Inspiration

Drogenschmuggler der Reichen und Schönen. Was soll ich bereuen?

Er raubte sechs Banken und drei Supermärkte aus. Bereut hat er dabei nichts. Außer den Umstand, nicht clever genug gewesen zu sein, sich nicht erwischen zu lassen. Mit OOOM spricht Christian Kögl über sein Leben als Bankräuber, seine Erfahrungen im Gefängnis und den womöglich bestbezahlten Job der Welt: Drogenschmuggler der Reichen und Schönen.

Jessica Schreckenfuchs, Christina Zappella-Kindel22. März 2017 No Comments

Er wirkt wie ein sanftmütiges, ausgeglichenes Wesen. Fast wie von einer anderen Welt, mit seinen zehn Zentimeter hohen Keilabsatz-Sandalen und dem türkisfarbenen Nagellack auf den großen, männlichen Arbeiterhänden. Es ist kaum vorstellbar, aber neun Überfälle hat er in seinem Leben bereits verübt. Den ersten mit gerade einmal 18 Jahren. Er habe während seiner Überfälle nie jemandem physisches Leid zugefügt. Das beteuert er. Gewalt und Macht „waren nie das Ziel“. Der Kick und das Tilgen seiner Schulden waren es, die Christian Kögl, 54, dazu motivierten, sechs Banken und drei Supermärkte in Österreich auszurauben.

Christian Kögl hatte keine leichte Kindheit. Im Kindesalter wurde er von seinen Eltern geschlagen und „oft nicht verstanden“. Er begann sehr früh ein selbstbestimmtes Leben zu führen, ohne seine Eltern miteinzubeziehen. Er stellte sie vor vollendete Tatsachen: „Ich habe sehr zeitig begonnen, Menschen zu beobachten und Dinge rasch zu durchschauen. Ich handelte eigen­initiativ, weil ich sowieso davon ausging, dass mich die Gesellschaft, so wie ich bin, ablehnt.“

Es gibt die Guten und die Bösen. Doch was treibt einen Menschen dazu, dieses Leben zu wählen? Sind es wirklich die Erfahrungen aus der Kindheit und der gesellschaftliche Umgang? Oder schlummert in jedem von uns eine „Veranlagung zum Bösen“? In Christian Kögls Fall war es das Tilgen der Schulden seines Bruders. Die finanzielle Situation schien aussichtslos. Die Idee eines Bankraubs war geboren. „Nach dem vierten Überfall war für mich die Sache beendet. Die Schulden waren beglichen. Dann kam mein Bruder, dessen Arbeitskollege ebenfalls Geldschulden hatte. Meinem Bruder hat es nach einer Zeit einfach nur mehr Spaß gemacht“, erinnert sich der Bankräuber a. D. zurück.

Coverstar. Drei Tage nach seinem 18. Geburtstag verübte Christian Kögl mit seinem Bruder die erste Straftat, auf die er sich im Vorfeld einige Zeit vorbereitet hatte. Die Autos mussten ja auch gestohlen werden, wie Kögl schildert. Danach war der erste Überfall. Bei all den Überfällen hat bei ihm „der Verstand ausgesetzt“. Man denke nicht mehr in der Sekunde, sondern gebe sich diesen automatisierten logischen Abläufen hin, erinnert sich Kögl. Die Handlung passiert zweckorientiert. Das Unterbewusstsein funktioniert schneller und erkennt Notwendigkeiten. Es erkennt das konkrete Ziel. Dass er mit seinen Überfällen die Titel­blätter sämtlicher Tageszeitungen gefüllt hat, war ihm erst bewusst, als er schon lange im Gefängnis saß. Besonders spannend fand er das allerdings nicht. Die Zeitung habe ihn zu „etwas Großem“ gemacht. Jemand, der er nie sein wollte. Sie machten aus dem jungen Automechaniker etwas Gefährliches. Denn ein Junge, der so etwas macht, kann nur gefährlich sein. Reine Einbildung der Leute, wie Kögl heute meint.

An diesen ersten Moment, an diesen Kick, als der erste Überfall passierte, daran erinnert sich Christian Kögl noch sehr genau: „Es war 1980, und ich war gerade frische 18 Jahre alt. Wir waren zu dritt, mein Bruder, ein Kumpel und ich, und hatten furchtbare Angst. Bevor wir die Tat verübten, sind wir dreimal zum Tatort gefahren, und dann kam irgendwann der Augenblick, wo wir sagten: Wir machen uns selber lächerlich. Entweder blasen wir es ab, oder wir geben uns den Ruck und ziehen das durch. Das war dann wirklich ein winziger Augenblick, wo ich die Tür geöffnet habe. Und plötzlich fiel ein Schalter, von dem ich nicht einmal wusste, dass er da ist, und ich war eine andere Person.“

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