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Geheimnis Aussee: Über die Magie der Anziehung

Die pittoreske Region Ausseerland besticht durch kristallklare Seen, verborgene Moore, tiefe Wälder und massive Berge an den nördlichen Kalkalpen. Die darin verborgenen Höhlensysteme bieten Raum für Mystik. OOOM ging der magischen Anziehungskraft des Ausseerlandes auf den Grund.

Suzanne Rosalie Martin5. Dezember 2018 No Comments
Altausseersee
ooom magazine Altausseersee (c) STMG Wolfgang Stadler

ooom magazine Altausseersee (c) STMG Wolfgang Stadler

KRAFTPLÄTZE

  • Rundweg um den Alt­ausseersee. Ein Muss. Die Seewiese ist magisch.
  • Ödensee. Geheimtipp. Der Rundweg verwandelt sich im Winter in eine Loipe.
  • Langgangsee: 2,5 Stunden-Aufstieg, die ersten 900m sind relativ steil.
  • Sagtümpel. In Tauplitz gibt es eine ganz stark sprudelnde Kastquelle.

REFUGIUM IM HERZEN ÖSTERREICHS.

Vor 15 Jahren kam er aus beruflichen Gründen in das Ausseerland: Ernst Kammerer, der Direktor des Tourismusverbandes Ausseerland. Für ihn ist der Bevölkerungsschlag der Einheimischen im Ausseerland in einer ganz spannenden Mischung vorhanden, denn die Menschen sind hier sehr traditionsbewusst, aber gleichzeitig auch sehr weltoffen.

Herr Kammerer, warum sind die Ausseer so heimatverbunden?

Ich glaube, das hat damit zu tun, dass man auf der einen Seite aufgrund der Salzverarbeitungstradition tief verwurzelt mit der Region war und aus dieser nicht rausgegangen ist. Seit dem 18. Jahrhundert kommen jedoch verschiedene Strömungen von Gästen. Auf der anderen Seite war man tief verwurzelt mit der Salzburger Region, die Strömungen aus der großen weiten Welt, vor allem aus Wien hierhergebracht hat. Deshalb haben wir Menschen, die auf keinen Fall hier weggehen möchten, aber auch sehr offen sind. Ausseer unternehmen sehr viele Reisen und haben internationale Kontakte.

Gexi Tostmann

Gexi Tostmann

Ist Heimaturlaub im Trend?

Ja. Ich glaube die Wertschätzung einer Bergurlaubs-Lebenshaltung wird immer beliebter, das ist keine Modeströmung. Das könnte etwas länger Anhaltendes sein, da es Grundbedürfnisse abdeckt. Erholung definiert sich nicht über Fernreisen und Jetset.

Das Salzkammergut steht für Auszeit.

Die Geschwindigkeit in den größeren Städten ist irre. Wer unter großem Druck steht, weiß es dann zu schätzen, wenn er in einer Umgebung wie dem Salzkammergut ist, wo er niemand beeindrucken muss. Die Natur holt einen hier runter. Die Uhren bei uns ticken anders, ideal also, um sich zu erden und um zu sich zu kommen und neue Kraft zu tanken.

Worauf sind Sie stolz?

Ich denke, dass wir es geschafft haben, verhältnismäßig wenig Bausünden zu machen. Es wird trotzdem Modernes gebaut, aber durch die schwache Industrialisierung gibt es nur ganz wenige große Hallen, und jene, die es gibt, haben versucht, sich in der Landschaft zu verstecken. Das ist ein großer Wert für die Region und hängt auch mit der Geografie zusammen. Ich bin stolz auf das ehrenamtliche Engagement und den Zusammenhalt der Einheimischen. Beim Narzissenfest haben wir über 3.000 ehrenamtliche Helfer, ohne die könnten wir so einen Großevent gar nicht ausrichten.

EN VOGUE: Trachten-Ikone Gexi Tostmann.

Gesine, kurz Gexi, Tostmann ist eine legendäre Unternehmerin und dabei beeindruckend bodenständig. Sie hat sich immer schon politisch engagiert: für die Friedensbewegung, für den Umweltschutz, gegen Atomkraftwerke. Sie war Geburtshelferin der Grünen und hat Bürgerinitiativen und Kulturvereine gegründet. Die erfolgreiche Trachten-Unternehmerin und Dirndl-Ikone – sie besitzt über 365 Dirndl – hat in Volkskunde promoviert und ihr Wissen sogar in einem eigenen Museum, der Bandlkramerey in Seewalchen am Attersee, ausgestellt. Gexi Tostmann zu:

Maxime Wahrhaftigkeit.

