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Geheimnis Aussee: Über die Magie der Anziehung

Die pittoreske Region Ausseerland besticht durch kristallklare Seen, verborgene Moore, tiefe Wälder und massiven Berge an den nördlichen Kalkalpen. Die darin verborgenen Höhlensysteme bieten Raum für Mystik. OOOM ging der magischen Anziehungskraft des Ausseerlandes auf den Grund.

Suzanne Rosalie Martin5. Dezember 2018 No Comments
Altausseersee

Das Ausseerland ist ein Ort der Legenden. Nirgendwo anders in Österreich scheint es so viele zu geben, die doch unterschiedlicher nicht sein könnten. Da wären die mystischen Legenden wie jene um das verschollene Gold der Nazis, das sie im nahen Toplitzsee versenkt haben sollen. Dass in 103 Meter Tiefe außer einer trüben schwefelwasserstoffhaltigen Brühe und dem Toplitzseewurm (Lumbricus cf. Polyphemus) nichts zu finden war, tat der Legende keinen Abbruch. Dann wären da die Schauspiellegenden wie Klaus Maria Brandauer, der in Altaussee aufwuchs und als Bösewicht selbst James Bond in „Sag niemals nie“ das Fürchten lehrte. Als Fotomotiv eignet er sich nur bedingt, nicht weil er altersmilde wurde und Adoranten vor seinem Anwesen nur noch gelegentlich verscheucht, sondern weil er schlicht viel zu selten vor Ort ist. Dann gibt es die Wirtschaftslegenden wie Dietrich Mateschitz, der diverse Immobilien einkauft und damit Touristiker in Jubelstimmung versetzt.  Und dann gibt es noch die inspirierenden Legenden, die das Ausseerland als Kraftplatz sehen, voll Mystik und positiver Energien. Orte der Ruhe und Besinnung, aber auch des Glücks.

Legenden hin oder her, das Ausseerland ist vor allem eines: schön.

Zwischen den westlichen Ausläufern des Toten Gebirges und des Dachstein-Massivs befindet sich die Region Ausseerland, zu der das Gebiet der vier Gemeinden Bad Mitterndorf, Bad Aussee, Altaussee und Grundlsee zählen. Dieses Gebiet wird auch als das „Steirische Salzkammergut” bezeichnet. Obwohl es zum Salzkammergut gehört, ist das Ausseerland ein ganz eigener, ursprünglicher und urwüchsiger Teil davon. Es kann mit keiner anderen Gegend verglichen werden.

Seelenlandschaft. Mächtige Gebirgsketten riegeln das Land nach allen Seiten hin ab und vermitteln so Geborgenheit und Schutz. Das Leben an den zahlreichen Seen gleicht einem in sich geschlossenen Reigen. Im Laufe der Zeiten ist das Ausseerland sich stets treu geblieben. Kraftvoll, bodenständig, stolz, selbstbewusst, unverwechselbar und manchmal auch etwas eigenwillig ist die Landschaft, all das, was auch die Ausseer ausmacht. Eine Region, die trotz aller Lebendigkeit in sich ruht und deshalb nicht nur geografisch gerne als Österreichs Mitte bezeichnet wird: verträumt, verzaubert und auch geheimnisvoll. Im Ausseerland, so scheint es, ticken die Uhren noch anders. Die herrliche Stille und zauberhaft schöne Natur helfen beim Innehalten, beim Zur-Ruhe-Kommen und beim Krafttanken. Es ist ein Refugium für bewusste Auszeiten und Innenkehr. Das Ausseerland versprüht die Kraft eines verdichteten Universums, das auf Einheimische wie Besucher eine unwiderstehliche Anziehungskraft ausübt.

