Top Stories

Drew Dudley: Der smarte Lollipop-Gigant

Er ist einer der erfolgreichsten Leadership-Coaches der Welt, der aussieht wie ein italienischer Restaurantbesitzer aus Little Italy. Sein TED-Talk „Everyday Leadership“ wurde unter die „15 most inspirational TED talks of all time“ gewählt. Wenn Drew Dudley eine Bühne betritt, überlegt man trotzdem kurz: Ist er nicht doch vielleicht ein Comedian oder ein Jazzmusiker, der seine Posaune daheim vergessen hat? Bis er zu sprechen beginnt. Über 250.000 Menschen auf fünf Kontinenten haben Dudley bisher live erlebt. Der Wall-Street-Journal-Bestsellerautor spricht im OOOM-Interview über die Bedeutung der Lollipop-Momente im Leben, über Kompromisse, richtige Führung, den lügenden US-Präsidenten, Steve Jobs – und warum man auch die kleinen Dinge im Leben zelebrieren sollte.

Tanja Rauch8. Oktober 2019 No Comments
drew dudley speaker

drew dudley speaker

Sie haben das Leben von Menschen verändert.

Ich bin mal mit einer Frau ausgegangen, die mir etwas zeigen wollte. Sie holte ihr steinaltes Notizbuch hervor, in dem viele Notizen waren, die mir bekannt vorkamen. Es waren Aufzeichnungen von einer Rede, die ich zehn Jahre zuvor gehalten hatte, als sie eine Studentin war. Dass meine Rede der Grund war, warum sie meine Twitter-Posts retweeted hat und wir so in Kontakt kamen, wusste ich damals natürlich nicht. Die Tatsache, dass Leute auf mich zukommen, mir sagen, dass sie die Aufzeichnungen meiner Rede aufgehoben haben, diese täglich verwendet werden, und mich fragen, ob ich sie unterschreiben könnte – das sind wirklich ganz besondere Momente für mich.

Wie kann man Führungskräfte ermutigen, ihr Handeln zu verändern?

Mein Spruch ist immer: Leadership recognized is leadership created. Zuerst sollte man Führung auch als solche anerkennen. Wenn etwas uns gut fühlen lässt, dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass wir es auch wiederholen. Das Problem ist, dass die meisten Momente voller Mitgefühl, Empathie, Freundlichkeit und Ermächtigung nicht als solche anerkannt und als „kleine Dinge“ abgetan werden, die wir uns selbst nicht zu zelebrieren erlauben. Deshalb ist es umso wichtiger, genau diese Momente, die wir überall wahrnehmen können – sei es von Busfahrern, Studenten, CEOs, Freunden oder Geschwistern –, „Leadership“ zu nennen, denn nur dann werden sie auch als solche erkannt. Wir müssen den Ball damit ins Rollen bringen. Die Menschen sollen achtsamer bei den Dingen sein, die sie bereits tun.

Das Problem ist, dass die meisten Momente voller Mitgefühl, Empathie, Freundlichkeit und Ermächtigung als „kleine Dinge“ abgetan werden. Deshalb ist es umso wichtiger, genau diese Momente „Leadership“ zu nennen, denn nur dann werden sie auch als solche erkannt.

Was inspiriert Sie?

Jemand fragte mich, was Erfolg für mich ist, und ich denke: wenn man völlig glücklich ist mit dem, was man hat. Auch wenn man versucht, jeden Tag etwas besser als am Tag davor zu sein, wenn man glücklich ist mit dem, was man hat – das ist Erfolg. Bei Menschen, die man wirklich persönlich kennt, kann man die Schritte bis zu einer Entscheidung nachverfolgen, das ist viel wert. Bei berühmten Persönlichkeiten sieht man nur das Endergebnis und nicht den Weg dorthin.

Was wollen Sie anderen hinterlassen?

Ich möchte in Erinnerung bleiben und nicht erinnert werden. Darüber hinaus habe ich keine wirklichen Ideen. Ich hoffe, ich hinterlasse diese Welt mit allen Arten von Momenten, die es verdienen, in Erinnerung zu bleiben. Es liegt nicht wirklich an mir zu entscheiden, welche Erinnerungen das sind, denn ich vermute, dass sie für jeden Menschen, mit dem ich gesprochen habe, etwas anderes sein werden.

