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Generation Start-up: Wir wollen etwas bewegen!

In Österreich werden jedes Jahr rund 500 bis 1.000 Start-ups gegründet, 92,9% der Gründer sind männlich, 60,4% haben digitale Geschäftsmodelle. Eine neue Generation von Unternehmern will ihre Visionen und Ideen umsetzen und ist bereit, dafür Risiken und Entbehrungen in Kauf zu nehmen. OOOM lud sechs Start-up-Gründer zum Runden Tisch: Was Thomas Kozlowski, Klaudia Bachinger, Mathias Rauch, Amelie Strobl, Florin Czauczer und Tara Naomi Erber verbindet? Eine einzigartige Idee und die Überzeugung, diese zum Erfolg führen zu können.

Tanja Rauch5. Dezember 2018 No Comments
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Tara, du hast gesagt, dass du politisch sehr engagiert bist. Wie hat sich die Idee für dein Start-up entwickelt?

Tara Naomi Erber: Ich habe schon in der Unterstufe mit Freunden Pläne entwickelt oder Logos für Firmen entworfen. Dann hatten wir immer bessere Ideen und irgendwann kam der Einfall, in Richtung Influencer bzw. Social Media zu gehen, weil ich das sehr spannend finde. In dem Bereich wird sich in den nächsten Jahren noch sehr viel verändern. Ich plane derzeit eine Plattform und will mit meinen Mentoren eine Kickstarter-Kampagne starten, um den Prototypen zu finanzieren und Influencer mit Fans zusammenzubringen.

Florin, braucht man eine Ausbildung für deine Unternehmensidee?

Florin Czauczer: Man sollte sich dafür interessieren, was man tut, und mit dem Thema befassen. Im Endeffekt habe ich schon ein paar kleinere Ausbildungen gemacht, also Weinseminare und solche Sachen. Natürlich möchte ich mich weiterbilden, um mit der Zeit besser zu erkennen, wie verschiedene Weine schmecken oder wie sie hergestellt werden. Da möchte ich mich noch tiefer in die Materie einarbeiten.

Thomas Kozlowski: Trinkst du gerne Wein und hast deshalb dein Unternehmen darauf spezialisiert?

Florin Czauczer: Nein, das hat eigentlich einen anderen Hintergrund: Früher wollte ich immer ein Café besitzen. Und da das relativ hohe Investitionskosten mit sich bringt und ich die nun mal nicht zur Verfügung hatte, dachte ich mir, ich mache es einfacher und beschäftige mich mit Wein. Der Grund, warum ich mich dann für Wein entschieden habe, ist, weil meine Schwester nach Italien gezogen ist und dort einen Mann kennengelernt hat, der zufälligerweise ein Weingut besitzt. Von ihm importiere ich die Weine und somit hat sich das relativ schnell entwickelt.

Thomas Kozlowski: Ich muss auch noch kurz meine Berührungsgeschichte erzählen. Als ich 14 oder 15 Jahre alt war, ging ich in die HAK in Mödling. Ich war und bin noch immer der schlechteste Schüler dieser Welt. Das Schulsystem hat mich nicht gepackt, ich wollte immer anders denken, querdenken, aber es hat nicht in das Raster gepasst. Meine Eltern waren beide angestellt. Teilweise sind sie sehr mitgenommen von der Arbeit nach Hause gekommen. In diesen Momenten habe ich mich gefragt, ob das ein Glaubenssatz ist, den ich von meinen Eltern übernehmen möchte, oder ob ich das ändern will in der Welt, weil es mich so berührt. Ich bin aufgewacht und habe mir gedacht: Thomas, heute ist der Tag, an dem du dich entscheidest, ein Opfer dieser Glaubenssätze zu sein und den gleichen Weg wie deine Eltern zu gehen, oder du arbeitest darauf hin, dieses Thema zu ändern. Ab dem Zeitpunkt bin ich gesessen und habe mir TedX angesehen, habe bis zum Umfallen mit Leuten und Führungskräften gesprochen, mich in die ganzen neuen Methoden der Organisation eingelesen und sonst echt alles vernachlässigt. Mit 18, 19 während dem Zivildienst habe ich mir gedacht, dass ich jetzt ein Unternehmen gründen will, dass ich das ausprobieren muss. Wenn du tief in etwas hineinfällst, wenn dich etwas berührt, dann brauchst du keine Uni. Du brauchst ein Umfeld, wie beispielsweise Mentoren, die dich auf ein nächstes Level schießen.