Die Tostmann-Frauen stehen für Begriffe wie Tradition, Volkstümlichkeit und Nachhaltigkeit. Bei Tostmann Trachten werden keine Wegwerf-Kollektionen erzeugt, denn ein Tostmann-Dirndl ist eine nachhaltige Investition. Werte werden nicht als werbewirksame Floskeln verwendet, sondern ehrlich und authentisch gelebt.

Tostmann Trachten in 50 Jahren?

Da frag ich mich eher: Wo seh ich die Welt in 50 Jahren? Solange es Menschen gibt, wird es Dirndln geben. Da ist Tostmann Trachten nicht so wichtig. Mit der Nachhaltigkeit ist eigentlich eh alles gesagt: Was Weibliches, was Praktisches, handwerklich gut, ökologisch und umweltschonend mit den Ressourcen umgehen – so kann man sich unterscheiden, wie bei Couture. Wir arbeiten übrigens auch mit Vivienne Westwood zusammen. Die ist ja so narrisch.

Ihr Bezug zum Ausseerland?

Der Attersee ist ja das Tor zum Salzkammergut. Wir haben viele Bräuche und in der Feldforschung über Trachtenmode war das Ausseerland immer wichtig. Ich habe sehr gute Freunde in Aussee und war von klein auf immer dort, zum Fasching, zum Kirtag und zum Silvester feiern.

Slow Fashion, Fair Trade?

Meine Tochter Anna legt sehr viel Wert darauf, dass unsere Stoffe Fair Trade sind und die Tracht den Slow-Fashion-Kriterien entspricht. Doch man kann es nicht zu 100 % sagen, oft wissen wir nicht sicher, wie etwas hergestellt wurde. Die natürliche Kunstfaser von Lenzing ist oft ökologischer und ehrlicher als Baumwolle, die zum Teil mit Kinderarbeit und unter Einsatz von Pestiziden hergestellt wird. Baumwolle ist zwar eine Naturfaser, aber oft derartig schlecht produziert, sozial schlecht und zudem behandelt mit Gift. Man merkt es auch am Stoff beim Waschen und beim Angreifen, ob was billig hergestellt ist oder nicht. Wir versuchen, so gut wir können, die beste Qualität zu liefern. Ein Tostmann-Dirndl ist eine nachhaltige Investition.

Das gängigste Modell?

Das Miederdirndl, das Ausseer Dirndl – in Grün, Rosa und Lila – ist ein allgemeingültiges in Österreich. Wir verkaufen auch das schwarze Dirndl immer sehr gut.

Ein Kodex, wie man Tracht richtig trägt?

Wir haben ja die Goldhauben, die Trachten-Gruppen. Die Rocklänge hängt auch von den Beinen ab und vom Anlass. Ich persönlich mag diese Carmenblusen zum Dirndl nicht. Reißverschlüsse mag ich auch nicht, das ist ein Fremdkörper. Es gibt gewisse Trachten, die man nicht tragen kann, wenn man nicht vom Ursprungsort ist. Da braucht man eine Geburtsurkunde und nicht einmal, wenn man einheiratet, ist es gewiss, zum Beispiel bei der Bregenzer Wälder-Tracht. Da war ich echt eine große Ausnahme, das war eine große Ehre für mich. Ich hab sie nur bei Präsentationen getragen. Nur um zu zeigen, wie sie aussieht. Da gibt es auch Vorgaben für die Frisur, Perücken, die sonst getragen werden müssen, damit die Haare passen. Wie eine Uniform, mit unterschiedlichen Details.

Die Blusenfrage?

Das kann jeder machen wie er will. Ich komme aus einer Generation von Feministinnen, wir haben das abgelehnt über den Körper zu arbeiten. Man soll sich dann halt nicht wundern, wenn einer dann ungeniert den Arm um einen legt. Oft ist weniger zu zeigen mehr. Etwas zu verstecken kann ja auch spannend sein.

Feminismus?

Die Männergesellschaft hat System, aber wir Frauen dürfen uns nicht auf das alleine konzentrieren. Die Befürworter des umweltschädlichen Wirtschaftens sind vorwiegend Männer in hohen Positionen. Da müssen wir aufpassen, da müssen wir was tun. Gleichberechtigung oder Feminismus heißt für mich, die eigene Frauenkultur zu pflegen und sie zu stärken. Ein Dirndl ist hochfeministisch. Wir brauchen Männer, die da auch mittun, weil es sind ja nicht alle Männer abzulehnen.

Bikerboots und Dirndl?

Na, fesch! Das finde ich gut, zum Sommerdirndl beispielsweise, zur Goldhauben-Tracht vielleicht eher weniger. Für mich ist das ein Zeichen, dass es weitergeht mit dem Dirndl!

5. Dezember 2018