Arts & Design

Dieter Bornemann: „a piece of reality“

Das Pissoir in doppelter Größe wie ein übliches ist eine Hommage an Marcel Duchamp: „Fountain II“.

Georg Kindel17. Mai 2017 No Comments

Das Bild erinnert unweigerlich an Marcel Duchamp, dessen Objekt aus dem Sanitärgeschäft vor exakt hundert Jahren noch für Entrüstung bei seiner zahlungskräftigen Klientel sorgte. Doch überragt Dieter Bornemanns Hommage mit fast zwei Meter Größe den „Fountain“ – ein helles Urinal – des französisch-amerikanischen Konzeptkünstlers deutlich. Ein weißes Pissoir auf tiefblau gekacheltem Untergrund, „Fountain II“ genannt, dreidimensional und in doppelter Größe des Originals zeigt, dass hier ein Fotokünstler am Werk ist, der seinen Stil gefunden hat. Bornemanns Werk kostet in doppelter Größe des Originals EUR 4.000, in Originalgröße (90 x 135 cm) EUR 2.000. Moderate Preise für Fotoskulpturen, die es so noch nicht gegeben hat.

Fotoskulpturen. „a piece of reality“ nennt Bornemann seine Serie aus Alltagsgegenständen der 1970er- und 1980er-Jahre, vom Allibert-Badezimmerschrank bis zum Kaugummiautomaten. Gekonnt spielt er mit Proportionen und Perspektiven und bringt die Bilder in die Dreidimensionalität: „Ich fotografiere jedes Objekt von allen Seiten, baue die Images im Photoshop zusammen und lasse sie auf Forex-Hartschaum drucken.“ So entstehen einzigartige Fotoskulpturen, die er stets in drei Versionen herstellt: exakt in der Originalgröße, in der halben und in der doppelten Größe. Einzige Voraussetzung: Die Objekte müssen kantig sein.

Porträtskulpturen.

Mit der nächsten Serie, an der er bereits arbeitet, will er das Konzept der Fotoskulpturen noch weiterentwickeln: „Ich mache jetzt dreidimensionale Porträts, wo die Köpfe in Quaderform gezeigt werden. Ich möchte dafür Persönlichkeiten aus der Kunstszene fotografieren. Der Kopf wird dabei von vorne wie ein Porträt aussehen und von der Seite, als würde man ein Profilfoto gemacht haben. Natürlich sieht man den Kopf auch noch von hinten, oben und unten.“

Bornemanns fotografisches Werk ist vielfältig. Ein mehrwöchiger Aufenthalt in New York 2011, wo er einen Kurs an der New York Film Academy machte, führte ihn zur digitalen Fotografie. Seine erste Ausstellung „New York Moments“ machte er in der Edition Photo in Wien, wo gleich bei der Vernissage für die ORF-Aktion „Licht ins Dunkel“ Bilder um insgesamt EUR 30.000 versteigert wurden.

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