Tech & ScienceTop Stories

Felix Ohswald und sein 70-Millionen-Deal

Felix Ohswald ist der neue Star der deutschsprachigen Start-up-Szene. Der Gründer von GoStudent, eines Online-Marktplatzes für Nachhilfe, holte 70 Millionen Euro an neuem Investment in sein Unternehmen und ist am besten Weg zum nächsten Unicorn. In OOOM stellt er sich seinem bisher persönlichsten Interview, geführt von OOOM-Redakteurin Claudia Ohswald – seiner Mutter. Ein Mother & Son-Talk über Opas Logik-Lektionen, den fehlenden Drill daheim, Studien in Rekordzeit, Lektionen des Lebens, das Unvermögen zu verlieren – und was man mit soviel Geld alles machen kann.

CLAUDIA OHSWALD28. Mai 2021 No Comments

Was ist deiner Meinung nach dein größtes Talent?
Wenn es eine Sache ist, die ich sehr gut kann, dann verschiedene Disziplinen miteinander zu verknüpfen. In Mathematik war ich deshalb gut, weil ich von einem Bereich etwas gelesen habe und diesen auf einen anderen anwenden konnte, was für andere nicht sofort logisch war. Auch heute in der Firma haben wir viele Dinge, die wir implementierten, die ich in der Vergangenheit in einem anderen Zusammenhang gelesen oder gehört habe. Die Verknüpfung von verschiedenen Bereichen und diese zu bündeln, sie dann zu exekutieren, also umzusetzen, das ist in Wirklichkeit mein Talent.

Hattest du nie als Teenager Probleme dem Stoff an der Uni zu folgen?
Man sucht sich immer eine Benchmark, einen Vergleichsmaßstab. Ich habe mich nicht mit normalen Studenten verglichen, sondern mit einem Freund, Florian Kogelbauer. Er hat mit 17 an der Mathematik-Uni zu studieren begonnen und war mit 24 jüngster Postdoc in Europa. Florian ist für mich eine Inspiration.

Was ist also deine Botschaft: Such dir Vorbilder, die weit besser sind als du und die anderen?
Ja, genau. Man muss dann halt auch die psychische Härte haben, damit klarzukommen, dass jemand etwas in einem Bereich schneller oder besser macht. Mich persönlich treibt genau das an.

Kannst du verlieren?
Schon, es tut aber weh. Aber auch mein Mitgründer, Gregor ist ein konsequenter Umsetzer. Das ist, was uns sehr zusammenschweißt: dieser unbändige Drang besser zu sein und neue Wege zu erschließen, um etwas zu erreichen.

Wäre GoStudent ohne Gregor und – anfangs – deinem Bruder Moritz möglich gewesen?
Nein. Es ist ein sehr enges Zusammenspiel. Moritz hat mit seiner Idee einer Nachhilfeplattform den berühmten Stein ins Rollen gebracht. Gregor hat es geschafft, alles was wir theoretisch gesprochen haben auf die Straße zu bringen, und es operativ auszuführen. Gemeinsam haben wir ein Produkt entwickelt, das funktioniert und man verwenden kann.

Wolltest du nach dem Studium gleich ins Ausland?
Der damalige Dekan der Mathematik-Universität, Harald Rindler, hat öfter über Cambridge gesprochen, wo sein Sohn Statistikprofessor ist. Er hat mich motiviert auf eine internationale Uni zu gehen. Das habe ich dann auch gemacht. Dort habe ich spannende Menschen kennengelernt. Ein Kollege hatte mit 18 bereits seinen Doktortitel und war darüber hinaus mit einem absoluten Gehör beseelt. Er konnte jede Melodie am Klavier nachspielen. Ich habe den letzten Teil vom Bachelor-Studium in Cambridge gemacht und danach die Lust entwickelt, vor dem Masterlehrgang Berufserfahrung zu sammeln.

Du gingst zur Österreichischen Nationalbank.
Und dann zu Boston Consulting, bevor ich an der ETH Zürich mit einem Masterabschluss die universitäre Ausbildung abschließen konnte.

Aber Teil eines großen Beratungsunternehmens wolltest du nie sein, oder?
Man lernt dort in erster Linie strukturiertes Arbeiten. Es beginnt damit, dass man am Anfang das Problem verstehen muss, es auseinanderbricht, aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und dann systematisch eine Lösung dazu baut. Das konnte ich bei GoStudent perfekt anwenden. Es gilt auf der Plattform immer genügend Lehrer zu rekrutieren, um die Nachfrageseite bedienen zu können.

Gab es Momente in den letzten Jahren, wo der Druck für dich so groß wurde, dass du alles hinschmeißen wolltest?
Nein. Aber der Druck war schon manchmal sehr groß. Es gab Momente, wo wir nicht wussten, ob am Ende des Monats genügend Geld am Konto sein wird, um Mitarbeiter bezahlen zu können. Da gab es und gibt es schon die eine oder andere schlaflose Nacht. Du merkst dann, wenn du von Problemen träumst, dass es dein Leben ziemlich vereinnahmt. Aber was Gregor und mich auszeichnet ist, dass wir stets mit einem kühlen Kopf an die Sachen herangehen, unabhängig vom Druck, und diesen nicht so nah an uns herankommen lassen. Klar ist auf jeden Fall, dass einem die Firma 24/7 einnimmt.

Es gab Momente, wo wir nicht wussten, ob am Ende des Monats genug Geld da sein wird um unsere Mitarbeiter zu bezahlen.

28. Mai 2021