Welche Frage hätten wir Ihnen stellen sollen?

Die derzeitige politische Lage der Welt, wenn es um Leadership geht. Ich spreche über wertbasierte Führung und Entscheidungen, die positive Auswirkungen auf die Gesellschaft haben. Man kann aber nicht leugnen, dass es eine Vielzahl an einflussreichen Personen gibt, die sich auf die Angst der Menschheit stützen und deren Position auf der Marginalisierung anderer Menschen beruht.

Und Menschen in Führungspositionen, die schamlos lügen.

Wir können nicht bestreiten, dass beispielsweise der Präsident der USA Lügen verbreitet. Es steht außer Frage, dass Steve Jobs die Welt fundamental verändert, seine Mitarbeiter aber wie Tiere behandelt hat, ohne jeglichen Respekt. Aufgrund dessen werde ich oft gefragt, wie es sein kann, dass es auch diesen Weg gibt, an Ruhm, Einfluss und Macht zu gewinnen. Meine Antwort darauf ist, dass wir aufhören müssen, solche Menschen als „Leader“ zu bezeichnen, nur weil sie Macht und Einfluss haben. Wenn wir das tun, zeigen wir die Möglichkeit auf, dass es verschiedene Wege gibt, ein Führer zu werden. Es muss also zwischen zwei unterschiedlichen Typen unterschieden werden. Dafür benutze ich gerne das Wort „Catalyst“. Ein Catalyst ist jemand, der Potenzial und Power in anderen freisetzt, obwohl er selbst nicht zwingend Kraft besitzen muss. Wenn er also in Interaktion mit einer anderen Sache tritt, arbeiten diese zusammen und setzen Energie frei.

Wir können nicht bestreiten, dass der Präsident der USA Lügen verbreitet. Es steht außer Frage, dass Steve Jobs die Welt fundamental verändert, seine Mitarbeiter aber wie Tiere behandelt hat, ohne jeglichen Respekt.

Macht das nicht jeder Leader?

Jeder Leader setzt in verschiedenen Situationen eine davor noch nie dagewesene Kraft frei, also lässt sich sagen, dass jeder Leader ein Catalyst ist. Allerdings ist nicht jeder Catalyst ein Leader, auch genannt „Catalysts for harm“ (Anm.: Katalysator für Schaden). Der Unterschied, der schon in jungen Jahren gelehrt werden sollte, ist der, dass gute Führungspersönlichkeiten vieles erweitern, Möglichkeiten und Respekt beispielsweise. Die Kehrseite sind Leader, die versuchen, Zugang zu Information oder Möglichkeiten zu limitieren. Am besten lässt sich der Unterschied erkennen, wenn man beobachtet, wie Angst eingesetzt wird.

Angst wird von Führungspersönlichkeiten und Leadern immer wieder bewusst instrumentalisiert.

Wenn versucht wird, Angst zu beseitigen, sodass sich die Gesellschaft sicher und besser verstanden fühlt, bedarf es eines guten Führers. Angst kann allerdings auch dafür benutzt werden, um zu spalten, zu manipulieren und den größten Gewinn für sich selbst zu erzielen. Das ist unter anderem der grundlegende Unterschied zwischen Leadership und der Politik. Oft verwenden Politiker Angst, um zu gewinnen, während Leader versuchen, Angst zu eliminieren, um erfolgreich zu sein, und nicht, um zu gewinnen. Es ist bedauerlich, dass es an einem bestimmten Punkt heutzutage fast unmöglich ist, ein Leader zu sein, ohne das Spiel der Politik zu spielen.

Was wollen Sie unseren OOOM-Lesern mitgeben?

Nicht jeder kann oder soll CEO sein, nicht jeder kann oder soll sein eigenes Unternehmen führen oder in der Geschäftsleitung tätig sein. Aber es gibt eine Führung, die jeder anstreben kann und die dadurch definiert wird, dass wir erkennen, dass es eine Kluft zwischen der Person, die wir sein wollen, und dem Verhalten gibt, das wir an den Tag legen. Leadership kommt vom Erkennen der Lücke und der damit einhergehenden Verantwortung, jeden Tag etwas zu tun, um sie ein wenig zu schließen.

drew dudley speaker

8. Oktober 2019