts zu tun haben, aber noch so fit sind. Irgendwann habe ich mich gefragt, warum es eigentlich keine digitale Plattform gibt, wo sich ältere Menschen präsentieren und bewerben können, um auch in der Pension noch Teilzeit oder Projektjobs machen zu können. So entstand WisR.

Mathias Rauch: Tun sich ältere Menschen nicht schwer mit Technologie? Wenn ich an meine Oma denke …

Klaudia Bachinger: Zum einen verwenden sie Technologie natürlich ganz anders als wir. Zum anderen war mir klar: Wenn es 70-Jährige schaffen, sich bei einer Dating-App anzumelden, dann schaffen sie es auch, auf WisR zu kommen. Und wenn sie fünf Mal anrufen oder E-Mails schreiben, sie schaffen es. Ich glaube immer, wenn man etwas will, dann schafft man es auch. Auch das Interesse ist vorhanden, vor allem auf YouTube. YouTube ist eine Plattform, die extrem Silver wird. Ich glaube, die stärkste wachsende Gruppe auf YouTube ist über 60, weil diese Menschen es gewohnt sind, fernzusehen. YouTube hat auch einen Vorteil für die sehr speziellen Interessen der Silver Society. Das kann eine Oper sein, das kann Rockmusik sein, das kann spezieller Content sein. Aber sie verwenden es natürlich anders, das ist das Spannende daran.

Tara Naomi Erber: Inwiefern verwenden sie es anders?

Klaudia Bachinger: Wir haben beispielsweise YouTube-Ads geschalten und das ist eine Zielgruppe, die überspringt diese Ads nicht, sondern schaut sie sich vom Anfang bis zum Ende an, und das zu 100 %. Weil sie einfach zum Teil nicht wissen, dass man sie überspringen kann. Oder beispielsweise unsere Facebook-Ads, da sind sie total engagiert, sharen und liken sie, obwohl es eigentlich Werbung ist. Was ich auch sagen muss: dass sie eine sehr loyale Customer-Group sind. Das heißt, wenn sie sich einmal zu einer Plattform committen, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie zu anderen Plattformen wechseln, sehr gering.

Thomas Kozlowski: Was ich noch super spannend finde, um das noch hinzuzufügen, ist, dass sie die einzige Zielgruppe ist, die wirklich arbeiten will. Aus dem Gedanken heraus finde ich das extrem spannend zu betrachten.

Wie war dein Start von SpaceOn, Mathias?

Mathias Rauch: Bei mir war der Anfang so, dass mein Partner Maximilian damals die Ursprungsidee im Kopf hatte und ich eigentlich per Zufall in das Ganze hineingestolpert bin. Er sagte, er will mit jemandem arbeiten, der genauso krank im Kopf ist (lacht) im Sinne von egal, wenn man bis um drei Uhr in der Früh sitzt und am nächsten Tag trotzdem um sechs aufstehen und in die Schule gehen muss. Im Prinzip war ich eigentlich auf Elektronik fixiert, weil mein Vater seine Firma Rauch Elektronik GmbH hat, die rein in diesem Bereich tätig ist. Dort habe ich begonnen, weil ich einen Ferialjob gebraucht habe. Wenn ich dann an einem Samstag Zeit hatte und als 15-Jähriger Geld brauchen konnte, war das natürlich ein Vorteil. Bis jetzt helfe ich dort, wo ich kann. Es ist recht schwierig, weil das Switchen zwischen Vater und Chef, das Umdenken zwischen den Beziehungen nicht immer leicht ist.