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Evi Romen: Die Magierin des Films

Evi Romen gilt als heimlicher Star der Wiener Kulturszene. Mit ihrem Debüt-Film „Hochwald“ malt die Neo-Regisseurin gekonnt das Porträt eines gebrochenen Helden und liefert damit ein beeindruckendes Regiedebüt, das mit Preisen und Lob überhäuft wird. In OOOM offenbart sie ihre Seele und spricht erstmals über ihren Weg zum Erfolg, ihre Spiritualität und ihre innere Zerrissenheit nach der ­Scheidung von Regisseur, Produzent und Drehbuchautor David Schalko („Willkommen Österreich“, „Braunschlag“, „Ich und die Anderen“).

Ela Euler-Rolle19. November 2021 No Comments

Ihr ganzheitliches Denken klingt spirituell. Sind Sie denn spirituell?
Ich bin sehr spirituell. Mag sein, dass ich die katholische Religion, in der ich glücklich aufgewachsen bin, einfach nur ausgetauscht habe gegen ein spirituelles Leben. Aber es ist mir sehr wichtig und immer ein Lebensbegleiter gewesen, mich mit dem großen Ganzen zu beschäftigen.

Ich erinnere mich an eine Szene Ihres Films, es ging um ein arabisches Gleichnis: „Die Schönheit des Herzens kommt erst ans Tageslicht, wenn es verwundet ist.“ Brauchen wir Verwundungen, damit die Schönheit der Herzen erstrahlen kann?
Jein. (lacht) Ich glaube, dass man nur Licht sehen kann, wenn man weiß, was Schatten ist und umgekehrt.

Wer nicht weiß, was es bedeutet, unglücklich zu sein, weiß auch nicht, was Glück ist, und insofern kann man eigentlich gar nicht umhin, Wunden zu sammeln und hoffentlich aus den Wunden zu lernen.

War der Film Therapie?
Therapie und Heimkehr. Versöhnung mit Südtirol auf eine gewisse Art und Weise. Ich bin ja mit 18 weggegangen und sehr selten zurückgekommen, wusste aber immer, was für eine Kraft ich aus diesem Land und dem Zufall, dorthin geboren worden zu sein, schöpfe. Aber ich habe mich eigentlich nie so erkenntlich erwiesen. Und dieser Film, auch wenn er vielleicht als Anti-Heimatfilm gilt, ist für mich ein Geschenk an diese wundersame Welt dort. Der Film endet mit Hoffnung. Er endet damit, dass man, egal was ist, immer wieder nach Hause kann.

Haben Sie Blut geleckt am Filmemachen? Bleiben Sie dabei?
Mit der Regiearbeit ist es mir erstaunlich gut gegangen. Und ich möchte weitermachen. Der lustigste Satz dazu fiel von Regisseur Wolfgang Murnberger, er hat mich angerufen und gesagt: „Du, da müssen wir uns doch fast schämen, dass wir dich so lang im Schneideraum festgehalten haben.“ Es gibt auch anderes als Missgunst.

Was sind die weiteren Projekte?
Ich schreibe gerade am nächsten Film, er heißt „Happyland“. Es geht eigentlich wieder ein bisschen um Heimat und Heimkehr. Ich möchte wieder mit diesen Fragmenten des Heimatfilms spielen, diesmal spielt der Film allerdings an der Donau. Es geht um eine Frau in meinem Alter, die aus London zurückkehrt, nach einer gescheiterten Musikerkarriere in der alternativen Pop-Szene. Sie hatte einfach kein Geld mehr und musste nach Hause. Dort trifft sie auf die Geister ihrer Jugend, auf die Local Heros von damals und unter anderem auch auf ihre Jugendliebe, mit der sie ein wehmütiges und trauriges Erlebnis verbindet.

Wie kam es zu der Idee, ist die Story autobiografisch?
Nein, ich mag einfach gescheiterte Menschen und ich beobachte gerne gescheiterte Menschen. Vielleicht weil es etwas ist, was ich mich nicht traue. Ich finde es sehr mutig, zu scheitern. Ich habe immer gerne beobachtet, wenn Leute etwas tun, das zum Scheitern verurteilt ist. Ich war nie eine von denen, die den Kopf geschüttelt haben, sondern immer eine, die mit großen Augen gestaunt hat, was für einen Mut die Leute haben, sich offenen Auges ins Scheitern zu stürzen.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Hoffentlich an einem Filmset mit meinem, sagen wir mal, wenn ich schnell bin, dritten, vierten Kino-Film.

19. November 2021