Wie wichtig sind Mentoren?

Thomas Kozlowski: Je mehr man sich mit Menschen umgibt, die auf derselben Gedankenwelle sind, desto ähnlicher ist man ihnen. Das hat so viel mit dem Kopf und Reflexion zu tun. Angestellt sein impliziert ein bisschen, dass man was nach außen tut, doch für mich ist immer die Zentrierung nach innen wichtig. Irgendwann gab es die Puls-4-Shows „Querdenker“ und „2 Minuten 2 Millionen“. Bei Querdenker habe ich gewonnen und war Querdenker Österreichs. Damals war KTM-Chef Stefan Pierer mein Mentor, der meinte, dass ich ihn an sich selbst vor 35 Jahren erinnere. Er war der erste richtige Mentor, den ich bis heute mitgenommen habe.

Spielt die Start-up-Szene für Gründer eine wichtige Rolle?

Thomas Kozlowski: Sie  fängt einen unfassbar auf. Man ist in dieser Community, spricht mit vielen Leuten, da gibt es fünf bis zehn Player, mit denen man sich immer austauscht und wenn man in dieser Szene drinnen ist, kommt man sehr leicht zu solchen Menschen. Man muss einfach wirklich frech sein. Zum Thema Organisationsentwicklung gibt es einen ganz speziellen Typen namens Hermann Arnold. Er hat ein Buch geschrieben: „Wir sind Chef“. Ich habe das Buch damals gelesen, ihn angeschrieben und gesagt, dass ich ihn gerne als meinen Mentor hätte. Als er nicht geantwortet hat, habe ich ihm noch einmal geschrieben. Nach dem siebten Mal hat er dann geantwortet, dass er sich mit mir in Wien trifft. Er hat damals einen Vortrag gehalten und musste dafür eineinhalb Stunden mit dem Auto fahren. Da er kein Auto hatte, habe ich ihm angeboten ihn zu fahren. Deshalb hatten wir drei Stunden, in denen ich mit ihm reden konnte. Seit diesem Tag kann ich ihn voller Freude zu einem meiner Mentoren zählen.

Klaudia Bachinger: Das kann ich nur bestätigen. Wenn man etwas hat, was einen tief bewegt, und man fühlt, es tun zu müssen, so wie es jetzt bei mir der Fall ist, gibt das enorme Kraft. Ich habe es bei meiner Oma mitbekommen, wie das ist, wenn man in Pension geht, wie die Leute schnell abbauen und vereinsamen. Wenn das Gefühl so stark ist, dann muss man das machen, man kann gar nicht anders. Das Erste, was ich gemacht habe, war, mir „How to start a Start-up“ anzuschauen. Da habe mir zwei Tage lang alle Sessions angesehen und danach wusste ich: das Wichtigste ist ein Team. Dann bin ich rausgegangen und habe überlegt, wie ich jetzt an ein Team komme. Ich bin nicht die begabteste Networkerin, die überall Leute anquatscht, das bin einfach nicht ich. Aber man muss sich trotzdem mit Leuten umgeben. Ich habe mich dann beispielsweise bei Impact Hub angemeldet und viele Workshops besucht. Da kommt man irgendwie automatisch mit Leuten in Berührung, die einem weiterhelfen können und auch wollen. Irgendwann findet man dann auch das eigene Team. Das ist einer meiner Tipps. Man braucht ein großartiges Team, wenn man ein Start-up aufbauen will. Weitere Tipps sind alles aufzusaugen wie ein Schwamm, was das Thema betrifft, das mache ich auch nach wie vor: einfach viele Leute fragen und zuhören. Meine Interpretation vom Sinn des Lebens ist, dass die Leute dann Sinn haben, wenn sie helfen können. Ich merke es auch bei mir, wenn mir jemand eine E-Mail schreibt, wo ich wirklich merke, dass der oder die etwas will und ich kann helfen, dann mache ich das auch.

