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Doris Delmas: Wie wir wohnen

DIE WOHNTRENDS 2022: Große Nachfrage nach Outdoor-Wohnlandschaften * Runde Betten * Weiche Stoffe in Naturtönen statt Leder * Vegane und modulare Sofas * Sandstein statt Marmor * Ein Revival der 1970er-Jahre. Roche Bobois Österreich-Geschäftsführerin Doris Delmas über den Trend, seit der Pandemie stark ins eigene Zuhause zu investieren.

OOOM Trend-Redaktion1. März 2022 No Comments

Warum haben in den letzten beiden Jahren immer mehr Menschen ihr Zuhause verändert?
Weil sie es mit neuen Augen gesehen haben. Es fand ein Umdenken statt, nicht nur durch das Homeoffice. Auch das Schlafzimmer rückte in den Mittelpunkt der Wohnung, gemütliche Ecken sind entstanden. Kleinere Schreibtische für daheim sind extrem gefragt, ebenso Esstische mit Stühlen und raumteilende Elemente wie freistehende Regale und Paravents.

Die Interieur-Branche erlebt also einen Boom?
Der erste Lockdown und das erste halbe Jahr danach waren hart. Aber seit einigen Monaten erleben wir ein deutliches Umsatzwachstum. Die Leute nehmen sich Zeit, ihre Wohnung umzugestalten. Die Quadratmeterzahl wurde ja nicht größer, also haben wir geholfen, kreative
Lösungen zu finden, um sich zuhause wohl zu fühlen und effizient arbeiten zu können.

Was hat einen größeren Stellenwert bekommen?
Der Outdoor-Bereich. BeiRoche Bobois hatten wir vor zwei Jahren eigentlich kein Outdoor, jetzt haben wir zahlreiche Produkte. Die Menschen investieren heute gerne in ihre Terrassen, in Sofas und Sitzmöbel für draußen.

Statt der klassischen Teakholz- Möbel boomen Outdoor-Wohnlandschaften?
Genau. Es entstehen ganze Wohnlandschaften im Freien mit Stoffen, die dafür geeignet und abwaschbar sind.

Was sind Indoor-Trends 2022?
Sitzmöbel wie Sofas, die in der Sitztiefe verstellbar sind und die man flexibel verändern kann. Die Leute gehen immer mehr weg vom Leder, weiche, organische oder samtige Stoffe in Naturtönen sind gefragter denn je, zum Beispiel Terrakotta mit Grau kombiniert. Es wird auch mehr hinterfragt, was drin ist. Federn sind beliebt, außer jemand will es vegan. Wir verkaufen auch vegane Sofas, die eigens angefertigt
werden. Nachhaltigkeit ist bei der Einrichtung ein wichtiges Thema geworden. Bei Tischen, Stühlen und Kastenmöbeln ist es den Kunden wichtig, dass der Anteil an Massivholz sehr hoch ist. Armlehnsessel kommen in allen Varianten, Stilrichtungen und Ausstattungen, die Leute mögen Fauteuils. Und bei Sofas geht der Trend zu modularen und flexiblen Gruppen, nicht zu standardisierten Zweier- oder Dreiersofas. Außerdem kommen die 1970er-Jahre zurück.

Roche Bobois arbeitet mit Designern wie Jean Paul Gaultier zusammen, auch mit dem erst verstorbenen Kenzō Takada haben Sie Designs entwickelt.
Wir sind seit 60 Jahren ein Traditionsunternehmen, Nicolas Roche hat ein enormes Verständnis von Design. Wir haben zwei neue Kollektionen pro Jahr, alles wird in Europa produziert.

Roche Bobois ist ein französisches Unternehmen. Wie unterscheidet sich der französische vom österreichischen Kunden?
Unsere Kunden haben oft einen moderneren Geschmack, sie sind einfach mutiger als in Frankreich. Was wir in Wien irrsinnig gut verkaufen, funktioniert in Frankreich gar nicht, die sind einfach konservativer. Was Roche Bobois kann, das können sehr wenige. Wir haben nicht nur Standardgrößen, wir können bei vielen Kollektionen die Möbel individualisieren und jedes Maß bestellen – es wird dadurch nicht erheblich teurer. Wir übernehmen für unsere Kunden auch gerne die Arbeit eines Innenarchitekten.

Welche Trends erwarten uns bei Roche Bobois 2022?
Viele runde Formen, organische Formen, natürliche Materialien. Marmor – Carrara- Marmor und Marquina- Marmor – lag bisher sehr im Trend. Jetzt geht es mehr Richtung Travertin, poröser Kalkstein, Sandstein und natürliche Steine, das wird ganz stark. Bei Betten wird es flauschig und rund, runde Betten sind der Trend. Rund werden auch Accessoires und Rückenlehnen. Die Tische werden oval, Kanten verschwinden, der Unterbau wird massiv.

www.roche-bobois.com/de-AT/showrooms/vienne

1. März 2022