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Meditation, Heilung und Yoga: Eins mit sich selbst

Nach einem schweren Autounfall begann Rosa Klein ihr Leben auf Meditation, Heilung und Yoga auszurichten.

Jessica Schreckenfuchs28. August 2017 No Comments

Meditation mit ihrer Tochter Alena beim Meer an der Küste von Ibiza.

Sie hatten das Gefühl, Ihre Seele verlässt Ihren Körper?
Das war ganz lange so. Ich hatte das Gefühl, ich verliere die Kontrolle über meinen Körper. Das war mit Angst verbunden, denn ich wusste nicht, was mit mir passiert. Mir wurde dann ein argentinischer Arzt in der Paracelsus-Klinik in Mallorca empfohlen, der das auch verstand, weil meine Seele anscheinend nicht mehr in meinen Körper zurück wollte. Da gab‘s in Wien Straßen, wo ich manchmal ging, und dann bin ich so aus mir rausgegangen, da fühlst du dich wie an einem Haken. Akustisch verändert sich auch viel, und du siehst die Dinge ganz anders, so von oben nach unten. Es ist unangenehm, du bekommst Angst, weil du dich nicht mehr unter Kontrolle hast. Ich habe dann mit dem Arzt lange gearbeitet, der das sehr gut verstanden hat, da er auch andere Patienten hatte, die eine ähnliche Erfahrung gemacht hatten. Ich dachte mir: „Wir Menschen machen uns viel zu viel Stress.“

Glauben Sie, dass unser Leben vorherbestimmt ist?
Ja, ich glaube, dass jeder Mensch seinen Lebensplan hat. Aber dass er natürlich durch den freien Willen, den er auch mitbekommt, selbst bestimmen kann, wie viele Umwege er macht bis zu seinem Ziel, an dem er ankommen soll. Ich stell mir das dann so vor wie in einem Schulsystem, dass es Schulklassen gibt, die du schaffen musst. Wenn du diese mit den Lebensenergien – das sind Frequenzen – in diesem Leben nicht schaffst, wirst du wiedergeboren in ein Leben, wo du dich mit dem wieder auseinandersetzen musst.

Sie glauben also an Reinkarnation?
Ja.

Immer schon oder erst nach dieser Erfahrung?
Das habe ich immer schon gespürt. Ich weiß es aber erst ganz sicher für mich seit meinem Nahtoderlebnis.

Auf einem mehrere tausend Quadratmeter großen Grundstück, völlig abgeschieden vom Lärm der Partyinsel, liegen die Yogarosa Retreats.

Waren Sie vorher schon ein gläubiger Mensch?
Ja, ich habe immer schon geglaubt, dass es etwas Höheres gibt, in welcher Form auch immer. Ich sehe ja Gott als eine Energieform. Gott ist eben so für mich diese All-Energie, All-Kraft und und All-Liebe. Wir bestehen ja aus Frequenzen – alles ist letztendlich nur Energie. Wir Menschen sind eine feinere Energie wie ein Stein oder eine Pflanze, und wir können durch Frequenzen wachsen. Je mehr wir uns in der Mitte bewegen oder uns durch Meditation versuchen zur Mitte hinzuführen, umso besser wird dann unsere Frequenz ausgeglichen, stabilisiert. Je stärker sie stabilisiert ist, umso höher können wir gehen und wachsen. Und du wirst immer sensibler, du wirst feinfühliger, du siehst die Dinge anders. Ich schaue mir heute Menschen im Moment an und erkenne sie, was sie sind, wo sie sind, wo sie stehen, wohin sie gehen.

Ist das eine Fähigkeit, die erst nach Ihrem Unfall gekommen ist?
Ja, aber diese Fähigkeit hat ja jeder, wirklich jeder. Die kann man schulen.

Wie schult man Intuition?
Durch Meditation und durch Yoga, wahrscheinlich auch durch Qigong, Tai-Chi. Alles, was dich in die Mitte führt, in deine innere Balance, hilft dir ,das zu lernen, zu sehen, zu spüren, zu fühlen.

Der Visionär Bernd Kolb sagt: „The everything is in the nothing.“ Das Ziel der Meditation ist eigentlich das Nichts.
Ich tue mir da ein wenig schwer. Wenn du wirklich so fortgeschritten bist – und das, finde ich, erreichen nicht viele Menschen –, dann gehst du zum Licht. Der wahre Fortschritt in der Meditation ist, dass du zum Licht geführt wirst. Ich glaube, dass es nach innen genauso eine Reise gibt wie nach außen, dass es ein eigenes Universum im Inneren gibt, das es zu erforschen gilt, und das ist unendlich. Das ist für mich keine Leere. Das ist eine Erfüllung und ein reines Glücksgefühl.