Thomas Kozlowski: Was ich so stark in der heutigen Gesellschaft beobachte ist, dass wir so zielgetrieben sind. Ziele sind aber das Schlechteste was man eigentlich haben kann. Das, worüber wir sprechen sollten, ist eine Vision. Der Unterschied ist: Wenn man etwas hat, das einen so berührt, dann muss man da hin, da gibt es nichts anderes. Ganz egal ob man Angst hat vor dem Präsentieren: man präsentiert trotzdem. Bei Zielen ist es so, dass wir uns ganz kleine Ziele setzen und wenn wir sie erreichen, dann befriedigt uns das. Meine Ansicht ist eher, dass wir uns auf Sachen konzentrieren sollten wie ein Bild zu malen, wie die Welt in Zukunft aussehen soll und dies dann auf kleine Ziele hinunterbrechen. Wir sollten aber nicht getrieben sein von Zielen. Das ist eine ganz große Sache, die ich erst lernen musste. Die Vision, die muss für einen selbst greifbar sein, da gibt es keine Ausreden und dann arbeitet man, obwohl es ja keine Arbeit, sondern eher eine Berufung ist.

Klaudia Bachinger: Ich finde auch immer das Interdisziplinäre wichtig. Dass man sich auch mit anderen Themen auseinandersetzt als dem, was man eigentlich in der Schule lernt. Das ist genau das, was ich aus dem Film mitnehmen kann in mein eigenes Unternehmen. Beim Film hat man sechs Wochen, alle haben eine Vision, alle kennen die Geschichte des Films, die erzählt werden soll, und es erledigt jeder seine dafür vorgesehene Rolle.

Wie ist das mit eurem Umfeld? Was sagen eure Eltern oder Freunde dazu, dass ihr Start-ups gegründet habt oder es tun wollt?

Amelie Strobl: In der Schule ist es schon teilweise schwer. In den meisten Schulen sind die Berufswünsche beispielsweise Arzt oder Anwalt. Ich kenne kaum jemanden, der etwas Kreatives machen möchte. Meine Eltern unterstützen mich wirklich sehr. Die Familie väterlicherseits sind alle kreativ, vom Maler bis zum Fotografen ist alles dabei. Die sind alle so, dass sie das machen, was die anderen nicht tun. Sie schwimmen dem Fischstrom entgegen. Sie gehen einfach in die andere Richtung. Da passe ich total rein: kreativ sein, etwas anderes machen, querdenken.

Tara Naomi Erber: Meine Freunde unterstützen mich alle sehr. Ich habe mir Leute gesucht, mit denen ich mich beispielsweise über Politik unterhalten kann, die das auch interessiert. Mein Vater steht eher neutral dazu, er ist auch selbstständig und arbeitet beim Fernsehen, meine Tante unterstützt mich sehr.

Spürt ihr bei dem, was ihr tut, auch einen Druck?

Tara Naomi Erber: Ich denke schon, dass Druck da ist, aber irgendwie blendet man ihn aus, weil es das ist, was man machen will.

Mathias Rauch: Das kann ich nur unterstreichen. Die Professoren trimmen einen auf das hin, was sie als richtig empfinden. Das ist das alte System. Da ist nur leider kein Lehrer dabei, der dem entgegenwirkt und das, was die letzten 15 Jahre gemacht wurde, in Frage stellt oder Neues fördert. Es heißt immer, dass wir in die eine oder andere bekannte Firma kommen werden. Aber keiner gibt den Denkanstoß, dass man vielleicht auch sein eigenes Ding machen und die eigenen Ideen umsetzen kann. Da habe ich letztes Jahr mit einem Professor ein sehr, sehr langes Gespräch geführt, weil ich auch eher so bin, dass ich meine Meinung habe und mir kein Blatt vor den Mund nehme. Natürlich weiß ich, wie ich mich zu verhalten habe, aber wenn ich der Meinung bin, dass eine bestimmte Sache anders besser wäre, dann vertrete ich diese Meinung auch. Erstaunlicherweise bemüht sich dieser Lehrer seitdem wirklich sehr, das so zu machen, wie ich es ihm damals vorgeschlagen habe. Viele Leute wollen dieses Risiko einfach nicht eingehen, dass es nicht funktionieren könnte, viele Leute haben Angst davor. Sie stellen sich die Frage: Wieso etwas Eigenes aufziehen, wenn sie woanders einen fixen Arbeitsplatz mit fixem Gehalt haben.