Sommerfrische. Erst waren es die Aristokraten, dann Künstler und Intellektuelle, die von den Bergwiesen, Almen und Seen des Ausseerlandes so begeistert waren, dass sie immer wieder kamen oder sich gar hier niederließen. Sie entdeckten das Ausseerland für ihre Sommerfrische. Es begann im Jahr 1816, als Erzherzog Johann von Österreich die Gegend besuchte und sich in die Bürgerliche Anna Plochl verliebte, mit der er die Familie der Grafen von Meran begründete. Mit der Übersiedlung des Hofes nach Bad Ischl als Sommerresidenz etablierten sich die Hohenlohe-Schillingsfürst in Altaussee. Kurz darauf folgten weitere Adelsfamilien. Ihre Villen zählen noch heute zu den schönsten der Region.

Dichter und Denker. Es dauerte nicht lange und es folgten Künstler und Intellektuelle. Berühmte Schriftsteller, Dichter, Schauspieler, Musiker, Maler und Bildhauer wohnten und arbeiteten hier. Sie holten sich Kraft und Inspiration für beeindruckende Werke. Unter den Ersten waren Joseph von Eichendorff, Adalbert Stifter und Franz Grillparzer. Um die Jahrhundertwende kamen dann Hugo von Hofmannsthal, Sigmund Freud, Johannes Brahms, Stefan Zweig, Fritz von Herzmanovsky-Orlando, Gustav Mahler, Friedrich Torberg, Adalbert Stifter und Arthur Schnitzler hinzu. „Aussee bleibt mir das Schönste!“, huldigte einst der große Dichter Nikolaus Lenau. Sie alle hinterließen ihre Footprints im Ausseerland, denen man noch heute folgen kann. Nach wie vor ist das Ausseerland eine beliebte Residenz und Inspirationsquelle für Künstler wie Klaus Maria Brandauer, Autorin Barbara Frischmuth oder Bildhauer Ferdinand Böhme. Vor allem als Zweitwohnsitz ist das Ausseerland sehr gefragt. Die Millionärsdichte ist eine der höchsten Österreichs, vergleichbar mit Kitzbühel und Velden. Die aus der Kaiserzeit bekannte „Sommerfrische“ wird von Prominenten aus Politik, Wirtschaft und Kultur heute noch gelebt. Ausseer machen nicht viel Aufheben um bekannte Persönlichkeiten, sie ignorieren diese höflich – mitunter ein Grund, warum sich diese hier so wohlfühlen.

Sag niemals nie. Klaus Maria Brandauer ist zwar offiziell in Bad Aussee geboren, verbrachte aber seine Jugend in Altaussee. Von dort aus eroberte er als Künstler die Welt und sogar Hollywood. Er wird somit als berühmtester Sohn Altaussees angesehen. Brandauer blieb seiner Heimat immer verbunden. Seit 2006 ist er Ehrenbürger der Gemeinde Altaussee. Als Vorsitzender des Vereins Poesie im Ausseerland, bringt er sich ehrenamtlich ein.

Salz als Lebenselixier. Die wahren Schätze der Region sind gut gehütet im Herzen der mächtigen Berge: Salz und Wasser. Der etwa 150 Millionen Jahre alte Bergkern aus dem Gebirge ist das einzige Salz innerhalb Österreichs, das auch heute noch auf traditionelle, bergmännische Weise abgebaut wird. Ohne Verwendung von Sprengstoff wird es aus dem Gestein gebrochen und noch unter Tage vorverlesen, um schließlich an der Erdoberfläche ein weiteres Mal von Hand aussortiert zu werden. Ein Besuch im größten bis heute aktiven Salzbergwerk Österreichs ist ein besonderes Erlebnis: Die Gänge sind aus purem Steinsalz. Verschiedene glitzernde Formen, schillernde Farben und glänzende Strukturen zeigen sich beim Erkunden der Stollen. Eine mystische Barbara-Kapelle lädt ein zum Innehalten, die Mineralienkammer und ein Salzsee, an dessen Ufer man sich wie in einer anderen Welt fühlt, wirken heilsam. Ein Besuch in den Salzwelten Aussee ist ein einzigartiges Erlebnis und vermittelt geschichtliche Meilensteine zum Greifen nah.

