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Felix Ohswald und sein 70-Millionen-Deal

Felix Ohswald ist der neue Star der deutschsprachigen Start-up-Szene. Der Gründer von GoStudent, eines Online-Marktplatzes für Nachhilfe, holte 70 Millionen Euro an neuem Investment in sein Unternehmen und ist am besten Weg zum nächsten Unicorn. In OOOM stellt er sich seinem bisher persönlichsten Interview, geführt von OOOM-Redakteurin Claudia Ohswald – seiner Mutter. Ein Mother & Son-Talk über Opas Logik-Lektionen, den fehlenden Drill daheim, Studien in Rekordzeit, Lektionen des Lebens, das Unvermögen zu verlieren – und was man mit soviel Geld alles machen kann.

CLAUDIA OHSWALD28. Mai 2021 No Comments

Eigentlich ist es ganz einfach, wenn man seinen Sohn trifft. Man fragt nach den scheinbar wesentlichen Dingen, die eine Mutter interessieren: Wie geht es dir? Und deiner Familie? Kommt ihr am Wochenende vorbei? Geht der Stress halbwegs?

Mother & Son. Dieses Mal ist meine Rolle eine andere. Ich treffe meinen Sohn als Journalistin und werde ihm Fragen stellen, die er von mir noch nicht gehört hat. Fragen, die ihm wohl auch kein anderer Journalist jemals gestellt haben dürfte. Als OOOM seine erste Story über Felix Ohswald, „Der Wunderknabe“, 2017 veröffentlichte, hatte ich noch einen anderen Job. Ein Jahr zuvor gründete er seine Nachhilfeplattform GoStudent, nachdem er mit 18 Jahren sein Mathematik-Studium abgeschlossen hatte, und keiner von uns konnte auch nur annähernd erwarten, welchen Steilflug nach oben er damit erleben wird. Wobei „erleben“ der falsche Ausdruck ist: Er pilotiert als CEO den Höhenflug des Unternehmens.

GoStudent ist eine digitale Lernplattform, die Schüler jeden Alters in individuell gestalteten Online-Stunden mit ausgewählten Lehrern in einem virtuellen Klassenzimmer zusammenbringt. Im Jahr 2020 konnte sein Unternehmen das Team auf 160 Mitarbeiter vervierfachen. Ende des vergangenen Jahres wurden mehr als 250.000 Lerneinheiten pro Monat gebucht, der Kundenstamm wuchs auf mehr als 8.000 zahlende Eltern an.

70 Millionen Investment. Das starke Wachstum, das GoStudent 2020 hingelegt hat, rief schließlich neue Investoren auf den Plan, darunter Coatue aus New York, eine Investmentgesellschaft, die schon in Spotify, ByteDance und Snap investierte und die Runde anführt. Coatue ist besonders stark in China und Indien – jetzt rückt ihr Fokus auf Europa. Unfassbare 70 Millionen Euro hat GoStudent in dieser Finanzierungsrunde an frischem Kapital erhalten. Und der nächste noch weit größere Sprung steht kurz bevor.

Ich wusste immer, dass Felix seinen Weg gehen wird. Aber dass dies so schnell sein wird, hätte nicht einmal ich – als seine Mutter – für möglich gehalten.

Felix, was hat deine Kindheit geprägt?
Ich war schon immer auffallend neugierig und habe mich dadurch von anderen Kindern abgehoben. Ich wollte jedes Spiel besser können als die anderen und habe mit Opa bereits als 4-jähriger Schule gespielt. Auch Schachspielen und damit die Grundlagen des logischen Denkens hat er mir beigebracht und befeuerte so meine Neugierde. Musik hat mich hingegen gar nicht interessiert. Deine Versuche, mir und meinem Bruder Moritz Gitarrespielen beizubringen, sind kläglich gescheitert.

Bei Schach lernt man mehrere Züge vorauszudenken.
Ich hatte immer Angst zu verlieren und Schach war da ein guter Lehrmeister. Für mein damaliges Alter war ich richtig gut, aber wenn man es zu Spitzenleistungen bringen möchte, bedarf es eines gewissen Drills der Eltern.

Da habe ich versagt (lacht).
Drill gab es bei uns zu Hause nicht. Wenn ich mein Interesse an einer Sache verloren hatte, konnte ich es auch ohne Probleme zur Seite stellen. Ich glaube schon, dass es besser ist, Kinder nicht in den Exzess zu treiben. Wenn man will, dass sein Kind an die Spitze kommen soll, wird es allerdings ohne Exzess nicht funktionieren, denke ich. Es ist auch hier in der Firma so: Unser Anspruch ist es, die Besten sein zu wollen. Das gelingt eben nur durch Disziplin und eine Art von Exzess, sonst wirst du aufgefressen.

Mathematik hat dich schon immer interessiert. Mit 14 Jahren hast du bereits an der Uni studiert. Wie war das zwischen Twens und erwachsenen Studenten für dich?
Da ich mit 14 schon ausgewachsen und fast zwei Meter groß war und meiner Meinung nach älter ausgesehen habe, ist es niemandem aufgefallen. In meiner gesamten Universitätszeit in Wien zwischen meinem 14. und 18. Lebensjahr ist es kein einziges Mal passiert, dass mich jemand gefragt hat, ob ich unter 18 bin.

28. Mai 2021