Wie hat dein Freundeskreis reagiert?

Die haben anfangs gemeint, dass wir gestört sind. Nicht dass es nicht funktioniert, aber einfach, dass es wahnsinnig aufwendig ist und warum wir uns das antun. Jetzt sehen sie, dass es funktioniert. Die meisten interessiert eher, ob es sich rentiert, aber auf das gebe ich meistens keine Antwort. Das Schlimme ist, dass sie, wenn sie sehen, dass es gerade gut läuft, mitmachen wollen. Wir geben natürlich jedem die Chance, sagen, wir setzen uns am nächsten Tag zusammen und dann schauen wir, aber am nächsten Tag ruft dann meistens keiner mehr an.

Thema Scheitern: Du hattest mit einer Firma weniger Erfolg, Florin.

Florin Czauczer: Ich habe mit dem Start-up nicht den finanziellen Ansporn. Ich betreibe es schon intensiver als ein Hobby und sitze auch am Wochenende an der Arbeit. Aber ich habe nicht den finanziellen Druck, dass es funktionieren muss. Das Schlimmste, was mir passieren kann, ist, dass ich einen Keller voll Wein habe, den keiner kaufen will. So habe ich wenigstens mein Leben lang etwas zu trinken. Natürlich würde ich gerne aus dem Unternehmen so viel generieren, dass es mir gut geht.

Wie ist das bei dir, Thomas?

Thomas Kozlowski: Ich war früher Hobbymusiker und habe mir gedacht wie cool es wäre, mit Leuten zu jammen. Dann haben wir eine Plattform geschaffen, die wie Skype und Facebook war, wo sich Leute zum Spielen verabreden konnten. Ich habe sie während des Zivildiensts gegründet und ein Investment von 50.000 Euro bekommen. Damals war das für mich richtig, richtig viel Geld. Ich habe gemerkt, dass es nicht funktioniert, als ich ungefähr 19 oder 20 war und war komplett überfordert. Dann musste ich die Firma schließen und dem Investor sagen, dass das Geld weg ist. Der wiederum meinte, dass ich es natürlich zurückzahlen muss. Somit hatte ich 30.000 Euro Schulden mit 20 und war total am Ende. Der Druck von allen Seiten, hauptsächlich von meinen Eltern, war nicht gerade toll. Nach dieser Aktion hat keiner mehr so wirklich an mich und meine Selbstständigkeit geglaubt. Da wusste ich: „Jetzt erst recht.“ Einen Tag lang habe ich den Kopf in den Sand gesteckt und am nächsten Tag Timelack gegründet. Das war eine Vermittlung von persönlichen Online-Assistenten, wo man als Selbstständiger Freelancer buchen konnte, die beispielsweise Excel-Arbeiten erledigt haben. Obwohl es damals noch nicht so populär war, hat es gut funktioniert. Unser Vorteil war, dass wir auf die Regionalität der Menschen geachtet haben, sodass man nicht mit irgendwelchen Menschen in Indien telefonieren musste.

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Du kennst also auch den Misserfolg?

Mich nervt das Wort Scheitern schon etwas, aber ja: Grundsätzlich muss man hinfallen, man kann eigentlich nicht nicht hinfallen. Ich würde so schnell wie möglich Fehler machen, alles ausprobieren, komplett egal, Fehler machen, ausprobieren, Fehler machen und immer wieder aufstehen. Irgendwann kommt man drauf, dass es funktioniert. Dann probiert man weiter aus, macht wieder Fehler, und dann erst kann man seine Vision groß aufbauen. Ohne Fehler geht es nicht, es gibt keine andere Möglichkeit.

Gab es ein Erlebnis wo du gesagt hast: bis hierhin und nicht weiter?