Traditionsreich. Das Ausseerland mag auf den ersten Blick verschlafen wirken, jedoch bietet es ein reges soziales und kulturelles Leben. Ausseer feiern gerne und genießen das Leben. Die Menschen erhalten sich bunte Traditionen, die ihre Naturverbundenheit dokumentieren, aber auch wirtschaftliches Geschick und den Mut zur Selbstdarstellung zum Ausdruck bringen.

Almenreich. Die Anfänge der Almwirtschaft im Ausseerland gehen bis in die Bronzezeit zurück. Neben schroffen Karstflächen und weitläufigen Wäldern gibt es in den Ausseer Bergen auch große Almgebiete. Hier sind vor allem die Tauplitz, der Loser oder auch die Wildensee- und Planneralm beliebte Ausflugsziele. Zum Almabtrieb am Ende des Sommers werden auch heute noch die traditionellen „Almraungerln” zubereitet. Dabei handelt es sich um ein Gebäck aus Mehl, Butter, Rahm, Zimt und Zucker.

Vom Unkraut zum Wahrzeichen. Die wildwachsenden Narzissen schmücken im Frühling die Blumenwiesen der Region Ausseerland-Salzkammergut. Sie verwandeln die idyllische Berg- und Seenlandschaft zwischen Dachstein, Loser und dem Toten Gebirge in ein duftendes Blütenmeer. Gelb, weiß, grün – so weit das Auge reicht. Die duftende Stern-Narzisse wächst in hochgelegenen feuchten Blumenwiesen im Salzkammergut besonders reichlich, im Frühling gleichen die Wiesen einem Blütenteppich. Deshalb widmete man der weißen Frühlingsblume vor über 50 Jahren zum ersten Mal ein Fest. Nun wird die wohlig duftende Blume, die einst als Unkraut galt, jedes Jahr Ende Mai/Anfang Juni gefeiert. Dabei bildet die Wahl der Narzissenkönigin am Donnerstag vor dem Festwochenende den Auftakt. Als Höhepunkt wird am Festsonntag dann die Seelandschaft zur großen Bühne und präsentiert den Blumenkorso. Das Erstellen der teils bis zu 2,5 Meter hohen Figuren erfordert viel Arbeitseinsatz und bis zu 120 Eimer Narzissen pro Figur. Jährlich kommen dafür scharenweise Besucher – rund 20.000 – von nah und fern, um die Kunstwerke zu bestaunen. „Des Ausseers Grundwurzel ist seine Freiheit, sein Brauchtum und seine Eigenständigkeit“, so der Industrielle Dr. Hannes Androsch.

Das G’wand. Weltweit verbindet man die Ausseertracht mit dem typisch-traditionellen „Austrian Look”. Die Tatsache, dass diese Tracht Hunderte verschiedene Variationen zulässt, hält sie lebendig. Aktuell zeigt sich bei fortschreitender Globalisierung gleichermaßen auch eine Rückbesinnung auf Heimat, Volkstümlichkeit, Tradition und Werte. Tracht, insbesondere Dirndl zu tragen, ist beliebter denn je. Ein Ausseer Dirndl besteht aus den Farben Grün, Lila und Rosa. Welche Stoffe und Muster verwendet werden, dabei sind dem individuellen Geschmack keine Grenzen gesetzt. Stoffe, Muster, Farbnuancen lassen sich nach Belieben wechseln. Frauen können sich ihre Schürze sogar mit einem eigens gewählten Muster bedrucken lassen, das ist ein großer Unterschied zu aufgestellten Regelwerken wie beispielsweise dem Heimatwerk, wo ganz genaue Vorgaben eingehalten werden müssen und deren Trachten dann schon eher Uniformen gleichkommen. Die Ausseer Tracht gibt keinen strikten Kanon vor. Im Ausseerland gibt es keine einzige Trachtenbrauchtumsgruppe, denn für die Ausseer ist die Tracht einfach ihr „G’wand”, das gerne täglich getragen wird so wie andernorts Jeans.