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Die Wurzeln des Yogas

Yoga liegt absolut im Trend: Immer mehr Menschen entdecken die Praktik für sich und die Studios schießen wie Pilze aus den Böden der Großstädte. Man kann definitiv sagen: Die indische Lehre ist mitten in der westlichen Welt angekommen. Obwohl es in Österreich bereits etwa 250.000 Yogis und Yoginis gibt, scheinen sich nur wenige mit der Geschichte dieser Jahrtausende alten Praktik zu beschäftigen. Doch um die Yoga-Lehre und die derzeitige Faszination besser verstehen zu können, ist es besonders interessant, einen Blick auf deren Ursprung zu werfen.

Teresa Lackner23. Mai 2018 No Comments
„Yoga ist das Zur-Ruhe-Kommen der Gedanken im Geiste“ – Patanjali   

Die Bezeichnung „Yoga“ kommt aus dem Sanskrit, einer alt-indischen Sprache, und bedeutet so viel wie anjochen, anspannen oder zusammenbinden. Dies bezieht sich aber nicht nur auf das körperliche Training, sondern wird auch im metaphorischen Sinn für die geistigen Übungen verwendet. Der Körper wird sozusagen an den Geist „angespannt“, um sich konzentriert in seiner Mitte sammeln zu können. Es geht um die Vereinigung von Körper, Seele und Geist.

Die Religion des Buddhismus und die Yoga-Lehre haben sich aus denselben Wurzeln entwickelt. Der Ursprung ist der Weg der Verinnerlichung, der in einer Reihe philosophischer Schriften des Hinduismus aufgezeigt wird. Diese sogenannten Upanishaden sind circa zwischen 1000 und 500 vor Christus entstanden und wurden von verschiedenen Gelehrten unterschiedlich weiterentwickelt. Die Interpretationen des Siddhartha Gautama, des späteren Buddhas, bilden die Grundlagen für die Religion des Buddhismus.

Der „Vater des Yogas“  

Wer der wirkliche Begründer des Yogas war, ist bis heute umstritten. Dennoch wird der indische Gelehrte Patanjali oft in diesem Zusammenhang genannt. Der „Vater des Yogas“, wie er auch oft bezeichnet wird, hat die Ideen der Upanishaden geordnet und sie bestimmten Prinzipien untergeordnet. Manche Wissenschaftler sind der Meinung, dass Patanjali die bereits existierenden Yoga-Formen lediglich zu einem Kanon zusammengefasst hat und daraus seinen Yoga-Weg entwickelte. Der indische Gelehrte ist der Autor des Yogasutras – ein in vier Kapitel unterteilter Text, der als Leitfaden der Lehre gilt. In seinem Werk werden zum Beispiel Pranayama (die Kontrolle des Atems) und Asana (die körperliche Disziplin) genannt, die zentrale Punkte des achtgliedrigen Yogapfades darstellen.

Yoga im Zeitenumbruch

Viele Arten des Yogas werden bis heute unverändert praktiziert, obwohl sie bereits vor Jahrhunderten gelehrt und theoretisch begründet wurden. Dennoch haben sich im Laufe der Zeit, besonders in den letzten 100 Jahren, in der westlichen Welt viele neue Stile entwickelt. Manche davon erinnern nur noch mäßig an die ursprünglichen Prinzipien des Yogas, die  Selbstverwirklichung als höchstes Ziel ansehen.

In den 1930er Jahren kam das Hatha-Yoga in Europa auf, dessen Anfänge bis ins sechste Jahrhundert nach Christus zurückreichen. Es wird als Überbegriff für körperbetonte Yogapraktiken verwendet und bestimmte Körperhaltungen sowie besondere Atemtechniken stehen im Vordergrund.
Am Anfang des Hatha-Yoga-Booms in Europa verfolgten die Yogis und Yoginis lediglich das Ziel, ihren Körper schlank und fit zu halten. Erst in den 1960ern rückte die Meditation und Selbstfindung wieder mehr in den Vordergrund – oftmals wird von der „Rückkehr zum Körper“ gesprochen. Zu dieser Zeit erlebte die östliche Spiritualität eine Blütezeit in Europa und Amerika – besonders junge Menschen fanden im Hatha-Yoga eine Möglichkeit, sich von gesellschaftlichen Zwängen und Dynamiken zu lösen.

Der richtige Augenblick für Yoga ist jetzt.    

Yoga übt nun seit rund 50 Jahren eine gewisse Faszination auf uns aus, die, wie es scheint, in naher Zukunft nicht verblassen wird. Der Alltag wird immer stressiger und Yoga kann dabei helfen, einen ruhigen Kopf zu bewahren und Verspannungen vorzubeugen. Selbst wenn man Yoga nicht intensiv praktiziert oder Meditation ab und zu lieber gegen einen After-Work-Drink tauscht, ist die Yoga-Praktik immer wieder eine tolle Möglichkeit, tief durchzuatmen und neue Energie zu tanken.

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