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Gerhard Berger: All those years ago

Er war neben Niki Lauda der erfolgreichste Formel-1-Fahrer Österreichs, fuhr 210 Rennen, gewann zehn davon und war der bestbezahlte Rennfahrer seiner Zeit: Heute leitet Gerhard Berger ein Transport- und Logistikimperium in Tirol mit 500 Mitarbeitern, hat die DTM-Rennserie übernommen und ist gerade Großvater geworden. Im OOOM-Gespräch erzählt er über sein neues Leben in Tirol, die Schwierigkeiten als Patchwork-Familie, seinen Freund Niki Lauda, warum die Formel 1 meistens langweilig ist– und wie Ex-Beatle George Harrison kurz vor seinem Tod inkognito zwei Monate bei ihm in Söll im Tirol lebte.

GEORG KINDEL22. Dezember 2020 No Comments
Gerhard Berger

Mit Sebastian Vettel in der Formel 1

Sie hatten einen sehr spirituellen Freund, George Harrison von den Beatles.
Mit ihm habe ich viele schöne Momente erlebt, denn ich war so unbeeindruckt vom Starkult um die Beatles. Mir hat die Musik gefallen, aber die Dimension der Beatles habe ich erst viel später verstanden. Gerade das war auch, was George gefallen hat: Ich war jemand aus den Tiroler Bergen, von Ferrari, der keine große Sache daraus macht, ob er ein Beatles ist oder nicht. Er war ganz anders als ich, aber diese Gegensätze haben sich perfekt ergänzt und wir haben immer viel gelacht miteinander.

Was war Ihr schönster Moment mit George Harrison?
George hat, bevor er an Krebs gestorben ist und schon krank war, zwei Monate bei uns in Söll am Berg gewohnt. Die ganze Welt hat ihn in Los Angeles gesucht. Dass er bei uns war, wusste kein Mensch. Er war zwei Monate mit seiner Familie in den Bergen, ich war in Monaco und er war bei uns in Tirol. Das weiß bis heute kaum jemand. Wenn ich ihn in Tirol besuchte, hat er meistens komponiert und Songs geschrieben. Er mochte Damon Hill, Schumacher nicht so sehr. So waren dann seine Songs oft auch. Es ist oft passiert, dass Michael in seinen Liedern unter die Räder kam.

Der Ex-Beatle George Harrison hat Songs über die Formel 1 geschrieben?
(Lacht) Ja. Er hat sich hingesetzt und eine Stunde später hat er mit seiner Ukulele, die übrigens heute noch bei mir im Regal liegt, einen Song fertig gehabt und den hat er dann auch vorgespielt. Ich habe immer so lachen müssen, es war wirklich lustig: Er saß auf unserer Terrasse und irgendwo im lokalen Umfeld gab es einen Musiker, der jeden Tag um 17 Uhr geübt hat. In den Bergen hallt es ja und so hat George ihm tagein tagaus zugehört.

George Harrison hat bei uns in Söll vor seinem Tod zwei Monate in den Bergen verbracht. Als ihn alle in Los Angeles suchten. Seine Ukulele liegt noch immer im Regal.

Was haben Sie aus der Begegnung mitgenommen?
Er war ein sehr kluger Kerl mit unglaublichem Weitblick. Die Dimension, mit der er die Sachen betrachtet hat, in der er gedacht hat, war unglaublich und unvergleichlich. Meine Dimension war viel kleiner. Man hat einfach gemerkt, dass er nicht nur ein begnadeter Musiker ist, sondern dass ein besonderes Gehirn dahintersteckt.

Sie sind vor knapp drei Jahren von Monaco zurück nach Tirol gezogen. Wieso?
Dort wo man aufwächst und die eigene Sprache spricht, kann man zwischen den Zeilen lesen, was der andere gerade sagt. Das geht in einer Fremdsprache nicht so richtig. Diese Zugehörigkeit ist mir nicht abgegangen, aber jetzt bin ich froh, dass ich sie wiederhabe. Und die vier Jahreszeiten. Ich freue mich schon, wieder Ski fahren zu gehen, wenn es minus 20 Grad hat und die Eiszapfen runterhängen. Oder im Sommer in den Bergen wandern zu gehen.

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22. Dezember 2020