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Gerhard Berger: All those years ago

Er war neben Niki Lauda der erfolgreichste Formel-1-Fahrer Österreichs, fuhr 210 Rennen, gewann zehn davon und war der bestbezahlte Rennfahrer seiner Zeit: Heute leitet Gerhard Berger ein Transport- und Logistikimperium in Tirol mit 500 Mitarbeitern, hat die DTM-Rennserie übernommen und ist gerade Großvater geworden. Im OOOM-Gespräch erzählt er über sein neues Leben in Tirol, die Schwierigkeiten als Patchwork-Familie, seinen Freund Niki Lauda, warum die Formel 1 meistens langweilig ist– und wie Ex-Beatle George Harrison kurz vor seinem Tod inkognito zwei Monate bei ihm in Söll im Tirol lebte.

GEORG KINDEL22. Dezember 2020 No Comments
Gerhard Berger

Mit Freundin Helene und Niki Lauda

Sie haben 1994 miterlebt, wie einer Ihrer besten Freunde, der Weltmeister Ayrton Senna, tödlich verunglückt ist. Wollten Sie damals aufhören?
Natürlich hat es mal ganz kurz die Überlegung gegeben, ob es jetzt nicht ein guter Zeitpunkt wäre aufzuhören. Oder, ob mir vielleicht auch einmal so etwas passiert. Das war aber relativ schnell erledigt, weil ich einfach wusste, dass das Rennsport mein Beruf und meine Leidenschaft ist. Für mich ist Senna übrigens immer noch der beste Rennfahrer aller Zeiten, obwohl man Lewis Hamilton schon auf die gleiche Stufe stellen muss. Wir haben alle mit dem Risiko gelebt, dass jederzeit etwas passieren kann. Bei Senna sind unglückliche Umstände zusammengekommen. Aber es war und ist auch immer noch „Part of the Game“.

Sie hatten fünf Jahre davor selbst einen schweren Autounfall. Bei Niki Lauda war das ein ganz anderer Fall, der ist knapp dem Tod entkommen. Hat Sie das verändert?
Ich habe immer ein bisschen mehr Glück gehabt als die anderen. Egal wo, ich bin immer relativ glimpflich rausgekommen, auch bei diesem Unfall. Man denkt sich: eigentlich kann man da gar nicht mehr lebend herauskommen, aber irgendwie haben sie mich herausgezogen
und damit habe ich diesen Moment überlebt. Das Tragische war ja, dass Ayrton genau an derselben Stelle Jahre später gestorben ist, und zwar ganz genau da, vielleicht mit einem Meter Unterschied.

Man denkt sich: Eigentlich kann man da gar nicht lebend herauskommen, aber irgendwie haben sie mich herausgezogen und ich habe überlebt. Das tragische war, dass Ayrton Senna genau an derselben Stelle Jahre später starb.

Hatten Sie jemals Angst vor dem Tod?
Heute mehr als damals. Für mich persönlich ist es nicht einmal die Angst vor dem Tod. Für mich ist es die Angst vor dem Leiden. Egal ob Unfall oder Krankheit – die Angst vor dem „Leiden-Müssen“ wird mit dem Alter natürlich mehr, wenn man schlimme Fälle aus dem Familien- oder Freundeskreis mitbekommt. Hoffen wir, dass es so ist, wie viele glauben, und es nach dem Tod auch noch was gibt.

Niki Lauda war ein sehr guter Freund. Haben Sie gewusst, wie schlecht es um ihn steht?
Ich habe gewusst wie schlecht es ihm geht, aber hatte bis zum Schluss Hoffnung. Aber ich habe, wenn ich mit ihm geredet habe, gemerkt, wie er selbst angefangen hat zu zweifeln und schwächer wurde, auch mental schwächer.

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?
Ich versuche daran zu glauben, weil ich es gern möchte.

Haben Sie eine spirituelle Ader?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin ziel- und faktenorientiert. Das Einzige, was mich schon zum Denken bringt, ist, das Altwerden. Natürlich hat jeder eine genetische Veranlagung, aber mit guter Ernährung und Sport kann man schon einiges machen. Ich versuche jedenfalls mein Bestes – auch wenn das nicht immer klappt, gerade mit der Ernährung.

22. Dezember 2020