Arts & Design

Konzeptkünstler Fabio Zolly: Kunst als Sperrzone

Kunststar Erwin Wurm schwärmt von ihm: „Er sucht immer das Neue.“ Fabio Zolly begeistert die Kunstszene mit Copyright-Zeichen, X-Ray-Bildern, Frottagen abgeriebener Kanaldeckel und seiner eigenen 3D-Figur. Zum 150-Jahr-Jubiläum der Wiener Staatsoper sperrte er diese mit Bändern ab und sorgte für schockierende Reaktionen, als er verkündete, das Haus am Ring werde nun abgerissen und durch eine Mehrzweckhalle ersetzt. OOOM besuchte den Nonkonformisten in seinem Wiener Atelier.

Gerald Matt8. Mai 2019 No Comments
Fabio Zolly ooom magazine

fabio zolly ooom interview

Sie sind Konzeptkünstler?

Ja, absolut. Vorrangig ist die Idee, das Medium spielt für mich eine sekundäre Rolle: Ob Foto, Film, Zeichnung, Ton – ich hole mir aus dem Kasten quasi die passende Socke zum Anzug. Ich arbeite je nach Projekt grafisch oder mit Video, Installation, Objet trouvé, mal dokumentarisch, mal flüchtig subjektiv. Da geht es um Zustandsbilder der Welt mit meinen Frottagen, Assemblagen und Collagen.

Hat Sie je interessiert, wie die Mechanismen im Kunstbetrieb funktionieren?

Als ich jung war, ja. Heute sehe ich das mit interesselosem Wohlgefallen oder besser wohl Missfallen. Ich mache meine Kunst, und was die Kunstwelt darüber denkt, ist mir egal. Der Kunstmarkt und dessen Welt sind für mich eine Parallelgesellschaft.

Einer Ihrer besten Freunde, Erwin Wurm, gehört ihr an. Inwieweit ist er anders ?

Für unsere Freundschaft und unseren Diskurs spielt das keine Rolle. Ich schätze ihn sehr, aber mir wäre dieses Leben zu anstrengend. An seiner Stelle hätte ich mir längst ein Double gesucht.

Heute muss alles Marke, Brand sein, um am Markt zu reüssieren. Auch in der Kunst?

Das hat mich nie interessiert. Als Künstler sollte man sich ständig neu erfinden. Wiederholung mag für den Markt gut sein, nicht für die Kunst. Meine Marke ist mein Copyright-Stempel, der überall auf meinen Werken aufscheint. Das genügt.

Sie kommen aus Spittal an der Drau in Kärnten.

Mein Vater war Anwalt und meine Mutter kunstinteressiert. Sie haben meine Karriere auch gefördert. Eigentlich wollte ich Schauspieler werden. Auf der Angewandten habe ich bei Erich Wonder Bühnenbild und Filmgestaltung studiert. Ich habe später auch bei Hans Neuenfels assistiert und dort konzeptionelles Herangehen an künstlerische Aufgaben gelernt. Ich habe damals schon sehr gern gezeichnet, gemalt und in der Galerie Ariadne ausgestellt.

ZollyMatt ooom magazine

Welche Vorstellung von Kunst hatten Sie damals?

Damals glaubte ich an gesellschaftliche Relevanz von Kunst. Da war ich auch ein wenig überheblich. Heute glaube ich nicht mehr daran. Ich bin nicht desillusioniert, ich bin nur bescheidener geworden. In unseren Gesellschaften des Überflusses ist alles behütet, gefördert und auch ohne Gefahr. Auch die Kunst ist overprotected, wie geschützte Werkstätten. Um politisch wirksam zu werden, braucht es Reibung und Widerstand. Heute ist alles möglich und unverbindlich.

Bei Architekten gibt es so etwas wie eine Signaturarbeit, in der sich Ideen, Haltung und Stil verdichten. Was ist Ihre?

Mein Copyright-Stempel, den ich aus Silber und Silikon gemacht habe. Das sieht aus wie eine Heraldik, ein Wappen, und da geht es natürlich um Grundfragen der künstlerischen Identität und Haltung.

Was würden Sie sich noch als Künstler wünschen?

Eine bezaubernde Jeannie (Anm.: US-Fernsehserie in den 1970er-Jahren mit Barbara Eden als blondem Flaschengeist, der Wünsche erfüllt). Dann hätte ich ein aufgeräumtes Atelier und das Leben wäre deutlich einfacher.

Fotos: Roland Unger

8. Mai 2019