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Stimme von Links: Cynthia Nixon als Politikerin

Cynthia Nixon, als Miranda in der Kultserie „Sex and the City“ zu Weltruhm gelangt, kandidiert um das Amt der Gouverneurin von New York. Gewinnt sie die Vorwahlen der Demokraten im September, hätte sie gute Chancen, das politische Kommando über 19,8 Millionen Amerikaner und die Weltmetropole New York zu übernehmen. OOOM begleitete die Neo-Politikerin im Wahlkampf – und erlebte eine unkonventionelle, überzeugende, eloquente und inspirierende Kandidatin.

Georg Kindel & Christina Zappella-Kindel12. Juni 2018 No Comments

Polit-Unterstützung. Eines wird bei dem Auftritt klar: Cuomo und das politische Establishment New Yorks dürften einen schweren Fehler begehen, sollten sie die Promi-Kandidatur weiterhin als Scherz abtun. Nixon wirkt entschlossen, sie eines Bessern zu belehren. Und nichts ist bekanntlich unmöglich in Amerika. Denn die Kampagne der Polit-Quereinsteigerin kommt rascher in Fahrt, als viele Kritiker und Zweifler für möglich gehalten haben. Als erster gewählter Volksvertreter stellte sich Carlos Menchaca, ein Abgeordneter des New Yorker Stadtrates, hinter die Ex-Aktrice: „Ich bin stolz darauf, dass Cynthia Nixon unsere nächste Gouverneurin von New York sein wird. Cynthia steht für Einwanderer, Farbige und die Arbeiterklasse quer durch unseren Bundesstaat und wird für uns alle um Respekt und Würde kämpfen”, sagte der in Mexiko geborene Politiker.

Nixon verstärkte auch ihr Wahlkampfteam: Mit L. Joy Williams holte sie sich eine Veteranin des knallharten Polit-Geschäfts, die als Konsulentin mehr als zehn Jahre lang Erfahrung gesammelt hatte. Sie wird fortan alle Fäden ziehen beim Wahlkampf, wo es vor allem um Taktik, Medienarbeit und Wählermobilisierung geht.

28 % wollen sie wählen. Eine jüngste Umfrage zeigt, dass die Liberale große Fortschritte macht – aber auch noch viel aufzuholen hat. Laut der Erhebung der „Quinnipiac University” liegt Gouverneur Cuomo mit 50 zu 28 Prozent – und demnach mit 22 Prozent Vorsprung – im Rennen für die Demokraten-Primaries nach wie vor solide in Führung. Trotzdem: In ersten Polls gleich nach der Ankündigung ihrer Kandidatur lag Nixon noch mehr als 40 Prozentpunkte hinten. Die neuesten Daten zeigen auch: Urgestein Cuomo führt derzeit noch bei jeder Einzelgruppe nach Alter und Demografie. Am höchsten liegen Nixons Werte bei jungen, urbanen Wählern. Sie will daher jede freie Minute bei der erhofften Aufholjagd nutzen. Und sie hält den Druck auf Cuomo aufrecht: Zuletzt hatte sie den Gouverneur zu einem TV-Duell herausgefordert, das in den Vorwahlen eigentlich nicht vorgesehen ist. Der erfahrene Politiker, der mit solchen Debatten eigentlich keine Probleme haben sollte, hatte solche Fernsehdiskussionen früher stets abgelehnt. Nixon verfolgte ihn prompt auf Twitter. „Ich finde, dass es die Wähler verdienen, eine ehrliche und aufrichtige Debatte über ihre wichtigsten Anliegen zu hören”, sagte sie in einem Video.

Es schien zu wirken: Der Gouverneur würde über die Herausforderung noch entscheiden, spielt seine Sprecherin auf Zeit. Nachdem dem „Sex and the City”-Star vom Kontrahenten Cuomo vor allem Unerfahrenheit im komplexen Polit-Geschäft vorgeworfen wird, konterte sie zuletzt damit, dass sie als Regisseurin jene Managementqualitäten erlangt hätte, die sie als künftige Chefin des New Yorker Regierungsapparates mit 130.000 Beamten und Mitarbeitern qualifizieren.

Schon gewonnen. Insgesamt gibt es jedenfalls viel Bewunderung für ihren Einsatz. „Eigentlich hat sie schon gewonnen”, urteilt das New York Magazine. Die Autoren argumentieren, dass Nixon durch ihre Kandidatur den amtierenden Gouverneur Cuomo nach links und zu einer deutlich progressiveren Politik gedrängt hätte.

Das Lob schmeichelt ihr sicher. Aber Nixon will natürlich viel mehr: nämlich gewinnen.

12. Juni 2018