Thomas Kozlowski: Wenn man viel ausprobiert, was man zwangsläufig tun muss, dann fällt man immer hin. Ich denke der Unterschied ist, dass unsere Schwelle einfach schon so groß ist, dass uns das irgendwann nicht mehr auffällt oder egal wird.

Klaudia Bachinger: Fehler gibt es ganz oft. Man muss immer wieder von null anfangen. Das ärgert einen am Anfang wahnsinnig. Man wird dadurch zum Stehaufmännchen. Es hilft auch, wenn man Kinder beobachtet. Ich bin mittlerweile schon viermal Tante, und die Kids machen das einfach, es ist völlig normal. Sie laufen überall dagegen, hauen sich ständig an, fallen die ganze Zeit, aber du merkst, sie rennen immer noch weiter und stehen immer wieder auf. Das muss man hin und wieder einfach mal machen: sich Kinder zum Vorbild nehmen.

Thomas Kozloswksi: Eigentlich sollte man sich immer vor Augen halten, dass die Leute etwas von uns Jungen lernen. Weil sie dieses Kindliche, das jugendliche Spielen, das Ausprobieren sonst verlernen. Das ist unser großer USP.

Wie sieht es mit der Work-Life-Balance aus? Was ist der Ausgleich zum stressigen Alltag?

Klaudia Bachinger: Mein Freund ist auch in der Start-up-Szene und hat ein Unternehmen. Das ist einerseits total cool, weil wir uns voll austauschen können. Er ist auch gleichzeitig mein Mentor und ich seine Mentorin in vielen Bereichen, weil wir komplett unterschiedliche Zugänge haben und unterschiedliche Denkweisen. Aber es ist auch gefährlich, dass wir am Abend oder in der Früh die ganze Zeit nur über irgendwelche Strategien reden. Das ist die Gefahr, dass man nur noch darüber spricht und dass wir ganz vergessen, dass es auch Klaudia und Jakob gibt. Daran muss man arbeiten und deswegen zwingen wir uns auch gegenseitig, dass wir am Abend einfach nach Hause kommen und nicht bis um Mitternacht arbeiten. Weil, was ich schon sehr oft gesehen habe, gerade bei Social Entrepreneurs und gerade, wenn es dann auch noch etwas Emotionaleres ist als eine App, ist es oft so, dass die Leute vergessen, dass es mich als Person und meine Unternehmen als zwei verschiedene Teile gibt. Man muss da echt lernen loszulassen. Einer meiner Mentoren, er war aus San Francisco, hat mir eine gute Weisheit mitgegeben: „You have to fucking detouch from the boat. So you build the boat, you colour the boat, you put the boat to the water and now you have to detouch.“ Dass du dein Baby quasi baust, aber dich trotzdem selbst nicht darin verlierst.

Thomas Kozlowski: Ich habe gelernt zu atmen, das ist nicht zu unterschätzen. Viele Leute können das nicht mehr. Atmung bedeutet Ankommen. Ich bin ein Waldmensch und habe mir schnell ein Haus in den Bergen gekauft. Wenn ich jetzt abschalten möchte, bin ich mit meinem Hund immer irgendwo im Wald weit weg unterwegs. Dieses Thema Work-Life-Balance ist immer etwas komisch für mich. Für mich ist das, was ich tue, Leben. Für mich gibt es einen großen Unterschied zwischen selbstständig sein und Unternehmer sein. Ich war am Anfang selbstständig, in den letzten ein, zwei Jahren bin ich Unternehmer. Ich bin gewählter CEO, das heißt die Firma läuft auch ohne mich. Der Gedanke, dass man als Gründer immer überall dabei sein muss, ist Schwachsinn. Man kann ruhig auch einmal entspannen. Die Welt ist so voll.

Klaudia Bachinger: Es ist auch für die Firma nicht gut, wenn man immer nur diese eine Sache macht. Ich sehe das immer wieder. Man sammelt immer und überall Ideen, die man dann vielleicht auch in das Unternehmen oder das Produkt miteinfließen lassen kann. Man muss seine Augen immer offenlassen.