Inspiration

Erlöse uns von dem Bösen

Es gibt den Satan – und es gibt böse Mächte. Davon ist die katholische Kirche bis heute überzeugt. Deshalb sollen Exorzisten den Dämon aus dem Körper der Besessenen austreiben. Einer von ihnen ist Larry Hogan, Priester und Teufelsaustreiber der Erzdiözese Wien.

Jessica Jane Schreckenfuchs10. April 2017 No Comments
Er spielt das Ritual mit OOOM-Redakteurin Jessica Jane Schreckenfuchs durch. (Foto: Stephan Doleschal)

Denkstörungen, Verfolgungswahn, Halluzinationen, Stimmenwahrnehmung: Was auf den ersten Blick wie eine psychischen Erkrankung aussieht, soll auch eine böse Macht sein können. Kann der Teufel tatsächlich von einem Menschen Besitz ergreifen? OOOM begibt sich auf Spurensuche.

Es ist dunkel und merkwürdig ruhig. Der komplette Raum ist in eine unheimliche Atmosphäre gehüllt, die es einem kalt über den Rücken laufen lässt. Eine junge Frau betritt den Raum und nimmt auf einem Stuhl Platz. Sie wirkt nervös, schließt die ­Augen, während ein in Schwarz gekleideter Mann, der Priester Wojciech F. (Name geändert), sogleich mit dem ersten Ritual beginnt.

Sie schreit, sie flucht. Der Frau wird übel, ihr Gesicht verzerrt sich zur Fratze. Der Priester beginnt das zweite Ritual: Er spricht auf Latein das Exorzismusgebet. Sie schreit lauter, sie flucht, unheimliche Geräusche ertönen aus ihrem Mund, als würde eine unnatürliche Stimme aus ihr sprechen. Der Priester sagt erneut sein Gebet, unbeirrt von dem immer lauter werdenden Fluchen. Er bespritzt die Frau mit heiligem Wasser. Sie brüllt, sie spuckt ihn an, sie windet sich, bis sie schließlich ihre Kräfte verlassen und sie erschöpft auf dem Stuhl zusammensackt. Es ist ruhig. Unheimlich ruhig. Stille füllt den Raum.

Bis zum nächsten Mal. „Wir sehen uns nächste Woche wieder“, verabschiedet sich Pater Wojciech, als die junge Frau wieder erwacht, verlässt den Raum und widmet sich dem nächsten Befreiungsdienst im Zimmer nebenan. Was wie eine Szene aus einem drittklassigen Horrorfilm wirkt, ist im katholischen Polen routiniertes Wochen­endprogramm. Dort ist der Teufel präsent wie kaum anderswo in Europa. Seit einigen Jahren werden sogar Befreiungsgottesdienste in großen Massen vollzogen. Ganze Fußballstadien werden mit Besessenen und solchen, die es zu sein glauben, gefüllt. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene suchen hier um Hilfe an, wenn der Verdacht besteht, dass ihr Problem keine psychische oder körperliche Ursache hat.

In Österreich undenkbar. „Bei uns wäre so etwas völlig undenkbar“, sagt Priester Larry Hogan, und er weiß, wovon er spricht. Der smarte Amerikaner ist der Exorzist der Erzdiözese Wien. Ein höflicher, freundlicher, unscheinbarer Mann, dessen Mission es ist, den Teufel zu bekämpfen. Kardinal Schönborn hat ihn dreimal bitten müssen, das Amt zu übernehmen, weil sein Vorgänger alt und krank geworden ist: „Ich bin davon überzeugt“, sagt der Gottesmann, „dass immer mehr Menschen unter dem Einfluss von persönlichen dämonischen Kräften stehen, was allerdings nicht bedeutet, dass sie im klassischen Sinn besessen sind.“

Warum Menschen vom Teufel befallen werden, ist auch für Pater Hogan die große Frage: „Die meisten Menschen, die besessen sind, ­haben nie bewusst einen Pakt mit Satan geschlossen. Damit böse Geister Zugriff haben, muss die Person selbst eine innere Tür für sie aufmachen. Es gibt auch Menschen, die Opfer von Flüchen und Hexerei sind.“ Nachsatz: „Das schließt ­leider auch schuld­lose Kinder ein.“

Prof. Dr. Larry Hogan, Priester und von der Kirche zum Exorzisten ausgebildet, in der Deutschordenskirche in Wien. Sein Job: das Böse zu finden und zu vernichten. (Foto: Stephan Doleschal)

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