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Family Business – die Molchos

Samy Molcho war als Pantomime ein Weltstar. Als seine Frau Haya den ersten Sohn erwartete, hing er seinen Beruf an den Nagel. Seine Frau Haya schuf mit der Marke „Neni“ ein Gastronomieimperium, betreibt Restaurants von Wien, Zürich bis Berlin und beliefert Supermärkte. An ihrer Seite: ihre vier Söhne Nuriel, Elior und Ilan, nur Nadiv, der Jüngste, hält sich aus dem Geschäft heraus.

Georg Kindel26. April 2017 No Comments

Die Molchos im Gespräch mit OOOM-Chefredakteur Georg Kindel am Naschmarkt in Wien. (Foto: Marie-Theres Madani)

Sprechen Sie manchmal über Ihre Weltkarriere, Samy?
Nadiv: Er redet über seine Karriere nur, wenn wir ihn fragen.
Samy Molcho: Nur wenn man mich fragt, erzähle ich darüber. Ich erzwinge nicht. Meine Karriere war meine Karriere. Es ist gut auch, dass sie mich nie auf der Bühne gesehen haben, weil sie haben mich so immer als Vater gesehen und nicht als prominenten Künstler.

Sie haben in Israel studiert, in Jerusalem getanzt. Haben Sie eigentlich Ihren Kindern über diese Zeit erzählt oder gar nicht? Kennen sie Ihre Kindheit, Ihre Geschichte sozusagen?
Samy Molcho: Nein, sie kennen mich nur als Vater. Wenn sie fragen, bekommen sie eine Antwort. Riskieren sie eine Antwort. Ich bin sehr ehrlich.
Nuriel: Man sieht nicht, dass er jetzt schon 80 Jahre alt ist.

Haben Sie die Autobiografie Ihres Vaters gelesen?
Elior: Ich nicht.
Nuriel: Ich habe sie auch noch nicht gelesen.
Elior: Wir warten auf den Film (lacht).
Nadiv: Ich mache wirklich einen Film über sein Leben.

Wie häufig sehen Sie einander?
Samy Molcho: Als sie in Amerika oder London studiert haben, habe ich nicht jeden Tag angerufen. Einmal in der Woche vielleicht, manchmal auch nur einmal in zwei Wochen. Wenn sie etwas gebraucht haben, haben sie angerufen. Ich wollte ihnen nicht das Gefühl vermitteln, dass sie unter Kontrolle sind.

Haben Sie sich insgeheim Sorgen gemacht?
Samy Molcho: Selbstverständlich. Das war immer so. Wenn ich sie zum Skateboardfahren oder auf die Halfpipe gebracht habe, musste ich wegrennen. Weil wenn ich einmal gesehen habe, wie sie Saltos und diese Sachen machen, konnte ich nicht mehr ruhig sein. Ich habe daneben in einem Café gewartet und gehofft, dass mein Handy nicht klingelt. Man darf seine Ängste nicht auf sie projizieren.

Überträgt man Nervosität auf andere?
Samy Molcho: Selbstverständlich. Genauso wie gute Laune. Gehen Sie einmal auf die Straße, auf den Flughafen und lächeln Sie Leute an. Sie werden sehen, Sie bekommen ein Lächeln zurück. Wir wachen immer mit einem fröhlichen Gesicht auf.

Sie sind Experte von Weltrang im Bereich Mimik und nonverbaler Kommunikation. Wie beurteilen Sie Donald Trump?
Samy Molcho: Er ist im Prinzip geistig nicht sehr hoch. Alleine wenn Sie seine Twitter-Nachrichten lesen, die sind wie von einem kleinen Kind. Schlecht gebaute Sätze, nicht reich an Vokabular, wie ein Kind im Prinzip. Sehr aufgeblasen von sich selbst, macht eine Riesenshow, inszeniert sich selbst. Können Sie sich noch an Mussolini erinnern? Wie Trump im Dreiviertel-Profil. Und dann die Nase, so hoch. Genau diese Überheblichkeit, diese Aufgeblasenheit hat er. Es hat mit Realität null zu tun.

Wie geht es mit Neni weiter?
Nuriel: Wir machen jetzt in Amsterdam, Paris und München weitere Lokale auf.
Nadiv: Als wir mit Haya angefangen haben, war sie immer die „Frau von Samy Molcho“.
Elior: Jetzt ist Samy der „Ehemann von Star-Gastronomin Haya Molcho“.
Samy Molcho: Und bald wird‘s heißen: Wer ist der alte Mann?
Elior: Du bist schon eine lebende Legende – und sie wird gerade eine.

26. April 2017