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Meditation, Heilung und Yoga: Eins mit sich selbst

Nach einem schweren Autounfall begann Rosa Klein ihr Leben auf Meditation, Heilung und Yoga auszurichten.

Jessica Schreckenfuchs28. August 2017 No Comments

Wann planten Sie Ihr Yoga-Retreat?
Relativ schnell, aber ich wusste noch überhaupt nicht, wo, wie, was. Ich dachte, es wird schon irgendwie der richtige Platz auf mich zukommen. Und erkannte, dass du selbst dich hin entwickeln musst, bevor du andere Leute hinführen kannst. Es kann kein Blinder einen Blinden führen. Du bist nicht überzeugend, wenn du es nicht selbst lebst. Aus dem Grund habe ich auch eine Yoga-Lehrer Ausbildung in Delhi gemacht. Ich lebte dafür insgesamt sicher sieben, acht Monate in Indien, ganz einfach, wie man es sich bei uns kaum vorstellen kann. Ich habe auf einer Pritsche geschlafen und mich mit meinem Handtuch zugedeckt, die Sanitär-Anlagen waren – vorsichtig ausgedrückt – mehr als dürftig. In diesem Ashram gab es zwei Flügel, der eine war für die Frauen, der andere für die Männer. Und dann war da eine Terrasse, da war es immer sehr heiß, und da mussten wir uns dann mit Lehm und Kuh-Urin gegenseitig einreiben. Das war so eine innere und äußere Reinigung. Und diese Frauen, die Inderinnen, deckten dann diese Terrassen mit Decken zu, weil ja sonst die Bäume sie nackt sehen konnten. Ich bin sehr froh, dass ich das gemacht habe. Aber es war nicht leicht – jeder, der Indien kennt, weiß, wovon ich rede.

Wie kamen Sie auf Ibiza?
Ich suchte einen Platz, der nicht zu weit weg ist von Österreich, wo ja doch meine Familie ist. Ich wollte da auch so einen Familienmittelpunkt, Lebensmittelpunkt aufbauen, wo alle immer kommen können, einen Ort, wo viel Licht ist. Ich habe dann vor etwas über eineinhalb Jahren diesen magischen Platz gefunden. Die Häuser wirkten damals relativ tot, innen waren sie nicht eingerichtet, das Küchenhaus haben wir großteils neu gemacht. Aber von der Energie her habe ich auf dem Grundstück viel gespürt. Mein damaliger Freund Klaus, der immer groß denkt, überredete mich dazu. Und heute muss ich ihm fast dankbar sein. Wir haben es übernommen und sind hierhergezogen, doch schon kurz danach haben wir uns getrennt, und dann stand ich plötzlich ganz alleine da.

Das Retreat ist sehr exklusiv. Wie viele Gäste können Sie hier unterbringen?
Neun. Es kommen auch immer wieder Tagesgäste, die unsere Meditationen und Yoga Lessons mitmachen.

Wie oft meditieren Sie?
Jeden Tag.

Was passiert bei der Meditation?
Bei der Pranayama-Meditation geht man stark in die Atmung hinein, dazwischen wieder Meditation und Atmung. Da öffnest du alle Chakren, da gehst du vom Wurzelchakra zum Crown-Chakra, Kronen-Chakra, und öffnest durch die Atmungen alle Venen deines Körpers, denn die Wirbelsäule ist die Batterie des Körpers. Deshalb sollte man ja auch immer sehr gerade sitzen, weil du alle Energiepunkte in der Wirbelsäule hast, die mit allen Körperteilen verbunden sind. Durch diese Meditationstechnik öffnest du auch die ganzen Venen. Plötzlich spüren sich Menschen wieder. Auch ich hab das damals gespürt, dass alles wieder durchblutet wird. Das geht bis in den Kopf hinauf.

Wenn jemand sich mit Yoga und Meditation beschäftigen möchte, der das eigentlich noch nie gemacht hat: Was sind die ersten Schritte?
Bergtouren gehen, Skiwandern, Reiten, die Natur – all das kann bereits eine Form der Meditation sein. Ich biete für Anfänger Atemmeditationen an, das ist ein guter erster Schritt, um seine Mitte zu finden. Ich habe mich anfangs immer ans Meer gesetzt und versucht, meine Ruhe zu finden, meine Gedanken zu beobachten. Dann bin ich sehr viel laufen gegangen. Den Lotus-Sitz zu üben ist anfangs nicht leicht, aber es ist trotz allem die beste Rückenübung, und es öffnet das Becken. Wir haben alle Emotionen im Becken, die Angst – alles sitzt im Becken. Im Lotus-Sitz öffnet sich unser Becken, und du veränderst deine Haltung. Als ich nach Indien zum Heil-Ashram kam, wo ich auf dem nackten, kalten Boden den ganzen Tag im Lotus-Sitz verbringen musste, dachte ich, ich sterbe. Aber es ist nur Übung, Übung, Übung. Du kannst jede Yoga-Übung, die noch so kompliziert in den YouTube-Videos ausschaut, wo du dir denkst: „Um Gottes willen!“, schaffen. Es ist schön zu sehen, wenn Menschen eine Woche hier sind, die anfangs mit den Fingerspitzen gerade noch über ihre Knie kommen, sich am Ende der Woche aber beugen und den Boden berühren.

Was erwartet einen alles in den Yogarosa Retreats?
Eine Umgebung, die sehr beruhigt, wo man rasch runterkommt mit seiner Energie. Bei uns taucht man in eine andere Welt ein. Das Yoga beginnt in der Früh so um 8 oder 9 Uhr. Eineinhalb Stunden, danach gibt‘s einen großen Brunch. Dann hat man Zeit für sich selbst, kann sich von sehr guten The­rapeuten massieren lassen. Bio-Resonanz kann man machen, wodurch man viele Störungen wegbekommen kann. Wir haben auch eine Sportlehrerin, die Body-Balance-Programme mit kleinen Geräten macht. Wir machen zudem Colon-Therapien, die aber natürlich gemacht werden, nur mit Salzwasser, das man trinkt, und Yoga-­Asanas. Den Nachmittag kann man individuell gestalten, lesen, an den beiden Pools liegen, in den Hängematten ausspannen oder in den nächsten Ort fahren. Und dann machen wir die Pranayama-Meditation, die rund eineinhalb Stunden dauert, danach gibt’s dann Dinner. Und wir haben auch den Silence Day, das heißt, nach dem Yoga in der Früh wird den ganzen Tag über nichts mehr gesprochen. Eine sehr interessante Erfahrung für die meisten.

Was inspiriert und motiviert Sie, Menschen Meditation und Yoga zu lehren?
Ich habe Vertrauen in das Universum. Ich mache es und denke mir: „So Gott will, soll das gut werden.“ Ich gebe jetzt mein Bestes, und wenn es werden soll, wird es werden. Reichtum sieht heute für mich nicht mehr so aus, dass ich mein Boot hier stehen habe und mir weiterhin alle Designerklamotten kaufe – obwohl ich natürlich noch immer schöne Kleider liebe. Aber ich trage sie gar nicht mehr hier.

Wenn Sie schon mit 30 die Erkenntnis von heute gehabt hätten: Hätten Sie Ihr Leben anders gelebt?
Ja, hätte ich. Ganz anders. Ich hätte wahrscheinlich eine größere innere Ruhe gehabt. Ich hätte meinen Kindern von klein auf die Möglichkeiten der Meditation vermittelt.

Was ist Glück für Sie?
Für mich ist Glück der innere Frieden. Wenn ein Tag ein guter Tag war.

28. August 2017