Licht ist gleich Glück?
Licht ist gleich Liebe. Glück ist ja auch eine Emotion. In der Meditation ist Ziel, dass du emotionsfrei wirst, dass du deine Emotionen lernst zu kontrollieren. Weil wenn du in jeder Lebenslage gleich gelassen bleibst, dann bist du wirklich weise. Und dann bist du natürlich immer klar im Kopf, dann hast du nicht diese aufstrebenden Emotionen oder diese drückenden Emotionen, die dich dann irgendwie nicht mehr klar denken lassen.

Welcher Mensch waren Sie vor Ihrem Unfall?
Ich habe viel an der Oberfläche gelebt. Ich habe früher die äußere Welt erforscht, jetzt, mit 52 Jahren, erforsche ich die innere. Nach meinem Unfall lag ich ein paar Wochen im Spital und dann fast ein Jahr lang im Bett zu Hause, weil ich ja nicht wirklich gehen konnte und ganz viele Narben hatte. Ich hatte fast alle Rippen gebrochen, das rechte Bein war extrem verkürzt, das konnte ich gar nicht durchstrecken. Und dann hatte ich auch sehr lange eine Doppelsichtigkeit, weil der Sehnerv und das Sprachzentrum gequetscht waren. Es war ein langer Prozess, bis das dann wieder alles halbwegs in Ordnung war. Ich bekam ganz viele Medikamente verschrieben – auch für meinen Kopf – und habe dann irgendwann beschlossen, das alles nicht mehr zu nehmen. Ich habe versucht zu meditieren und langsam meine Muskulatur wieder aufzubauen. Da das Auto frontal in meinen Brustkorb prallte, ist mein Oberkörper heute noch ganz schief, das heißt, links und rechts sind schwer aus der Balance. Das ging dann auch ganz gut, aber die Schmerzen waren immer da.

Da habe ich dann mit Yoga begonnen. Das war so eine Neuerscheinung in Europa. Und später hat meine Tochter vorgeschlagen, wir fahren einmal in ein Yoga-Retreat nach Indien. Wir sind nach Indien, nach Goa, gefahren, waren in einem Yoga-Retreat, und ich war ganz begeistert. Das war 2011. Ich bin dann zurück nach Europa, aber gleich danach wieder nach Indien und bin gleich drei Monate dort geblieben, wo ich diesen Pardeshi gefunden habe – meinen Yoga-Lehrer, der mich eine spezielle Yoga-Therapie gelehrt hat. Seitdem habe ich keine Rückenschmerzen mehr. Ich musste jeden Tag wirklich diszipliniert und konzentriert üben.

Fiel Ihnen das schwer?
Nein, weil ich keine Schmerzen mehr hatte durch diese Yoga-Therapie. Fast ein Jahrzehnt lang hatte ich totale Rückenschmerzen gehabt, ich wusste gar nicht mehr, wie es ist, ohne Schmerz zu leben.

Hätten Sie zehn Sekunden später die Straße betreten, wäre es womöglich nie zu diesem folgenschweren Unfall gekommen. Haben Sie sich oft die Frage gestellt: Warum?
Ja, aber ich habe zuvor meinen Lebensweg nicht so wirklich erkannt. Ich habe das gebraucht, und im Nachhinein bin ich über diese Erfahrung eigentlich recht dankbar. Das hört sich jetzt sehr absurd an, nicht? Aber es hat mich dahin gebracht, wo ich jetzt bin. Ich glaube schon, dass es diese Schicksalsschläge im Leben braucht, um in die richtige Richtung zu gehen, wenn du es nicht anders erkennst.

Ihr Leben hat sich durch Yoga verändert?
Ja, sofort. Ich habe mir gedacht, wenn mir das hilft, dann kann es ganz vielen Menschen auch guttun. Deshalb habe ich die Ausbildung gemacht. Zuerst war meine Idee, nur das Retreat zu gründen und Yoga-Lehrer zu buchen, aber ich dachte mir, ich muss es auch selbst lernen, um es zu verstehen.
Ich bin drei Jahre lang zwischen Europa und Indien hin und her gependelt.

28. August 2017