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Family Business – die Molchos

Samy Molcho war als Pantomime ein Weltstar. Als seine Frau Haya den ersten Sohn erwartete, hing er seinen Beruf an den Nagel. Seine Frau Haya schuf mit der Marke „Neni“ ein Gastronomieimperium, betreibt Restaurants von Wien, Zürich bis Berlin und beliefert Supermärkte. An ihrer Seite: ihre vier Söhne Nuriel, Elior und Ilan, nur Nadiv, der Jüngste, hält sich aus dem Geschäft heraus.

Georg Kindel26. April 2017 No Comments

Starke Argumente: Filmemacher und Schauspieler Nadiv Molcho in der Diskussion mit Bruder Ilan und Vater Samy. (Foto: Marie-Theres Madani)

Ist er ein harter Kritiker bei Ihren Filmen, Nadiv? Sieht er sie als Erster oder Letzter?
Nadiv: Er war schon am ersten Tag dabei, als ich die Rohschnitte gemacht habe. Bevor wir den Ton repariert haben, die Farben dazugegeben haben. Er war eigentlich von Anfang an dort, und ich glaube, von allen Menschen mag der Samy meinen Debütfilm fast am meisten. Ich arbeite oft mit ihm verschiedene Monologe oder Szenen ein. Als ich in New York gelebt habe, haben wir ziemlich oft auf Skype gearbeitet. Da habe ich in einer Stunde Skype mit meinem Vater mehr gelernt, als in drei, vier Wochen in meiner Schule, und das war eine sehr gute Schule in New York. Mein Vater hat keine Angst, ehrlich zu sein. Als ich 17 war, habe ich einen Monolog für meine Schule von „Warten auf Godot“ auswendig lernen müssen, das waren 7–8 Seiten, richtig schwer und ich habe geweint und war auch unreif. Mein Vater hat damals zu mir gesagt: „Schau, wir arbeiten jetzt zusammen, du kannst mich jetzt nicht als Vater sehen, sondern als Lehrer.“ Er will immer, dass ich besser werde und an meiner Kunst arbeite, auch bei meinem ersten Film „History of Now“.
Samy Molcho: Er hat mit seinen Ersparnissen von den verschiedenen Bar Mizwas und sonstigen Festen mit seinem Geld den Film produziert. Und er überlegte: Wo kann ich sparen? Wollte er in eine Disco oder andere Sachen, hat Elior den DJ gemacht: „Komm, mit deinen Freunden kannst du das machen.“ Und so entstanden auch Drehs in Marokko und der ganze Film, der gemacht wurde, weil Haya dort gerade ihr Kochbuch fotografiert hat.

Sind Sie eine spirituelle Familie?
Nuriel: Wir glauben alle an Karma, wir sind von Grund auf gute Menschen und versuchen Gutes zu tun, nicht unbedingt, um etwas zurück zu bekommen. In dem Sinne sind wir, glaube ich, schon spirituell. Religiös, würde ich sagen, sind wir nicht. Wir sind traditionell, was Traditionen des jüdischen Glaubens betrifft.
Nadiv: Und der Kultur.
Nuriel: Kultur interessiert uns, mein Vater ist ja sehr belesen. Er hat auch immer zu unseren wichtigen Geburtstagen oder Bar Mizwas eine Referenz zur Numerologie gegeben. Also das hat uns alles schon immer interessiert.

Wie wichtig ist Geld in Ihrer Familie?
Samy Molcho: Unser Schwerpunkt war nie materiell in diesem Haus, auch in meinem ganzen Leben nicht. Der künstlerische Aspekt war mir bei allem am wichtigsten, ob ich jetzt noch eine Null mehr oder weniger habe, war nie wichtig. Meine Kinder haben nie einen Vater erlebt, der von der Arbeit kommt und nur vom Business spricht. Ich bewundere meine Kinder heute, die erfolgreich Geschäfte machen, weil von zu Hause habt ihr das nicht mitbekommen.

Der Wechsel vom Schauspiel zu den Zahlen, zum Controlling, ist natürlich ein breiter Weg.
Ilan: Ich habe gerade mein Studium in London abgeschlossen und bin dann nach Wien zurück. In meinem Kopf war sicher nicht: „Ich will jetzt in einem Restaurant arbeiten.“ Ich hatte die besten Noten in der Schule und würde sagen, dass ich am strukturiertesten bin. Ich habe nicht mit Controlling angefangen, sondern mit simpler Buchhaltung. Wir hatten keine Buchhaltung. Und ich habe es nie gelernt. Also begann ich mich mit Eingangsrechnungen, Ausgangsrechnungen, Profit und Lost zu beschäftigen, ein bis zwei Jahre lang, teilweise bis 3 Uhr morgens, um zu lernen. Ich machte auch Kurse, bis ich es verstanden hab. Es ist alles Learning by Doing. Hinsetzen, bis du es verstehst.
Nadiv: Ich habe auch nie Filmemachen gelernt oder so, das war auch Learning by Doing.
Samy Molcho: Ich glaube, das war ein Teil der Erziehung. Für mich war wichtiger, dass sie lernen auf Bäume zu klettern als das Abc. Beim Abc trainierst du dein Gedächtnis. Wenn du auf einen Baum kletterst, trainierst du deine Intelligenz. Auf welchen Ast kann ich klettern, auf welchem Ast kann ich hängen, trägt mich der Ast oder hält er mich nicht aus. Lerne auch deine Ängste wahrzunehmen und zu überlegen: „Kann ich das Risiko kalkulieren oder nicht?“ Genauso ist es bei ihren Geschäften. Sie gehen ins Risiko, sie haben keinen Background, wenn sie jetzt sagen, wir müssen eine Million investieren oder einen Kredit aufnehmen. Es ist ihr Risiko, aber dieser Mut, es zu versuchen, glaube ich, ist durch diese Sachen früher gekommen.

Fällt Ihre Entscheidung bei Neni im Kollektiv?
Ilan: Ja.
Nuriel: Ilan heißt auf Hebräisch eigentlich Stammbaum. Das passt dazu.
Elior: Auch wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt, wir besprechen sie so lange, bis wir zu einer Einigung, einer Lösung kommen. Da ist auch das Bauchgefühl wichtig. Nuriel ist, glaube ich, der positivste Mensch, der je existierte, nach Gandhi. Er sieht immer das Positive und ich bin sehr skeptisch. Egal was wir machen, ich denke nur daran, was schief gehen kann, was sind die Risiken. Und Ilan muss es verstehen. Er wird die ganze Information nehmen und sagt dann: „Ich plane das jetzt perfekt durch.“ Unsere Mutter treibt uns an.

Wie arbeiten Sie?
Nuriel: Nicht sehr konventionell. Wir haben ein Büro hier am Naschmarkt, dann arbeiten wir auf Straßencontainern im Zweiundzwanzigsten außerhalb des Büros.

26. April 2017