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EcoHimal: Abseits der teuren Abenteuersuche am Mount Everest herrschen Hunger und Armut

Kurt Luger, Professor für Transkulturelle Kommunikation an der Universität Salzburg, versucht mit seinem Entwicklungsprojekt EcoHimal den Menschen in Nepal zu helfen.

Georg Kindel17. Mai 2017 No Comments

Auch wenn der Anblick der majestätischen Achttausender nach wie vor atemberaubend ist, so täuscht diese scheinbare Idylle nicht über eine Tatsache hinweg: Das Ökosystem Himalaya ist gefährdet und mit ihm die Menschen. Und nicht nur durch den Klimawandel. Die Lebensbedingungen der Menschen in Nepal haben sich in den letzten beiden Jahrzehnten nicht verbessert, im Gegenteil. Es ist ein ständiger Kampf gegen Armut und Hunger, den das Volk führen muss.

Das war Kurt Luger schon 1995 bewusst, als der smarte Professor für Transkulturelle Kommunikation an der Universität Salzburg und Inhaber des UNESCO-Lehrstuhls für „Kulturelles Erbe und Tourismus“ den Vorsitz der Hilfsorganisation EcoHimal übernahm. Acht Jahre zuvor bereiste er erstmals das Land, und war nicht nur vom gewaltigen Bergmassiv, sondern auch von der intellektuellen Szene Nepals angetan. Auf 4.000 Metern Seehöhe wurde damals von der Tiroler TIWAG ein Kraftwerk errichtet, ein Geschenk der österreichischen Regierung an die nepalesische. Das nationale Stromnetz sollte sukzessive ausgebaut werden.

Hartes Leben.

EcoHimal, eine NGO mit Sitz in Salzburg und Kathmandu, setzte sich schon damals zum Ziel, gemeinsam mit Dorfgemeinschaften und Initiativen vor Ort die Lebensbedingungen der Menschen im Himalaya­massiv zu verbessern. „Das Leben der Menschen ist hart“, beschreibt Kurt Luger die Gegebenheiten im Himalaya. „Steile Hänge, ein paar Büffel, die Frau als Nahrungsversorger, Fließwasser und Toiletten gibt es nicht.“ Während Tibet seit Jahrzehnten im Brennpunkt der medialen Öffentlichkeit steht und Hilfsprojekte sich die Klinke in die Hand geben, wurde Nepal nahezu vergessen. „Der Kampf gegen Armut und der Schutz der Artenvielfalt, um damit das langfristig vernünftige Miteinander von Mensch und Natur zu garantieren – das sind unsere wichtigstem Aufgaben“, schildert Luger die Herausforderungen in Nepal. „Wir sind mit 18 Mitarbeitern vor Ort, aber auch das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.“

In vier großen Bereichen will Luger mit seinem Team das Leben der Menschen positiv verändern:

  • Armutsbekämpfung und Bildungsarbeit
  • Gesundheitsvorsorge und Regionalentwicklung
  • Nachhaltiger Tourismus und Schutz der Biodiversität
  • Kulturelle Zusammenarbeit und Erhaltung des kulturellen Erbes

Nur Nahrung für 6 Monate.

Das Leben im Himalaya ist karg. 80 Prozent der nepalesischen Bevölkerung lebt auf dem Land. Die Felderträge bilden ihre Lebensgrundlage, doch die Böden geben zu wenig her. Oft liefern die Felder nur Nahrung für sechs, sieben Monate – dann müssen die Männer zusätzliches Geld verdienen. Sie arbeiten als Träger, verrichten schwerste Arbeiten, um ihre Familien zu ernähren, Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen oder einen Arztbesuch bezahlen zu können. „Wir versuchen“, so Luger, „die Basisversorgung zu garantieren: den Bau von Brücken und Wegen, die Errichtung von Toiletten, Trinkwassersystemen, Schulen und kleinen Gesundheitsposten, Alphabetisierungsprogramme, aber auch Erste-Hilfe-Kurse und landwirtschaftliche Ausbildung.“ Luger: „Gesundheit ist ein kostbares Gut, das sich arme Leute nicht leisten können. Oberstes Projektziel ist daher die Verbesserung der medizinischen Versorgung in den Dörfern.“

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