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Family Business – die Molchos

Samy Molcho war als Pantomime ein Weltstar. Als seine Frau Haya den ersten Sohn erwartete, hing er seinen Beruf an den Nagel. Seine Frau Haya schuf mit der Marke „Neni“ ein Gastronomieimperium, betreibt Restaurants von Wien, Zürich bis Berlin und beliefert Supermärkte. An ihrer Seite: ihre vier Söhne Nuriel, Elior und Ilan, nur Nadiv, der Jüngste, hält sich aus dem Geschäft heraus.

Georg Kindel26. April 2017 No Comments

Family Talk: Ilan, Samy und Elior am Naschmarkt. (Foto: Marie-Theres Madani)

 

Haben Sie geglaubt, dass Neni so eine Dimension annehmen kann, als plötzlich auch Supermärkte kamen und sagten: „Wir würden gerne eure Produkte übernehmen.“?
Nadiv: Es hat irgendwie vor sieben Jahren angefangen, wo unsere Mutter alle angerufen hat und sagte: „Ich würde unbedingt gern mal ein Restaurant aufsperren.“ Nuriel und ich waren gerade mit unserem Studium fertig, ich in Deutschland, Nuriel in England. Wir wollten sie ein Jahr mit ihrem Restaurant am Naschmarkt unterstützen. Ein Einkäufer von Spar war dann bei uns Mittagessen und hat uns angesprochen, ob sich Hummus auch am österreichischen Markt verkaufen würde. Wir waren davon überzeugt und begannen in kleinen Mengen Hummus zu produzieren. Es hat sich super verkauft, und dann kamen wir von einer Filiale auf vier und von vier auf vierhundert in einem Jahr. Das hat sich alles sehr natürlich entwickelt.

Geht es nicht immer darum, glücklich zu sein und seinen Traum zu leben?
Samy Molcho: Ich finde, wenn man plant, blockiert man. Vielleicht ist das wichtig, dass man plant. Man braucht auch einen gewissen Plan, aber wenn man von Anfang an plant, blockiert man andere Möglichkeiten. Bei Neni ist alles natürlich gewachsen. Ein Baum bekam  mehrere Äste.
Nuriel: Wir hatten ja vom Geschäft keine Ahnung. Wir haben nicht Betriebswirtschaft studiert, wir kommen auch nicht aus einer Gastronomiefamilie. Vater Künstler, Mutter leidenschaftliche Mutter. Das brachte diese Learning-by-Doing-Struktur. Und das machen wir noch immer so. Wir lassen die Flexibilität und Spontaneität noch immer so sein, wie sie ist. Wir nennen es sympathisches Chaos.

Ihr seid altersmäßig jeweils zwei Jahre auseinander. Gab es da nie einen Konkurrenzkampf?
Nuriel: Was uns sehr geprägt hat in jungen Jahren war, dass die Eltern uns ein gemeinsames Zimmer gegeben haben. Wir haben ein großes Haus gehabt, wo jeder leicht sein eigenes Zimmer hätte haben können, aber sie haben bewusst gesagt, ihr sollt alle vier gemeinsam in einem Zimmer schlafen. Und ich glaube das war so, bis ich 14, 15 Jahre alt war.
Elior: Bis heute … (lacht)
Nuriel: Bis in die Pubertät. Wir sahen uns nie als Konkurrenten, das war auch damals sehr ungewohnt für meine Freunde, dass ich auch die Freunde meiner Brüder kenne und sie gerne treffe. Sobald die nach Hause kamen, waren wir ein Team, und das haben wir auch nach außen so gelebt. Natürlich wohnen wir alle heute separat, aber wenn wir Freizeit haben, verbringen wir unsere Freizeit oft gemeinsam. Wir waren jetzt gerade alle in Kuba. Darum war da immer dieses Band zwischen uns sehr stark.
Nadiv: Wir wollen das auch, das ist nicht gezwungen. Nuriel hat als Ältester die meisten Sachen als Erster ausprobiert, zum Beispiel ausgehen, Party machen oder Sex. Sie hätten mir das Gefühl geben können, dass ich nicht dazugehöre, weil ich zu klein bin. Aber sie waren immer offen und haben mich zu allen Geburtstagspartys eingeladen, obwohl ich der Jüngste war. Die Tür war immer offen.

Was ist das Wichtigste, was Sie Ihren Kindern vermittelt haben?
Samy Molcho: Leidenschaft. Liebe und Leidenschaft. Liebe war nie, auch nicht in der Erziehung, ein Spiel mit den Kindern im Sinne von: wenn du etwas Böses machst, dann gibt es einen Liebes­entzug. Liebe war immer da, bis heute. Sie ist nicht zu verhandeln.

Sie hatten also immer einen sehr liebevollen Umgang zu Ihren Kindern?
Samy Molcho: Immer.

Sie waren als Pantomime ein Weltstar. Als Nuriel, Ihr Ältester, auf die Welt kam, beendeten Sie Ihre Karriere.
Samy Molcho: Die Entscheidung war sehr einfach. Das ist etwas anderes als Schauspieler, wenn man einen Jahresvertrag am Burgtheater hat. Für mich bedeutete eine Tournee, über 3 bis 4 Monate in der ganzen Welt unterwegs zu sein, jeden Abend in einer anderen Stadt. Kinder sind keine Koffer, die man mitnimmt und einfach abstellt, das entdeckt man schnell. Ich habe die Welt ein paar Mal umreist. Was willst du jetzt? Ich wollte die Jungs erleben. Ich wollte es miterleben, und da habe ich die Professur am Max Reinhardt Seminar bekommen. Ich glaube, sie haben mich dadurch mehr als normale Väter gehabt.

26. April 2017